Warum Männer manchmal die besseren Freunde sind

Frauenfreundschaften sind ohne Frage toll und wertvoll. Aber ich glaube, dass Männer manchmal tatsächlich die besseren Freunde sind – und hier erkläre ich, warum.

Männer sind tolle Freunde. © simonthon.com / photocase.de

Hands up for my Homies

Ich hänge gern mit Kerlen ab. Und zwar richtig, richtig gerne. Hierbei geht es nicht nur darum, dass Freundschaften zu Männern häufig stress- und dramafreier sind, sondern ich glaube, es geht dabei um mehr.

Ich jedenfalls würde jedem Girl auf der Welt empfehlen, sich eine echte Brosismance zuzulegen. Das gleiche gilt natürlich auch für alle Dudes. Aber ich schreibe hier über meine ganz persönliche Erfahrungen und da ergibt es sich nun mal, dass ich eine Frau bin, die über ihre Freundschaft zu Männern berichtet.

Ich kann ein Lied davon singen, denn ich hatte mein Leben lang eher tiefgründigere Freundschaften mit Jungs und Männern als klassische Beste-Freundinnen-Konstellationen. Woran das liegt? Keine Ahnung.

Der Grundstein für meine Männerfreundschaften wurde früh gelegt

Ich denke, dass das ganz natürlich ist, wenn man nicht von Klein auf mit bekloppten Stereotyp-Ansichten bombardiert wird: Ich spiele mit denen, die ich mag und nett sind. Egal ob du einen Schniedel hast oder nicht. Allerdings zeigen mich meine ersten Freundschafts-Fotos ausschließlich mit Jungs. In der Sandkiste, beim Kinderturnen, bei Übernachtungsabenden oder bei Schnapsschüssen aus dem Kindergarten: ich und meine Homeboys. Hier wurde bereits der Grundstein für alle meine wunderbaren Freundschaften mit Männern gelegt.

Kurze Randnotiz, für alle, die beim Lesen der ersten Zeilen schon Schnappatmungen bekommen haben: Ich bin im Grunde absolut dagegen, ständig die Männer-sind-so-und-Frauen-sind-so-Leier abzuspielen. Und ich möchte auch niemanden auf den Schlips, Kleider-oder Rocksaum, Hosenanzug, Stöckelschuh, Sneaker oder sonst was treten und vor allem keine Anti-Girl-Power betreiben. Lasst mich eines klar stellen: Ich liebe Frauen. Ganz abgesehen davon bin ich selber eine. Aber Männer liebe ich auch. Ganz besonders die wahnsinnig tollen Typen um mich herum. Und ich bin manchmal einfach überrascht, wenn mir Freundinnen und Bekannte berichten, dass sie keine echte Freundschaft zu Männern pflegen. Das sollte sich ändern!

Wenn ich auf meine eigenen Erfahrungen aus knappen 30 Jahren Freundschaft zurückblicke, hat sich immer wieder gezeigt: Freundschaften zwischen Männern und Frauen gibt es nicht nur, sie funktionieren fabelhaft und tun uns Frauen sogar richtig gut.

Denn während ich wegen Mädelscliquen und besten Freundinnen schon so manchen Kampf austragen und einige Tränchen vergießen musste, war das mit meinen Kumpels nie ein Thema. Es gab weder Katastrophen noch sind Dinge vorgefallen, die mich tiefgreifend an meinen Freundschaften zu Frauen haben zweifeln lassen, aber sind wir mal ganz ehrlich: Frauen können manchmal wirklich garstig sein. Besonders in der Pubertät. Boah, welche Dramen sich da teilweise abspielten – unfassbar.

In meinen Männerfreundschaften gibt es keinen Neid

Als Teenie habe ich, quasi als Ausgleich zu meinem Seifenopfer-Mädchencliquen-Dasein, immer an den Freundschaften zu meinen Kumpels festgehalten. Meist waren die Jungs einfach nicht an Klatsch und Tratsch interessiert: Wer mit wem Freundschaftsbücher und Geheimnisse teilte, interessierte sie ebenso wenig wie Neid oder Äußerlichkeiten. Mit ihnen konnte ich chillen, Basketball oder Karten zocken, auf dem Spielplatz abhängen, Bier trinken und schlechte Horrorfilme schauen.

Natürlich schnackten wir auch übers Verknallt sein, Eifersucht und Liebeskummer – aber eben auf eine andere Art und Weise. Nämlich mit Abstand und aus dem jeweils anderen, spannenden Blickwinkel. Während meine Kumpels sich mir gegenüber anders öffnen konnten und auch mal ein paar Mädelsfragen loswurden, lernte ich, die Dinge aus Jungssicht zu betrachten. Eine Erfahrung, von der ich bis heute profitiere. Denn auch heute tun mir meine Freundschaften mit Männern gut. Mit meinen besten Freunden kann ich so ziemlich alles besprechen, worüber ich auch mit meinen Freundinnen quatsche. Und noch viel mehr.

Wichtige Entscheidungen bespreche ich lieber mit meinen Jungs

Wenn es um Probleme oder wichtige Entscheidungen in meinem Leben geht, bespreche ich das immer am liebsten mit meinen Kumpels. Denn irgendwie kommen dabei immer die produktivsten und besten Sachen bei raus. Ich glaube wichtige Stichworte hierbei sind: echter Support, völlige Neidfreiheit und null Konkurrenzdenken. Hinzu kommen beim männlichen Geschlecht häufiger Gelassenheit, schwarzer Humor und besonders auch die Wird-gemacht- beziehungsweise Scheiß-doch-drauf-Mentalität.

Ein paar Beispiele gefällig?

