Moderatorinnen sollen abnehmen: Ägyptisches Staatsfernsehen verordnet Diät

In Ägypten wurden acht Moderatorinnen von ihrem Sender suspendiert. Sie seien zu dick, um im Fernsehen gezeigt zu werden.

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Khadija Khattab ist zu dick zum moderieren. Das meint zumindest Ägyptens staatliche Rundfunkanstalt. © Screenshot | Youtube

Der Egyptian Radio and Television Union (ERTU) sind acht ihrer Moderatorinnen zu dick zum Moderieren. Aus der widerlichen Haltung wurde kürzlich eine wahnwitzige Idee: Die staatliche Rundfunkanstalt weiß sich nicht anders zu helfen, als die Frauen freizustellen und ihnen eine Diät zu verordnen. Sie haben nun einen Monat Zeit, bevor sie wieder im Fernsehen auftreten dürfen.

Statt diese diskriminierende Vorgehensweise wenigstens intern zu regeln, gab der Fernsehsender eine Mitteilung heraus, die nun in der Öffentlichkeit für eine frauenfeindliche Debatte in Ägypten sorgt. Alle können auf Facebook mitdiskutieren, alle können bewerten: Sind die Frauen denn nun zu fett – oder nicht?

So sind auch die Betroffenen gezwungen, sich öffentlich dazu zu äußern: Wie BBC berichtet, sagte eine der Moderatorinnen, Khadija Khattab, der Zeitung Al-Yawm al-Sabi, dass die Menschen sich gerne ihre letzten Auftritte ansehen könnten und dann für sich selbst entscheiden, ob sie tatsächlich „fett“ sei und ob sie es verdiene, an ihrer Arbeit gehindert zu werden. Eine weitere Moderatorin erzählt, die Situation habe ihre Familie bestürzt – es hätte intern geregelt werden sollen.

Die Sache nimmt groteske Ausmaße an: Während Kommentatoren diverser ägyptischer Medien sich darüber auslassen, ob die Entscheidung der Rundfunkanstalt in Kairo nun gerechtfertigt war oder nicht, nennen einige Menschen die Frauen über Social Media „bakabouzas“ – ein Wort, das Ägypter dazu verwenden, übergewichtige Frauen zu beschreiben.

Es gibt auch scharfe Kritik: Das Women’s Centre for Guidance and Legal Awareness teilte über Facebook mit, die Entscheidung sei „verfassungsfeindlich und ein Angriff gegen alle Frauen in Ägypten“. Der Sender solle umgehend zurückrudern.

Nun sollte sich niemand das Recht herausnehmen, über einen anderen Menschen aufgrund dessen körperlicher Eigenschaften zu urteilen. Doch der Sender sieht sich unter Leitung von Safaa Hegazy – einer übrigens recht schlanken Frau, die selbst einmal Moderatorin war – im Recht und denkt gar nicht daran, die Entscheidung zurückzunehmen. Die Anstalt teilt mit, man verzichte doch schon darauf, den Moderatorinnen während des Monats das Gehalt zu streichen.