„Menschliches Schlachthaus“: Amnesty veröffentlicht Bericht über syrisches Militärgefängnis

Das autoritäre Assad-Regime ließ im Militärgefängnis Saidnaya bis zu 13.000 Menschen hinrichten. Das geht aus einem Bericht hervor, den Amnesty International veröffentlichte. Die Gräueltaten dauern vermutlich bis heute an.

Das Militärgefängnis Saidnaya aus der Luft. Screenshot: Google Maps

Etwa 20 Kilometer nördlich der syrischen Hauptstadt Damaskus befindet sich das Militärgefängnis Saidnaya. Was genau in dem Bau passiert, steht unter strenger Geheimhaltung; beim Wachpersonal sowie bei den Richtern soll es sich ausschließlich um Getreue des Assad-Regimes handeln, Informationen über die Vorgänge gelangen kaum nach außen.

Amnesty International hat es sich zur Aufgabe gemacht, die Gräueltaten in Saidnaya aufzudecken. 2016 veröffentlichte die Nichtregierungsorganisation (NGO) bereits ein 3D-Modell des dreistrahligen Gebäudes, das sie auf Basis von Satellitenaufnahmen und Gesprächen mit ehemaligen Insassen rekonstruieren konnte.

Am Dienstag hat Amnesty nun einen ausführlichen Bericht über das Foltergefängnis veröffentlicht, das die NGO als „menschliches Schlachthaus“ bezeichnet. So sollen in den zwei Hafttrakten des Militärgefängnisses zwischen 10.000 und 20.000 Menschen inhaftiert sein. Darunter befinden sich sowohl oppositionelle Offiziere und Soldaten als auch Zivilisten, die seit Beginn des syrischen Bürgerkrieges 2011 vom Assad-Regime festgenommen werden. Rechtsstaatliche Gerichtsverfahren gäbe es keine – Geständnisse würden durch Folter erzwungen.

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Von 2011 bis 2015 sollen überdies zwischen 5.000 und 13.000 Menschen in Saidnaya hingerichtet worden sein. Ein bis zwei Mal die Woche sollen die Wachen Inhaftierte ausgesucht, verprügelt und schließlich gehängt haben. Die Prozeduren hätten nachts im Geheimen stattgefunden, es sollen jeweils zwischen 20 und 50 Menschen getötet worden sein. Die Leichen sollen mit einem Lkw abtransportiert und in Massengräbern unter anderem in Najha verscharrt worden sein. Amnesty geht davon aus, dass die Gräueltaten bis heute andauern.

Für den Bericht interviewte die NGO 84 Menschen. Darunter befanden sich 31 Männer, die in Saidnaya inhaftiert waren, vier Offizielle und Wächter, die in dem Militärgefängnis arbeiteten, drei ehemalige Richter, vier Anwälte, drei Ärzte, Gefängnisexperten, sowie Familienangehörige von Inhaftierten.

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Seit fast 30 Jahren versucht Amnesty, die Machenschaften der syrischen Regierung aufzudecken. In dieser Zeit gelang es der NGO unter anderem zu dokumentieren, dass die Regierung in seinen Gefängnissen Gebrauch von 35 unterschiedlichen Foltermethoden macht.

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