Wenn ich meinem besten Freund von tollen Neuigkeiten berichte, dann sehe ich an seiner Reaktion nichts anderes als echte Freude. Das will ich natürlich nicht allen meinen Freundinnen komplett absprechen, aber ich hab die Erfahrung gemacht, dass Frauen leider häufiger dazu neigen, sich untereinander zu vergleichen. Wir denken einfach schneller „Toll, das will auch“ oder „Mist, warum hab ich das nicht?“. Komisch, oder? Daran sollten wir wirklich arbeiten, aber das ist ein anderes Thema. Jedenfalls habe ich bei meinen Kumpels nicht das Gefühl, dass sie sich mit mir vergleichen. Sie freuen sich ganz einfach für mich.

Können die Kumpels super: Probleme lösen

Was sie auch gut können: mir den Kopf waschen. Als ich zum Beispiel vor einigen Jahren tränenüberströmt und jaulend mit meinem besten Freund durch den Stadtpark lief, weil ich in fiesen Freundinnen-Ärger geraten war, hätte mir niemand besser helfen und mich wieder aufbauen können als er. Mit meinen Freundinnen ist das nämlich oft so: Wir reden gern ausführlich über alles. Das heißt, wir zerreden manche Dinge, was manchmal nicht wirklich zielführend ist.

Für meinen besten Freund war das alles Quatsch: „Darüber machst du dir ernsthaft Gedanken? Das läuft sich wieder zurecht.“ Aha! Es war so einfach wie bekloppt, aber es war mein persönliches kleines Drama. Mit seinen paar Worten hatte er mir aber die Unsinnigkeit all dieser bad vibes allerdings so schnell verknipst, dass ich schlagartig nicht mehr heulen musste, was für ihn mit Sicherheit auch weitaus angenehmer war – die Leute guckten schon.

Sie halten mir auch gerne mal den Spiegel vor – das bringt mich weiter

Jap, das ist wirklich etwas, was meine Kumpels gut draufhaben: Sie können scheinbar super schwierige Dinge und Nervthemen in Nullkommanix herrlich aufs Wesentliche reduzieren. Hinterher erscheint es dann fast lächerlich, darüber auch nur einen Gedanken verschwendet zu haben. Für dieses Gedankenkarussel werde ich übrigens gerne auch von ihnen verarscht. Die Scherze gebe ich mir aber gern, denn sie haben ja recht.

Oft sind es auch meine männlichen Freunde, die mir den Spiegel vorhalten und mir zeigen, wie bescheuert ich bin. Wenn ich zickig, undankbar, maulig, unfair oder ganz einfach richtig scheiße bin, kann ich mich eigentlich immer darauf verlassen, dass sie mir es richtig schön unter die Nase reiben. Das nervt mich vielleicht im ersten Moment, hilft mir aber tatsächlich bei der Selbstreflektion.

Sehr angenehm mit den Jungs: Ein Wort ist ein Wort

Was ich an meinen Kumpels außerdem super finde: Man findet mit ihnen nicht nur andere Lösungen, es gibt oft auch ganz andere Themen, die mich total inspirieren. Ich habe so viele coole Ideen und Anregungen von Kerlen bekommen, auf die ich alleine oder bei Gesprächen mit meinen Freundinnen bestimmt niemals gekommen wäre.

Seien es Bücher, Artikel, Sportarten oder Reisetipps: so viele Ratschläge und Denkanstöße, die ich niemals missen möchte.

Genauso mag ich ihre entspannte Grundhaltung und dass man sich eigentlich immer auf sie verlassen kann: Ein Wort ist ein Wort. Da gibt es nichts zu rütteln! Und sie sind entscheidungsfreudig. Kein langes Wir-können-auch-dies-machen-oder-das-machen: „Du hast einen Vorschlag? Gut, dann lass das machen. Du hast keinen Vorschlag? Gut, dann machen wir das.“

Das spiegelt sich übrigens auch in der Kommunikation mit ihnen wider. Kurze, knappe Antworten mit viel Info und wenig Drumherum-Inhalt. Eine Eigenschaft, die uns Frauen ja häufig ganz wahnsinnig macht. Aber ich nehme es den Boys nicht krumm. Man muss sie eben so nehmen wie sie sind.

Ich muss meinen Homies einfach mal Danke sagen

Und genau das ist wirklich etwas, was ich an meinen männlichen Freunden unheimlich schätze: Sie nehmen auch mich so wie ich bin. Und das ist sicherlich manchmal nicht so einfach. Deshalb will ich diesen Text auch nutzen, um einfach mal Danke zu sagen: Danke für so viel Liebe, Verständnis trotz Unverständnis, Loyalität und Spaß, den man mit euch Kerlen haben kann. Danke, dass ihr immer da seid und mir so viel über Freundschaft beibringt.

Ja ich weiß: voll sentimental und rührselig. Aber was soll ich machen? Es ist ja nun mal so. Und ich glaube, es gibt ganz viele Frauen, die solche Liebesbekundungen an ihre männlichen Buddies genauso unterschreiben würden.

Zum Schluss noch mal den Zeigefinger in die Luft:

Freundschaft kennt natürlich kein Geschlecht. Jede Freundschaft ist toll, wertvoll und sollte gebührend gefeiert werden. Ich möchte niemanden mit diesem Text beleidigen, anprangern oder ausschließen – ich habe euch alle lieb.

Das hier ist kein Plädoyer gegen irgendwen oder irgendwas, sondern für etwas ganz Bestimmtes, das mal gesagt werden musste. Denn das einzige, was ich mit diesem Text verteilen möchte, sind ganz ganz viele liebenswerte Ghettofäuste an all die schönen Brosismances da draußen.


Von Mira Eggerstedt auf EDITION F.

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