Nach Anschlag in Paris: Sein Partner wurde getötet – Hass ist für ihn trotzdem keine Lösung

Etienne Cardiles hat seinen Lebensgefährten bei dem Terroranschlag am 20. April in Paris verloren. Trotzdem weigert er sich, die Täter zu hassen.

"Vielleicht wird dieser furchtbare Schmerz eines Tages vergehen – ich weiß es nicht." © Bertrand Guay/AFP/Getty Images

„Xavier, als ich am Donnerstagmorgen wie immer zur Arbeit ging, da hast du noch geschlafen. […] Ich kehrte an diesem Abend ohne dich nach Hause zurück …“

Was Etienne Cardiles am 20. April 2017 erlebte, möchte man sich gar nicht vorstellen. Tagsüber hatte er mit seinem Lebensgefährten Xavier Jugelé noch den gemeinsamen Urlaub besprochen – am Abend brach seine Welt zusammen. Zuvor hatte ein Mann mit einer Kalaschnikow auf dem Champs-Élysées das Feuer auf eine Gruppe von Polizisten eröffnet. Zwei wurden verletzt, außerdem auch eine Touristin. Xavier Jugelé jedoch verstarb noch am Unfallort.

„Vielleicht wird der Schmerz eines Tages vergehen – ich weiß es nicht“

Eine am Tatort gefundene handschriftliche Notiz deutet inzwischen auf einen islamistischen Hintergrund hin. Der Attentäter sei der Polizei bekannt gewesen und mehrere Male wegen seines offenen Hasses auf die Polizei und durch Gewaltstraftaten aufgefallen, berichtete die Zeit. Das allein wären genug Gründe für Etienne Cardiles, auf die Ermordung seines Lebensgefährten mit Hass zu reagieren. Er entschied sich jedoch dagegen.

„Wenn es um mich geht: Ich leide ohne Hass.“

Auf der Trauerfeier für Xavier Jugelé waren nicht nur dessen Familie und über einhundert Kolleg*innen, sondern auch Staatschef François Hollande und der Premierminister Bernard Cazeneuve anwesend. Vor ihnen hielt Etienne Cardiles eine bewegende Trauerrede, in der er auch erklärte, warum er sich weigere, den Täter oder den IS zu hassen.

„Ich fühle keinen Hass, Xavier, weil du ihn auch nicht empfinden würdest“, erklärte Etienne. Der Polizist war 2015 einer der ersten am Tatort des Attentates im Club Bataclan gewesen, er setzte sich für Gay-Rights ein und war in der Flag, der Vereinigung für LGBT-Polizist*innen, aktiv. Seine stärksten Waffen seien immer Toleranz, Dialog und Geduld gewesen.

Genau deshalb wolle Cardiles dem Hass nicht nachgeben, egal wie furchtbar der Schmerz auch sei: „Als ich die ersten Nachrichten erhielt, dass etwas auf dem Champs-Élysées geschehen sei und ein Polizist getötet worden war, da sagte eine kleine Stimme mir, dass du dieser Polizist warst und sie brachte mir auch den gütigen, heilenden Satz: ‚Ihr werdet meinen Hass nicht bekommen‘.“

Cardiles komplette Trauerrede kannst du dir hier anschauen:

Außerdem auf ze.tt