Muslimisch, weiblich und verdammt laut – diese Metal-Band aus Indonesien bricht mit allen Klischees

Drei junge Frauen vereinte die Leidenschaft zum Metal und der Kampf für Geschlechtergleichheit. Heute performen sie mit ihrer Band Voice of Baceprot auf indonesischen Bühnen.

Widi Rahmawati (links) und Firdda Kurnia der Band Voice of Baceprot. Screenshot: MariaHaskins/Twitter

Für viele mag es ein ungewöhnliches Bild sein, wenn drei zierliche, Hijab-tragende Mädchen auf der Bühne stehen und in ihre Mikros schreien. Für Firdda Kurnia, gerade einmal 16 Jahre alt, ist es das Natürlichste auf der Welt. „Der Hijab sollte keine Hürde für eine Band sein, ihren Traum zu erfüllen und Metalstars zu werden“, sagt Firdda. Sie ist Sängerin und Gitarristin der Band.

Die drei jungen Frauen lernten sich auf der Schule in Indonesiens bevölkerungsreichsten Provinz West Java kennen und gründeten dort 2014 ihre eigene Metalband. Sie hatten es satt, als Frauen unmündig und stimmlos zu gelten. Also sagten sie diesen Stereotypen den Kampf an – mit Gitarren, Headbanging und Coversongs von Metal-Legenden wie Metallica und Slipknot. Mittlerweile performen sie auch schon eigene Songs, in denen sie zum Beispiel das indonesische Bildungssystem thematisieren.

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„Ich denke, die Gleichstellung der Geschlechter sollte gefördert werden, weil ich fühle, dass ich immer noch meine Kreativität erforsche, während ich gleichzeitig noch meine Verpflichtungen als muslimische Frau erfüllen muss. Und sie werden nicht weniger“, sagt Firdda.

Die Fans der Band sehen in der Hijab-tragenden-Frauen-Metal-Band keine Widersprüche, sondern erkennen in ihr einen politischen Akt. „Das bezieht sich auch auf die Menschenrechte: Wenn ein muslimisches Mädchen das Talent hat, gut Schlagzeug oder Gitarre zu spielen, warum sollte sie das nicht ausleben dürfen?“, sagt Teti Putriwulandari Sari, ein Fan der Band der Nachrichtenagentur Reuters.

Lauter Kulturschock

Indonesien ist das Land mit den meisten Muslimen*as weltweit, die muslimische Bevölkerung macht fast 90 Prozent der Bevölkerung von 250 Millionen Menschen aus. Die Mehrheit der indonesischen Muslime*as übt eine liberale Form des Islam aus.

Trotzdem sind nicht alle mit der Hardcore-Metalband glücklich und betrachten sie als zu exotisch. „Bisher war eher die religiöse Popmusik unter den Jugendlichen populär“, sagt Muhammad Sholeh, ein Lehrer der städtischen Cipari Islamic School. „Es ist schon ungewöhnlich, eine Gruppe von Hijab-tragenden Mädchen zu sehen, die Metal spielen. Und dann sind es auch noch Frauen, die schreien. Und wir reden hier von lauter Metalmusik.“ Dafür sei die indonesische Bevölkerung noch nicht bereit.

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Andere religiöse Vertreter*innen sehen in der Metalband keinen Bruch muslimischer Werte. „Ich sehe die Band als Teil der kreativen Entwicklung der Jugendlichen“, sagt Nur Khamim Djuremi, Generalsekretär der islamischen Kunst- und Kulturabteilung des indonesischen Ulema-Rates.

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