Nachhaltige Mode: Spanische Designerin erfindet Leder aus Ananas

Es gibt genügend Gründe, um auf die Lederproduktion zu verzichten. Wer den Stil trotzdem mag, kann mit Ananas schummeln.

© Ananas Anam Ltd.

Wenn Ananas zu Leder wird, könnten Tiere am Leben bleiben. © Ananas Anam Ltd.

Gürtel, Portemonnaies, Taschen – Tiere müssen für unsere Accessoires oft ihre Haut lassen. Ein Lederersatz aus den Blättern der Ananas könnte aber zum großen Aufatmen in den Ställen und auf den Weiden dieser Erde führen. Kühe, Pferde, Schafe und viele andere, teils exotische Tierarten könnten verschont werden, sollte sich der Mensch vom veganen Ananasleder überzeugen lassen.

Ananasfasern von philippinischen Landwirt*innen

Die Idee für das neue Material hatte Carmen Hijosa. Die spanische Designerin wurde auf den Philippinen auf die Ananasfasern aufmerksam, die bei der Ernte übrig blieben. Sie begann damit zu experimentieren und fand heraus, dass sich die Blätter mit einer Methode, die der Filzerzeugung ähnelt, zu einem festen Material modifizieren ließen. Sieben Jahre und die Gründung des britischen Start-Ups Ananas Anam später, war das tierleidfreie Leder fertig: Piñatex.

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Fasern der Ananasblätter auf den Philippinen. © Ananas Anam Ltd.
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Ananasfasern beim Trocknen. © Ananas Anam Ltd.

Der neue Stoff soll dem echten Leder tatsächlich nahe kommen. Die Internationale Organisation für Normung (ISO) führte Tests durch und kam zu dem Ergebnis: Piñatex kann die internationalen Standards für Stärke, Farbechtheit, Wasser, Abnutzung und Resistenz von Zigarettenverbrennungen, und Flexibilität erfüllen. Der Stoff könne außerdem leicht bedruckt, gefärbt und geschnitten werden.

Ananasleder würde Überweidung mindern

Die Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) schreibt in einem Bericht aus dem Jahr 2006, dass 30 Prozent Erdoberfläche „weitgehend monokulturell für die Tierhaltung genutzt“ und 70 Prozent des abgeholzten Amazonas Regenwalds für Weiden verwendet werden. Mehr Ananasleder würde eine Überweidung vermindern, Tiere verschonen und sogar die Luftqualität verbessern.

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Die Modemarken Puma und Camper sind bereits auf den Ananaszug aufgesprungen. Und neben veganen Schuhen wurden auch Stühle, Sofas, Kleider und Taschen hergestellt. Letztere wurde erstmals auf der diesjährigen Berliner Fashionweek vorgestellt. Sollte der Rest der kommerziellen Lederindustrie nachziehen, könnte das vegane Leder eine kleine Revolution auslösen. Denn: Die notwendigen Blätter kommen nach wie vor von philippinischen Bauern, die damit eine neue Einkommensquelle haben. Als Nebenprodukt der Ernte sind keine neuen Anbaufelder notwendig. Die bei der Produktion übrigbleibende Biomasse kann für Dünger und Biogas verwendet werden. Und jedes Tier, das deswegen am Leben bleibt, würde vor Freude jede Ananas einzeln küssen.

© Smith Matthias
Taschen aus Ananasleder. © Smith Matthias