Mit der Ische zu den Maccabi Games – Wie viel Jiddisch steckt im Deutschen?

Am Dienstag werden die European Maccabi Games, die jüdischen Europaspiele, in Berlin eröffnet. Die Plakate der Maccabi Games zeigen, wie viel Jiddisch auch heute noch in der deutschen Sprache steckt.

© 2015 Makkabi Deutschland gGmbH

Plakat der Maccabi Games: Ische © 2015 Makkabi Deutschland gGmbH

79 Jahre nachdem die Nationalsozialisten jüdische Sportler von den Olympischen Spielen in Berlin ausschlossen, finden die Maccabi Games, die jüdischen Europaspiele, erstmals in Deutschland statt. Vom 27. Juli bis 05. August messen sich jüdische Sportler und Sportlerinnen in 19 Disziplinen bei der 14. Ausgabe der Spiele. 2000 Teilnehmer aus über 36 Ländern kicken, fechten, schwimmen, rennen dabei im Berliner Olympiapark. Es geht um den Sport, klar. Es geht aber auch darum, ein Zeichen gegen Rassismus und Intoleranz zu setzen. Wie verbunden die deutsche Kultur nach wie vor mit der jüdischen ist, lässt sich alleine durch einen Blick auf die Plakate der Veranstaltung erkennen:

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Plakate der Maccabi Games 2015 in Berlin © 2015 Makkabi Deutschland gGmbH

„Meschugge“, „Mischpoke“, „Ische“ – Begriffe, die einem bekannt vorkommen, die man vielleicht selbst sagt, aber gar nicht weiß, warum. Roland Gruschka, Juniorprofessor für Jüdische Literaturen an der Hochschule für Jüdische Studien Heidelberg, hat darauf folgende Antwort: „Es gibt so viele jiddische Wörter, die tief im Deutschen verwurzelt sind, dass man sie sich überhaupt nicht mehr wegdenken kann.“

Grund dafür, so der 43-Jährige, sei zum einen die starke jüdische Historie einiger Regionen Deutschlands. Vor allem im Berliner Raum, in Frankfurt am Main, im Südwesten Deutschlands und im Rheinhessischen hätte es bis zum frühen 20. Jahrhundert einen großen jüdischen Bevölkerungsanteil gegeben. Jiddisch habe sich hier mit den vorherrschenden deutschen Dialekten gemischt und so seien zum Beispiel Wörter wie „Mischpoke“ (Familie, Sippe) entstanden: „Im Jiddischen heißt das Wort ‚Mischpoche‘. Der Berliner Dialekt, der häufig „k“ oder „ck“ für „ch“, so wie bei „icke“, benutzt, machte daraus dann ‚Mischpoke‘.“

© Copyright Hochschule für Jüdische Studien
Juniorprofessor Roland Gruschka © Copyright Hochschule für Jüdische Studien

Der andere Hauptgrund für die Verbreitung des Jiddischen sei das wiederkehrende starke Interesse für die jüdische Kultur: Wenn, vielleicht aus Anlass eines Ereignisses wie der Maccabai Games, das Interesse für jüdische Geschichte und Kultur gerade wieder besonders stark ist, werden jüdische Wörter auch wieder häufiger in der Umgangssprache verwendet“, sagt Gruschka.

Eine besondere Rolle würden hier Jugendliche und Studenten spielen: „In einer multikulturellen Nachbarschaft oder beim Schüleraustausch und im Auslandssemester lernen sie viele neue Ausdrücke kennen. Dadurch, dass sie sich auch durch ihre Sprache von der älteren Generation abgrenzen wollen, verwenden sie oft auch neue Begriffe.“ So gelangte zum Beispiel die „Ische“ vor einigen Jahren wieder in die deutsche Umgangssprache. Während „Ische“ im Jiddischen allerdings ein seltener genutztes Wort für Frau ist, steht es im Deutschen meist eher salopp für „meine Freundin“.

Bei „meschugge“ verhält es sich genau andersherum. Während es im Deutschen eher ein nett gemeintes ‚bisschen bekloppt‘ beschreibt, „gilt es im Jiddischen als sehr schlimmes Schimpfwort“, so Gruschka, „das für ‚verrückt‘ gesagt wird.“ Wer auch immer also bei den Maccabi Games welche Medaille holt, allein unsere Sprache zeigt, dass Rassisten einfach nur meschugge sind.