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Mit dem Finger den Kaffee bezahlen: US-Firma implantiert Kollegium Mikrochips

Eine US-Firma feiert mit ihren Mitarbeiter*innen eine Chip-Party, bei der ihnen Mikrochips implantiert werden. Damit sollen sie künftig mit nur einem Fingerzeig bezahlen können.

Chip im Finger? Kann man machen. © seraph / photocase.de

Morgens mit dem Chip im Finger die Tür zum Büro öffnen, sich am Rechner identifizieren, einen Kaffee bezahlen oder den Kopierer bedienen – schöne neue Arbeitswelt. Für 50 freiwillige Teammitglieder der Firma Three Square Market (32M) im US-Bundesstaat Wisconsin wird das bald Realität. Während eines Arbeitsevents wird ihnen am 1. August feierlich ein Nahfeldkommunikations-Chip (NFC) unter die Haut implantiert.

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NFC-Technologie wird bereits in Smartphones und diversen Chipkarten verwendet. Der Chip muss nah an ein Lesegerät gehalten werden, damit eine Datenübertragung stattfinden kann. So wird hierzulande bereits kontaktlos an Supermarktkassen oder in der Unimensa bezahlt, Türen im Fitnessstudio geöffnet oder ein Ticket bei den öffentlichen Verkehrsbetrieben erworben. Die Möglichkeiten von NFC sind vielfältig – und die Idee, so einen Chip unter der Haut zu tragen, gar nicht so abwegig.

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Dass die Firma 32M laut eigener Auskunft die erste Firma in den USA sei, die ihrem Kollegium diese Möglichkeit bietet, ist kein Zufall: Sie bietet IT-Systeme für Kleinstgeschäfte in Büros und Arbeitsplätze, bei denen Mitarbeitende Getränke und Snacks kaufen können und dann an einer Selbstbedienungskasse bezahlen. Die Schwesterfirma von 32M betreibt Kioske dieser Art in Gefängnissen. So ist die Chipparty auch als riesige Marketingmaßnahme zu sehen.

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Gruselig oder praktisch?

In Deutschland gibt es einige Start-ups, die sich auf die Herstellung dieser Chips konzentrieren und auch einige Piercingstudios, die sich auf das Einsetzen eines NFC spezialisiert haben. Die freie Journalistin Corinna Blaich hat den Selbsttest gemacht und sich einen Chip unter die Haut setzen lassen. „Es hat schon ein bisschen weh getan, aber es ist nur ein kurzer Schmerz, mehr wie ein Wespenstich“, erzählt sie im Interview mit Deutschlandfunk Nova.

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Laut Blaich ist in Deutschland die Entwicklung der Chips noch nicht weit genug, als dass sich ein Implantat lohne. Bezahlen sei bisher total schwierig, sie könne aber im Fitnessstudio die Tür öffnen, genau wie jeden Morgen ihr Fahrradschloss. Gesundheitliche Bedenken habe sie nicht. Wenn sie wollte, könnte sie den Chip mit einem kleinen Schnitt auch selbst wieder entfernen.

Der Datenschutz sei aber ein wichtiges Thema, weil der in Deutschland auch nicht so weit sei wie in anderen Ländern. Sobald das Ablesegerät groß genug wäre, könnten Mitarbeiter*innen auch ohne ihr Wissen erfasst werden. Beispielsweise könne dann gespeichert werden, wann die Mitarbeiter*innen auf Arbeit erscheinen. „Solange jeder selbst entscheiden kann, was auf diesen Chip kommt und was er damit selbst macht, ist es in Ordnung. Ich finde es schwierig, sobald Institutionen oder auch Firmen dazukommen“, sagt Blaich.

© Giphy

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