Nichts nervt so sehr wie euer Junggesell*innenabschied

Eigentlich wollte ich nur kurz in die Innenstadt. Plötzlich stehe ich inmitten betrunkener Playboy-Häschen, Riesenbabys und ihren Begleiter*innen. Mir reicht’s.

© dpa

Same shit, different weekend: Verrückte Jungesell*innenabschiede nerven. Aber ab jetzt werde ich mich wehren! © dpa

Es gibt Menschen, denen will ich an meinem wohlverdienten Wochenende einfach nicht begegnen. Menschen, die Junggesell*innenabschied auf der Straße feiern, zum Beispiel.

Sie lassen mich nicht weitergehen, umzingeln mich, hauchen mir ihre widerliche Schnapsfahne ins Gesicht. Immer wieder. Erwachsene, die sich verhalten wie spätpubertäre Prolls. Die drucken sich hässliche Gruppen-Shirts mit ihren Namen darauf, verkleiden sich schlecht und führen sich auch sonst auf, als wären sie auf dem Ballermann. Hallo?

© GIPHY

Ich habe nichts dagegen, wenn jemand seinen Jungell*innenabschied cool feiert. Wie Erwachsene. Auf einem Hausboot, einer gediegenen Grillparty mit Blues-Band, in einer gemieteten Bar. Aber diese Art, Junggesell*innenabschied in der Innenstadt zu feiern, die geht mir auf den Sack. Ich will meine Ruhe haben, wenn ich durch die Stadt gehe und keinen billigen Scheißfusel für zwei Euro das Fläschchen trinken.

Lange habe ich versucht, diese Gruppen zu ignorieren – in der Hoffnung, sie verschwinden irgendwie. Aber sie gehen nicht weg, es werden sogar immer mehr. Jetzt reicht’s. Ab jetzt nerve ich zurück. So:

Ich verkaufe ihnen ihren eigenen Schnaps

Ich stelle mich in die Gruppe der Jungesell*innen und inszeniere mich selbst als Verkäufer. Ich beginne, mich aus dem Bauchladen mit den ekelhaften Klopfer-Fläschchen zu bedienen. Dann bin ich ihr Marktschreier – und meine das ernst! Ich verkaufe jedem einzelnen der Gruppe ein Fläschchen ihres eigenen Fusels.

Sie werden sehr irritiert sein und genau das ist mein Ziel. Ich plädiere darauf, dass sie das jetzt kaufen müssen, zu Ehren des oder der Heiratenden. Ich nerve sie, wie sie mich nerven („und wenn es das Letzte ist, das ich tue, ich werde euch euren eigenen Scheißdreck jetzt verkaufen!“). Sie werden ganz bestimmt irgendwann kopfschüttelnd nachgeben. Wenn ich das geschafft habe, klopfe ich mir selbst auf die Schulter und verlasse den Spot like a boss.

Wie die Irren, diese Junggesell*innen. © GIPHY

Ich mache einen Heiratsantrag in einer Fremdsprache

Treffe ich eine Männergruppe, laufe ich direkt auf den Heiratenden zu und gehe in die Knie. Ich sage ihm, dass ich ihn liebe und mache ihm einen Heiratsantrag. In einer Fremdsprache. Dafür nutze ich mein ganzes schauspielerisches Potential, lege ganz viel Emotion da rein. Ich bediene mich an einer dieser Versionen von „Ich liebe dich. Willst du mich heiraten“:

  • Niederländisch: Ik hou van je. Wil je met me trouwen?
  • Italienisch: Ti amo. Vuoi sposarmi?
  • Norwegisch: Jeg elsker deg. Vil du gifte deg med meg?
  • Englisch: I love you. Will you marry me?

Ich warte anschließend kurz auf eine Antwort und gehe dann. Die Gruppe, vor allem der Bräutigam in spe, wird vielleicht kurz ungläubig lachen, aber tief im Innern durch diese Sachlichkeit erschüttert sein.

Junggesell*innen: Kein Respekt vor ihren Mitmenschen. © GIPHY

Ich drehe einmal kurz komplett durch

Ich lasse ihnen gar keine Chance, auch nur ein Wort zu sagen, sondern raste aus. Ich schreie in die Luft, mache einen Purzelbaum, trommle auf Mülltonnen herum, tanze wie verrückt im Kreis. Ich werde wild, werde kreativ.

Nach gut zwei Minuten werde ich wieder runterkommen. Mit etwas Glück ist die Gruppe dann schon verwirrt weitergezogen. Wenn nicht, richte ich meine Kleidung, blicke bedeutungsschwanger in die Runde und sage: „Nicht mit mir, ihr Trottel, nicht mit mir.“ Dann ziehe ich souverän von dannen.

Junggesell*innen: Endlos dicht sind sie und tanzen schlecht. Bah! © GIPHY

Ich bleibe sofort stehen, blicke ins Leere und sage gar nichts

Sobald die Gruppe von gackernden und grölenden Menschen mir begegnet und mich anspricht, werde ich direkt zu Stein. Ich bin dann eine Säule und tue nichts mehr. Ich starre einfach irgendwo hin, bewege mich nicht. Wenn mich jemand antanzt oder berührt, bleibe ich konzentriert und standhaft. Ich gebe ihnen das Gefühl, sie seien Luft.

Sie werden das Interesse an mir verlieren und mich in Ruhe lassen. Und auch wenn sie bei der nächsten Person weitermachen – das wird nachhallen, sie werden sich trotz massivem Rausch an diese Situation erinnern und sich fragen, was sie nur falsch gemacht haben. Ich hoffe, dass viele mir das gleichtun, denn dann wird ihre Antwort lauten: „Alles.“

Bäm, Ziel erreicht!

© GIPHY

Nerven euch diese Gruppen auch so sehr, wie sie mich nerven? Habt ihr weitere Ideen, wie ich den Junggesell*innen künftig mit Stil begegnen kann? Schicke sie mir an till.eckert@ze.tt.