Mülltrennung: Wie sie funktioniert und wo sie scheitert

Im Jahr hinterlässt jeder Deutsche mehr als 617 Kilogramm Müll. Was passiert eigentlich mit unserem Müll, nachdem wir ihn in die Tonne geworfen haben? Wie wichtig ist Mülltrennung heute noch? Unsere Autorin hat nachgefragt.

Foto: © Christopher Furlong/Getty Images

Müll über Müll. Foto: © Christopher Furlong/Getty Images

Und schon wieder stehe ich fragend vor den Mülleimern: Soll ich jetzt die Papierhüllen von den Joghurtbechern entfernen? Die Becher ineinander stapeln, um Platz im Plastikmüll zu sparen? Erstmal Google fragen. Dort finde ich viele ähnliche Fragen – und unterschiedliche Antworten.

Zeit, Licht ins Dunkel zu bringen und beim Experten nachzufragen. Bei der Abfallwirtschaft der Stadt Nürnberg hat mir der Zweite Werkleiter Reinhard Arndt die Müllverbrennungsanlage gezeigt und erklärt, ob Mülltrennung überhaupt noch wichtig ist.

Was passiert mit meinem Müll?

Jeder Deutsche produziert im Jahr gut 130 Kilogramm mehr Müll als andere EU-Bürger im Durchschnitt, das sind absolut mehr als 617 Kilogramm im Jahr. Wir werfen ihn in die Tonne und er wird von der Müllabfuhr abgeholt. Und dann? Wird er in einem Müllwerk nochmal per Hand aussortiert? „Nein, das ist nicht möglich“, erklärt Reinhard Arndt von der Abfallwirtschaft in Nürnberg und fügt hinzu:

„Die Mülltrennung im Haushalt ist die sortenreinste Trennung.“

Mülltrennen ist also wichtig. Was mit dem Müll passiert, nachdem er von den Haushalten abgeholt wurde, ist regional unterschiedlich. In Deutschland gibt es ein Mischmodell: Die Kommunen sind für die Entsorgung von Papier-, Bio- und Restmülltonne zuständig, weshalb die Entsorgung und Anzahl dieser Tonnen sich in von Region zu Region unterscheiden. Biomüll, wenn es ihn gibt, wird in der Regel in die Kompostieranlage gebracht und der Verpackungsmüll der gelben Tonne kommt in die Sortieranlage, wo beispielsweise Sahnebecher und -deckel getrennt werden. Danach kommt der Müll in eine Verwertungsanlage. Die Entsorgung von Verpackungsmüll fällt aber nicht in den Zuständigkeitsbereich der Städte. Sie ist Teil von „Der grüne Punkt – Duales System Deutschland GmbH“ (DSD), ein privat finanziertes System.

Auch Glas- und Papiermüll werden zu einer Verwertungsanlage gebracht. Die Reste dieser Stationen landen jeweils in einer Müllverbrennungsanlage. Der Restmüll wird direkt zu einer Müllverbrennungsanlage gefahren.

Wir machen Vieles bereits richtig

Was das Mülltrennen anbelangt, mache die junge Generation schon Vieles richtig. „Viele junge Leute überlegen, was in welcher Mülltonne am besten aufgehoben ist und welchen ökologischen Fußabdruck sie hinterlassen. Sie haben ein Bewusstsein dafür und das ist sehr gut“, so Arndt. Die Kritik an der Wachstums- und Wegwerfgesellschaft der 1960er Jahre hatte zu einem Umdenken in der Gesellschaft geführt. In den 1970er und 1980er Jahren wurde deshalb die kommunale Abfallwirtschaft weiterentwickelt.

Die Recyclingquote der Stadt Nürnberg liegt heute bei über 60 Prozent. Also läuft alles gut? Leider nein. „Der tatsächlich brauchbare Wertstoffanteil in deutschen Städten liegt laut Expertenmeinung bei etwa 35 Prozent, der Rest wird meist verbrannt“, erklärt Reinhard Arndt. Technische Innovationen helfen bei der Abfallsortierung und -aufbereitung, aber sie allein garantieren kein nachhaltiges Recycling.

Plastiktüten sind nicht unser größtes Problem

„Wir müssen uns fragen, ob wir an den richtigen Punkten ansetzen“, fordert Arndt. Bestimmte Ressourcen sind endlich. Sie werden uns ausgehen, wenn wir sie nicht recyceln können und keine Alternativen finden. Wie zum Beispiel Öl.

„Die Diskussion um Plastiktüten und Plastikmüll im Allgemeinen erweckt den Eindruck, dass für die Rohstoffwirtschaft in Deutschland wichtig wäre, noch mehr Kunststoffabfälle zu recyceln – dabei wird nur etwa ein Prozent des Ölimports für die Herstellung von Kunststoffen verwendet“, erklärt Arndt. So lange aber mehr als 90 Prozent des Öls verbrannt würden, sei das Recycling von Kunststoffabfällen kein geeignetes Mittel, um Öl zu ersetzen.

„Abfallvermeidung beginnt beim Produktdesign. Da muss man ansetzen“, so Arndt. Wenn eine Zahnpasta-Tube in Wellpappe verpackt, mit Beipackzettel und in Folie eingeschweißt verkauft würde, sei das nicht zielführend. Handys und andere technische Geräte sollten reparaturfreundlich konzipiert sein, sodass der Kunde beim kleinsten Problem nicht sofort ein neues Gerät kaufen müsse. „Handel und Hersteller haben eine Produktverantwortung“, sagt Arndt. Die Konsumenten müssen dann dazu helfen: durch ihre Kaufentscheidungen und bei der Mülltrennung.

Teste dich!

Kennst du dich mit Mülltrennen und dem Abfallsystem in Deutschland aus? Im Quiz kannst du dein Wissen testen. Es sind mehrere Antworten möglich.