Mit Tanz und Tütü gegen Traumata im Gazastreifen

Was Musik, Bewegung und Tütü Gutes tun können, zeigt ein Kulturzentrum in Gaza-Stadt. Seit diesem Sommer tanzen fünfzig Kinder in der einzigen Ballettschule im Gazastreifen gegen den konfliktreichen Alltag an.

© The A.M. Qattan Foundation

Die kleinen Ballerinas probieren sich an der Ballettstange aus. © The A.M. Qattan Foundation

Kinder sind unsere Zukunft, wie man so schön sagt. Umso wichtiger ist es, dass ihre Kindheit eine schöne Zeit bleibt. Doch wie kann das an einem Ort geschehen, der von Bomben, Konflikten und Gewalt geprägt ist? Die Hälfte der 1,8 Millionen Einwohner Gazas sind minderjährig, laut einer Studie von Unicef leiden 400.000 dieser Kinder unter Krankheiten, wie Schlafstörungen und Verlustangst. Sie benötigen psychologische Unterstützung. Ein Kulturzentrum in Gaza-Stadt liefert sie erstmals in Form von Tanzstunden.

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Die hüpfenden Ballerinas im gefliesten Tanzraum stellen einen harten Kontrast zum Alltag vor den Türen der Ballettschule dar. In Schläppchen und Tütü tanzen pro Klasse 14 Lehrlinge zu klassischer Musik. Sie sind alle zwischen fünf und acht Jahren alt. Zusammen strecken sie die Beine, spitzen die Füße und folgen Tamaras Anweisungen. Lange hat das Zentrum auf einen ausgebildeten Tanzlehrer wie sie gehofft.

Seit diesem Sommer bietet die Ukrainerin Tamara Ballettstunden in Gaza an. Die Ballettschule sei ein Traum vieler Familien gewesen, erzählt der Chef des Kulturzentrums Heyam Al-Hayek der Nachrichtenagentur Reuters. Die Eltern seien froh, wenn ihre Kinder neben dem Alltag noch kreative Aufgaben erfüllen und unbeschwert sein dürfen. Innerhalb kürzester Zeit meldeten sich 50 Tanzbegeisterte bei den Ballettstunden an. Mittlerweile gibt es eine Warteliste, auf der über hundert weitere Kinder gelistet sind.

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Unter der Herrschaft der islamistischen Hamas brechen immer wieder militärische Auseinandersetzungen zwischen Israelis, Palästinensern und anderen Gruppen im Gazastreifen aus. Viele Kinder sind den Anblick von Bomben, Waffen und Blut gewohnt. Diese Bilder bleiben im Kopf.

Ballett bringt etwas Licht und Freude in diesen gewalttätigen Alltag. Eltern berichten, dass es ihren Kinder seit dem Tanzunterricht besser gehe. Manal Abu Muamar erzählt, dass die Ängste ihrer Tochter seit dem Krieg 2012 immer schlimmer geworden seien. Nach der ersten Ballettstunde sei sie verändert nach Hause gekommen: tanzend und glücklich.

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