Ex-Moloko-Sängerin Róisín Murphy ist zurück – mit toller Musik, Hummer und Rüschen

Es ist lange her, dass sie auf Tour war. Endlich steht Róisín Murphy wieder auf der Bühne!

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Róisín bei der Arbeit. © ze.tt/Philipp Kienzl

Angefangen hat alles mit „Moloko“. Als Frontfrau des Electronica-Duos produzierte die Irin Róisín Murphy (42) gemeinsam mit ihrem damaligen Lebensgefährten Mark Brydon in der Zeit zwischen 1995 und 2006 vier Studioalben. Ihre erfolgreichsten Hits aus dieser Zeit waren The Time Is Now, Sing It Back und Forever More.

Nach Moloko versuchte sich Murphy an einer Solokarriere. Mit ihrem Debutalbum „Ruby Blue“ (2005) probierte sie einen experimentelleren Sound und brachte unter anderem Wecker, Wasserspender und Haarspray mit ins Studio, um damit zu musizieren. Ein Jahr später kam „Overpowered“ heraus – ein Album, das von Kritikern als eines der besten Popalben seit Jahren gefeiert wurde. Dann die lange Pause.

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2014 veröffentlichte sie „Mi Senti“, eine EP mit sechs Liedern, die ausschließlich in Italienisch gesungen sind. Erfolg? Nicht so wirklich. Überraschend? Auch nicht.

Am 11. Mai diesen Jahres kam dann endlich wieder ein volles Album. Acht Jahre nach ihrem letzten. Man konnte gar nicht so schnell „Hairless Toys“ sagen, da hatten die ersten schon ein bisschen Freudenpipi im Auge. Das ist übrigens der Name des neuen Albums. Also Hairless Toys, nicht Freudenpipi.

Zugegeben, in der Musikwelt ist Róisín, deren Name aus dem Gälischen kommt und übersetzt „Röschen“ bedeutet, bereits ein alter Vogel. Aber im Gegensatz zu den noch älteren Tieren wie Madonna und Co. ist sie immer noch schön anzuhören und anzusehen, ohne einen Funken Fremdscham. Man kann ihre Musik mögen oder nicht, langweilig wird die Frau aber sicher nicht.

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In Berlin spielte sie in der „großen Arena“ im Tempodrom vor mehr als 2500 Fans. Die jubelten, hüpften und klatschten sich die Hände wund. Und schrien sich das Herz aus der Seele.

Zu Recht. Auf der Bühne war Róisín dermaßen außer Rand und Band, dass sie sich selbstironisch einmal selbst ermahnen musste: „I should stop yelling and start singing!“ Keine Spur von gebrechlichen Omi-Tendenzen, keine Spur von Altersstimmbruch. Musikalisch lag ihr Fokus vor allem auf dem neuen Album, ohne dabei auf die Klassiker aus der Moloko-Zeit zu vergessen.

Auch ihre Outfits waren so wunderbar schräg und kitschig wie man es von ihr gewohnt ist. Dabei waren ein Hummerkostüm, ein hellblaues Cinderellakleid mit übertrieben vielen Rüschen, ein schwarzer Teddybär sowie etliche Masken und Hüte. Róisín eben.

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