Nach einer Stillgeburt spendet diese Mutter ihre Milch

Die Milch, die ihr Sohn nicht trinken wird, spendet eine Frau an andere Kinder. Sie verarbeitet damit ihre Trauer – und bricht das Schweigen über Stillgeburten.

Screenshot: Facebook/Wendy Cruz-Chan

Neun Liter spendete Wendy Cruz-Chan am 6. September 2016 für zwei Babies. Screenshot: Facebook/Wendy Cruz-Chan

„Es ist eine Geburt – auch wenn das Kind tot ist“, sagt Wendy Cruz-Chan. Nach einer Infektion ihrer Gebärmutter musste die New Yorkerin im Juli ihren Sohn Killian in der 19. Woche tot zur Welt bringen. Seither trauern sie und ihr Mann.

Doch Cruz-Chan hat einen besonderen Weg gefunden, ihre Trauer zu verarbeiten: Sie pumpt die Milch ab, die ihr Körper weiterhin produziert und spendet sie an Kinder, die sie brauchen. Sie sagt, wenn Menschen sehen würden, dass sie Milch abpumpt, würden manche fragen:„Wo ist ihr Kind?“ Sie antworte dann mit der Wahrheit, auch wenn sie schockierte oder bemitleidende Blicke dafür bekomme.

„Alles, was ich von ihm habe, ist seine Asche in seiner Urne. Ich kann ihn nicht anziehen, nicht mit ihm spielen und ihn nicht aufwachsen sehen. Als Mutter tut das sehr weh“, sagt sie im Interview mit dem Magazin Inside Edition. Doch das Spenden gebe ihr einen Sinn, da sie„etwas Tragisches in etwas Gutes verwandeln“ kann.

Ihren Trauerprozess veröffentlicht Cruz-Chan, die selbst als Geburtshelferin arbeitet, auf Social Media, um das Tabu der Stillgeburt zu brechen. Dort finde sie auch die Mütter, die selbst nicht stillen können und denen sie ihre Milch spendet. Mit ihrer Geschichte will sie anderen Müttern Mut machen, über ihre Erlebnisse zu sprechen. Sie fotografiert sich mit einem Ultraschallbild oder an der Milchpumpe.

Auch andere trauernde Eltern gehen mit ihren Geschichten an die Öffentlichkeit, um dieses Schweigen zu brechen (wie hier auf Zeit Online oder hier im Stern). Mit einer Crowfunding-Kampagne will Cruz-Chan das Geld für so genannte „Cuddle Cots“ sammeln: Das sind Kinderwiegen, in denen das Kind gekühlt liegen kann, damit die Eltern mehr Zeit haben, sich von ihm zu verabschieden.

Fremdstillen ist allerdings nicht umstritten, obwohl dies im 20. Jahrhundert verbreitet war. Wenn eine Mutter nicht stillen konnte oder wollte, wurde dies meist von einer Amme übernommen. Heutzutage ist dies unüblich, viele Frauen greifen zu Pulvermilch, wenn sie selbst nicht stillen können. Es gibt jedoch auch in Deutschland Frauen, die ihre Milch online anbieten. Manche Mediziner raten davon ab, Milch aus diesen Muttermilchbörsen zu kaufen, da die Kühlung nicht gesichert und die Milch mit gefährlichen Erreger und ansteckenden Krankheiten belastet sein kann. Doch der Bedarf ist da und Muttermilch (auch die einer fremden Mutter) enthalte laut Expert*innen wichtige Nährstoffe und Antikörper, die Pulvermilch nicht völlig ersetzen könne. Eine Alternative können Frauenmilchbanken, wie beispielsweise in der Universitätsklinik Leipzig sein.

Wie genau sie ihre Milch spendet, erklärt Cruz-Chan nicht. Mittlerweile habe sie aber sechs Kindern helfen können. Langsam werde sie ihre Brüste entwöhnen, sagt sie. Doch auch nach dem Abstillen will sie weiter über das Thema der Stillgeburt sprechen und ihre Geschichte mit anderen Frauen teilen.