Michael Moore kannte schon im Juli fünf Gründe für Trumps Wahlsieg – alle traten ein

Im Juli schrieb der Filmemacher Michael Moore einen Blogartikel, der erklärte, warum Trump gewinnen würde. Im Gegensatz zu vielen Umfragen, die Clinton vorne sahen, lag er mit seiner Prognose richtig.

© Kena Betancur/AFP/Getty Images

Knallhart analysiert und leider Recht behalten: Michael Moore. © Kena Betancur/AFP/Getty Images

Viele Menschen sind gestern morgen aufgewacht und waren überrascht, dass Hillary Clinton zukünftig nicht im Oval Office sitzen wird. US-Filmemacher Michael Moore war es nicht. Bereits im Juli erklärte er auf seinem Blog, warum Trump gewinnen würde. Er schrieb, dass er überzeugt ist, dass Hillary gewinnen würde, wenn die Menschen zuhause auf ihrer Couch mithilfe der Spielkonsole wählen könnten. In Amerika würde aber alles getan, um Menschen vom wählen abzuhalten. Sie müssten beispielsweise lange anstehen – besonders in ärmeren Gegenden, in denen viele Migranten lebten. Moore hat fünf Gründe genannt, warum Trump gewinnen wird. Alle sind höchst plausibel – und Moore behielt Recht.

1. Der „Rust-Belt-Brexit“

Im Nordosten der USA liegen die vier traditionell demokratischen Industriestaaten Michigan, Ohio, Pennsylvania und Wisconsin – auf die Trump sich laut Moore im Wahlkampf konzentrieren würde, um dort die Stimmen der weißen Arbeiterschicht abzugreifen, die sich von den Demokraten im Stich gelassen fühlen würden. Wie beim Brexit würden dort die Menschen aus Protest wählen. Ihre Stimme wäre nicht für Trump, sondern ein „persönlicher Molotov-Cocktail an die Menschen, die euch das angetan haben!“ Und Trump nur der Messenger. Der Rest sei laut Moore die mathematische Logik des amerikanischen Wahlsystems. Die übrigen republikanischen Staaten waren leichte Beute.

Trump holte alle vier Staaten des Rust Belt.

2. Der bedrohte, weiße Mann

Nachdem die armen, weißen Männer sich acht Jahre von einem schwarzen Präsidenten herumkommandieren lassen mussten, sollte jetzt auch noch eine Frau das Steuer übernehmen? No fucking way, das wäre zu viel für viele Wähler dieser Gruppe, meinte Moore.

Und er behielt recht, wie die demografischen Auswertungen zeigen.

3. Das Problem Hillary Clinton

Laut Moore repräsentiert Hillary die Politik alter Schule: Sie glaubt nur an das, was ihr Wählerstimmen bringt und verhält sich deswegen opportunistisch. Nur wenige Menschen in den USA waren wirklich begeistert von Hillary. Im Gegenteil: Sie war sogar ziemlich unbeliebt. Moore selbst habe sich eigentlich geschworen, sie nicht mehr zu wählen, weil Sie für den Irak-Krieg war. Um Trump zu vermeiden würde er es aber nun doch tun.

Auch manche deutsche Medien schreiben, es sei viel mehr so, dass Hillary Clinton die Wahl verloren habe, anstatt, dass Donald gewonnen hat.

4. Die traurige Sanders-Stimme

Die meisten Bernie Anhänger würden laut Moore zwar zur Wahl gehen, sie seien aber so enttäuscht über sein Ausscheiden, dass sie es nicht noch schaffen würden, fünf Freunde zu mobilisieren, die auch für sie wählen würden. Moore nennt das „the depressed Sanders-Vote.“

Laut Vox sank die Wahlbeteiligung in diesem Jahr drastisch, was ein weiteres Detail war, das Trump zum Sieg geholfen habe.

5. Der Jesse-Ventura Effekt

In der Wahlkabine sind wir ganz allein, können tun und lassen was wir wollen – wir müssen weder auf die Medien, noch auf unsere Mutter hören. Warum also nicht etwas ganz verrücktes tun? Als würde man an den Niagara-Fällen stehen und kurz überlegen, vielleicht zu springen. Moore schrieb, die Wahlkabine wecke in manchen Menschen den inneren Anarchisten, und dieser wählt Trump.

Sicher ist: Die Umfragewerte lagen weit neben denen der Realität. Ganz abwegig ist die Theorie also nicht.


Originalartikel von Michael Moore: 5 Reasons Why Trump Will Win