Nichts motiviert dich mehr als dein Hunger

Kaum etwas bringt uns besser aus dem Bett als der Geruch von Brötchen und Kaffee. Wie stark die motivierende Kraft unseres Hungers sein kann, hat eine Gruppe von US-Forscher*innen untersucht.

Foto: inkje/Photocase.de

Nichts geht über Kekse! Foto: inkje/Photocase.de

Es gibt Menschen, wie zum Beispiel mich, die sind nicht auszuhalten, bevor sie morgens was im Magen haben. Ist der Hunger zu groß, kann das auch mal zu handfesten Konflikten führen – um Toaster, Äpfel oder den letzten Schluck Soja-Milch.

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Ja, Hunger kann uns in den Wahnsinn treiben – und er motiviert einen mehr als andere Triebe wie Durst und sogar Angst. Das haben Wissenschaftler*innen anhand einiger Untersuchungen mit Mäusen am Nationalen Gesundheitsinstitut in Maryland herausgefunden. Kürzlich veröffentlichten sie ihre Ergebnisse im Wissenschaftsjournal Neuron.

Hunger besiegt Durst

Im ersten ihrer „Wie sehr motiviert Hunger?“-Experiment testeten die Forscher*innen hungrige und durstige Mäuse auf ihren präferierten Reflex, wenn ihnen Futter und Wasser vorgesetzt wird. Das Ergebnis: Die Mäuse ignorierten zuerst ihren Durst und zogen das Futter dem Wasser vor. Die Kontrollgruppe mit nicht-hungrigen Mäusen wählte dagegen zuerst das Wasser.

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Hunger besiegt Angst

In einem anderen Experiment sperrten sie hungrige und nicht-hungrige Mäuse in Käfigen in einen Raum, der mit einem Duft parfümiert war, den Füchse produzieren. Als die Wissenschaftler*innen den Mäusen Futter in den Raum stellten, überwanden sich nur die hungrigen Mäuse aus dem Käfig, um an das Futter zu kommen.

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Hunger besiegt Sozialverhalten

Auch gegen den Drang des sozialen Miteinander siegt der Hunger. In einem dritten Experiment setzten die Forscher*innen eine sozial isolierte Maus vor zwei Käfige: In dem einen befand sich Futter, in dem anderen eine Maus. Obwohl Mäuse generell sehr soziale Tiere sind, entschied sich die hungrige Maus für das Futter, anstatt mit seiner*ihrer Genoss*in abzuhängen. Sie entwickelte sogar einen noch stärkeren Hunger, da sie die andere Maus als Futter-Konkurrenz wahrnahm. Dasselbe Experiment führten die Wissenschafter*innen auch mit einer nicht-hungrigen Maus durch, die sich für die Gesellschaft der anderen Maus entschied.

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Die motivierende Kraft des Hungers ist leicht zu erklären: Wenn dem Körper Kalorien fehlen, kann das zu psychischen und physischen Schäden führen. Die vom Hunger aktivierten Stoffe im Hirn versetzen laut den Wissenschaftler*innen Mäuse – ebenso wie Menschen – in einen negativen, von Affekten bestimmten Zustand, der in Erwartung auf Lebensmittelzunahme sensorischen Signale unterdrückt. Oder auch: Wenn wir Hunger haben, erscheint uns nichts wichtiger als Essen.