Nach Mord in australischem Hostel: Mutter reist mit der Asche ihrer Tochter um die Welt

Nach dem Mord an ihrer Tochter Mia, reist Rosie Ayliffe an die Orte, die die 21-Jährige noch besuchen wollte.

Screenshot: Facebook

Im März postete Mia (links) diese Kollage. Sie zeigt sich selbst im Jahr 2015 und ihre Mutter Rosie im Jahr 1995 in Goa. Screenshot: Facebook

Trauer ist eine Reise, die jeder Mensch anders beschreitet. Die Britin Rosie Ayliffe hat sich für einen besonderen Weg entschieden: Sie nimmt die Asche ihrer Tochter und bringt sie an die Orte, die die 21-Jährige nicht mehr selbst bereisen kann. Mia Ayliffe-Chung wurde am vergangenen Dienstag in einem Hostel in Home Hill, Australien erstochen.

Ihre Gedanken und Gefühle teilt Rosie Ayliffe in ihrem Blog „A journey in grief“ auf The Independent. „Trauer ist eine komische Sache“, beginnt sie ihren ersten Eintrag. „Mir wurde von den Opferschutzbeamten gesagt, dass ich am Anfang einer Reise sei und dass ich viele Emotionen erleben werde. Die letzten Tage haben sich meine Gefühle so ferngehalten, dass ich mich seit gestern frage, ob ich überhaupt trauere.“

Sie scheint noch nicht realisiert zu haben, dass ihre Tochter nicht mehr lebt. „In meinem Kopf ist sie immer noch am Leben und es geht ihr gut in Australien“, sagt sie, obwohl sie es besser weiß. „Ich bin mir völlig im Klaren, dass ihr Körper gerade auf einer Fliese irgendwo an einem kalten, dunklen Ort liegt.“

Mit der Asche will die Mutter unter anderem nach Kanada, Neuseeland und Singapur reisen

Weil sie diesen Gedanken aber nicht lange ertragen konnte, entschied sie, ihre Tochter so schnell wie möglich einäschern zu lassen. Mit der Asche will sie unter anderem nach Kanada, Neuseeland und Singapur. „So kann sie Orte besuchen, die sie noch nicht besuchen konnte.“

In ihrem zweiten Blogeintrag erzählt Ayliffe, wie die Beerdigung in der britischen Heimatstadt Wirksworth aussehen soll. Auch wenn der Täter noch nicht vor Gericht verurteilt wurde, glaubt die Mutter nicht an einen terroristischen Akt, auch wenn dies zuvor vermutetet wurde. Die Polizei habe bisher keine Verbindung zu terroristischen Gruppen nachweisen können. Auf der Beerdigung ihrer Tochter sollen daher neben Zeilen aus der Bibel auch welche aus dem Koran vorgelesen werden.

[Außerdem auf ze.tt: Liebesbriefe an unsere Mütter]

Die Reise und ihr öffentlicher Blog sind für die Britin Ayliffe ein Weg mit dem Tod ihrer Tochter umzugehen. „Im Moment kann ich nur mit unserem Verlust umgehen, indem ich denke: Mias Zeit ist gekommen und was am Dienstag in diesem Hostel passiert ist, war ihr Schicksal. Es sollte immer so passieren“, sagt sie. „Aber ich denke auch, dass dieses kleine weise Mädchen aus einem Grund hier war, und Teil meiner eigenen Reise wird es sein, herauszufinden welcher.“