Mit diesem Brief an Trump wollte Obama das Schlimmste verhindern

CNN veröffentlichte den Brief, den der 44. Präsident der USA dem 45. zur Amtsübergabe schrieb. Würde sich Trump an diese Ratschläge halten, die Welt wäre eine bessere.

"Bitte Donald, reiß dich zusammen." © Kevin Dietsch-Pool/Getty Images

Die letzten Momente seiner Präsidentschaft nutzte Barack Obama, um mit seinem Nachfolger Donald Trump zu kommunizieren. Es war der Tag von Trumps Amtseinführung, der 20. Januar 2017, als sich Obama wahrscheinlich das letzte Mal an seinen Schreibtisch im Oval Office setzte und seinen Stift zückte. Es ist Tradition für scheidende Präsidenten, ihren Nachfolger*innen einen handgeschriebenen Brief mit Glückwünschen und Ratschlägen zu hinterlassen. Sein Brief an Trump beginnt mit den Worten Dear Mr. President. 275 Worte und einige Absätze später endet er mit Glückwünschen und Obamas Initialen: BO.

Dann faltete er den Brief in drei Drittel, steckte ihn in einen Umschlag und schrieb in Großbuchstaben Mr. President darauf. Das Kuvert hinterließ er in der obersten Schublade des Resolute Desk, um dort von dem neuen Präsidenten gefunden zu werden.

Leaving the letter in the top drawer of the Resolute Desk. Jan. 20, 2017.

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Das berichtet CNN. Vergangenen Sonntag veröffentlichte der US-amerikanische Fernsehsender eine digitale Version des gesamten Briefs auf seiner Website. Laut eigenen Angaben erhielt der Sender diese Kopie von jemandem aus dem Weißen Haus. Trump habe den Brief schon des öfteren stolz vorgezeigt, als wäre er eine Trophäe.

„Hüten Sie die Demokratie!“

In dem Brief beschreibt Obama die enorme Verantwortung, die mit dem Amt des Präsidenten einhergeht. Neben Glückwünschen bietet er Trump in leicht mahnendem Ton einige Reflexionen aus den vergangenen acht Jahren seiner Amtszeit an. Millionen von Menschen hätten ihre Hoffnung auf Trump gesetzt, schreibt er. Alle, unabhängig der Parteizugehörigkeit, sollten auf vergrößertes Wohlergehen und erhöhte Sicherheit während seiner Amtszeit hoffen dürfen.

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Trump solle die Demokratie hüten, schreibt Obama weiter. „Wir haben dieses Amt nur vorübergehend inne. Das macht uns zu Hütern dieser demokratischen Institutionen und Traditionen – wie Rechtsstaatlichkeit, Gewaltenteilung, gleichen Schutz und Bürgerrechte –, für die unsere Vorfahren kämpften und Blut vergossen.“ Irgendwie ironisch, wurde Trump in seinen gut sieben Monaten im Amt doch bereits mehrfach vorgeworfen, die rechtsstaatlichen Prinzipien zu missachten. Er hetzte bereits gegen Richter*innen, wollte in der Russland-Affaire strafrechtliche Ermittlungen gegen ihn stoppen, begnadigte erst kürzlich einen Sheriff, der dafür bekannt war, gegen Bürgerrechte zu verstoßen. Mehr noch konzentrierte sich Trump in seiner bisherigen Amtszeit darauf, Gesetze, die von Obamas Administration eingeführt wurden, wieder rückgängig zu machen. Das macht er so intensiv, dass die Washington Post eine Liste führen muss.

Kay, thanks, bye

Trump würde Obamas Schreiben trotzdem wertschätzen, mehrmals habe er Besucher*innen schon den Brief gezeigt. Nach seiner Amtseinführung wollte er Obama zudem anrufen, um ihm zu danken. Der war allerdings gerade mit einer Familie in Kalifornien unterwegs und konnte nicht abheben. Als Obamas Hilfskräfte zurückriefen, ließen Angestellte des Weißen Hauses Trumps Dankbarkeit bloß ausrichten. Die beiden Präsident sprachen über den Brief nie persönlich.

In einem Interview mit ABC News sagte Trump: „Er [Der Brief] war lang. Er war komplex. Er war bedacht. Und es dauerte eine Weile, ihn zu schreiben, und ich schätze das.“ Trump holte sogar während des Interviews den Brief aus seinem Umschlag und zeigte ihn der Crew. Vorgelesen hat er ihn nicht.

George W. Bush schriebt am 20. Januar 2009 an Barack Obama: „Es wird ermüdende Momente geben. Die Kritiker werden toben. Deine ‚Freunde‘ werden dich enttäuschen. Aber Sie haben einen allmächtigen Gott, der Sie beruhigen wird, eine Familie, die Sie liebt und ein Land, dass sie anfeuert, inklusive mir.“

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Hier ist der vollständige Brief im O-Ton:

Dear Mr. President –
Congratulations on a remarkable run. Millions have placed their hopes in you, and all of us, regardless of party, should hope for expanded prosperity and security during your tenure.
This is a unique office, without a clear blueprint for success, so I don’t know that any advice from me will be particularly helpful. Still, let me offer a few reflections from the past 8 years.
First, we’ve both been blessed, in different ways, with great good fortune. Not everyone is so lucky. It’s up to us to do everything we can (to) build more ladders of success for every child and family that’s willing to work hard.
Second, American leadership in this world really is indispensable. It’s up to us, through action and example, to sustain the international order that’s expanded steadily since the end of the Cold War, and upon which our own wealth and safety depend.
Third, we are just temporary occupants of this office. That makes us guardians of those democratic institutions and traditions — like rule of law, separation of powers, equal protection and civil liberties — that our forebears fought and bled for. Regardless of the push and pull of daily politics, it’s up to us to leave those instruments of our democracy at least as strong as we found them.
And finally, take time, in the rush of events and responsibilities, for friends and family. They’ll get you through the inevitable rough patches.
Michelle and I wish you and Melania the very best as you embark on this great adventure, and know that we stand ready to help in any ways which we can.
Good luck and Godspeed,
BO