„Nehmt sie doch mit nach Hause zu euch!“ Nachbarn fürchten sich vor 16 geflüchteten Kindern

In Halle möchte das Rote Kreuz Kinder und Jugendliche unterbringen, die ohne ihre Eltern geflohen sind. Eine Infoveranstaltung dazu zeigt, wie tief die Gräben zwischen Helfern und manchen Anwohnern sind.

© Screenshot Facebook Halle TV

"Wissen Sie, ob die nicht auch auf mich losgehen?" © Screenshot Facebook Halle TV

Wir lassen uns nicht verarschen!“

Was mich besonders stört, wenn diese Jugendlichen kommen – ich hab selber Enkelkinder – wenn die zusammenstoßen, was da werden soll?“

Es kann ja auch mir was passieren. Wissen Sie, ob die nicht auch auf mich losgehen? Das weiß man alles nicht. Man hört ja viel im Fernsehen.“

Nehmt sie doch mit nach Hause zu euch!“

Das sind Zitate von Anwohnern aus Halle-Nietleben. Dort möchte das Deutsche Rote Kreuz (DRK) Anfang Mai in der ehemaligen Landesrettungsschule eine Unterkunft für Geflüchtete einrichten – für 16 Kinder und Jugendliche, die ohne ihre Eltern in Deutschland sind.

Das DRK hatte Anwohner zu einem Infoabend eingeladen, den sich Tobias Heinicke (47), stellvertretender Geschäftsführer des Kreisverbandes Halle-Saalkreis-Mansfelder Land anders vorgestellt hatte. „Wir haben mit 20 bis 30 Leuten gerechnet“, sagt er zu ze.tt. Doch es kamen mehr als 80 und Heinicke musste die Veranstaltung vom Speiseraum ins Freie verlegen. „Ich habe nicht damit gerechnet, dass es so negativ und massiv werden würde“, sagt er.

„Die Stimmung war von Anfang aufgeheizt“, sagt Andreas Leopold (59) über den gut zweistündigen Abend. Er ist Vorsitzender des Nietlebener Heimatvereins und kann die Argumente der Gegner nicht nachvollziehen. „Den jungen Menschen von vorne herein irgendwas zu unterstellen, halte ich für völlig übertrieben.“ Man spreche hier nicht von 160 Geflüchteten, sondern von 16 Kindern und Jugendlichen, welche die Unterkunft nach rund acht Wochen wieder verlassen, sagte er.

In dieser Zeit will das DRK unter anderem folgende Fragen klären: Wo sind ihre Eltern? Was haben die jungen Menschen durchgemacht? Wie ist ihr Bildungstand? Gibt es vielleicht Verwandte in Deutschland? Können sie in die Schule gehen?

Dass die Kinder und Jugendlichen rumlungern und auf dumme Gedanken kommen, ist unwahrscheinlich. Immer ein Betreuer kümmert sich um zwei Kinder – und beobachtet sie.

Doch mit solchen Argumenten war an diesem Abend nicht weit zu kommen. Unversöhnlich standen sich die Gegner der Unterkunft auf der einen Seite und DRK und Befürworter auf der anderen Seite gegenüber. „Ich schätze, dass 80 Prozent der Anwesenden gegen die Unterkunft waren“, sagt Leopold vom Heimatverein. Er habe dem DRK im Namen seines Vereins Unterstützung angeboten – „auch wenn das erstmal nur moralisch ist“, sagt er. „Die vom DRK sollen wissen, dass sie nicht allein sind.“

Mehr zu der Infoveranstaltung gibt es beim „Naumburger Tageblatt“: Unterkunft für minderjährige Flüchtlinge – Video zeigt Eskalation bei Infoveranstaltung