Niemand hat ein Gratis-Festival mehr verdient als die Menschen auf Lesbos

Auf Lesbos findet derzeit das Symbiosis Festival statt: Musik, Kunst und Gespräche bescheren Helfer*innen, Bewohner*innen und Geflüchteten hoffentlich ein paar glückliche Momente. Ein kleiner Lichtblick auf der krisengeplagten Insel.

© Screenshot Vimeo

Beteiligte beim Symbiosis-Festival © Screenshot Vimeo

Ein ganzer Monat Eskapismus: Vom 26. Juli bis zum 26. August haben die Menschen auf Lesbos die Gelegenheit, ihren Alltag wenigstens ein Stück weit hinter sich zu lassen. Das Symbiosis Festival ist gratis und organisiert von vielen. Freiwillige Helfer*innen, Geflüchtete und Menschen aus der örtlichen Bevölkerung haben einen Ort geschaffen, an dem Konzerte und Ausstellungen stattfinden und Gesprächs-Panels oder Workshops für Kinder angeboten werden.

Eine wohlverdiente Pause für Menschen auf der Insel, auf der unterschiedliche Probleme zusammenkommen.

A reminder of why we do what we are doing – #SymbiosisLesvosArtsFestival #LesvosWelcomesTheWorld #refugeeswelcome #Lesbos

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Flüchtlingskrise

Da ist zum einen die Flüchtlingskrise. Vergangenen Sommer kamen mehr als 800.000 Menschen in Griechenland an, allein auf Lesbos sollen es vergangenes Jahr 50.000 gewesen sein. An manchen Stellen auf der Insel beträgt die Entfernung zum türkischen Festland nur etwas mehr als zehn Kilometer. Kein Wunder also, dass die drittgrößte Insel Griechenlands zur Anlaufstelle für ankommende Geflüchtete wurde. Mindestens 700 Menschen starben bei der versuchten Überfahrt nach Lesbos; Berichte über Tote, die an die Küste geschwemmt wurden, machten Schlagzeilen.

Lesbos wurde zum Symbol der Krise, Prominente wie Angelina Jolie ließen sich dort solidarisch-helfend ablichten, Papst Franziskus kam vorbei und mahnte.

Dank des zweifelhaften EU-Türkei Deals, von dem viele auf der Insel hoffen, er möge bestehen bleiben, sind es in diesem Jahr weitaus weniger Geflüchtete, die über die Agäis nach Griechenland kommen, von wenigen Dutzend im Monat ist die Rede.

Ankommende Menschen werden zügig ins Hinterland befördert, die Lager sind militärisches Sperrgebiet, niemand darf dort Fotos machen oder hinein, um zu berichten. Unklar also, wie viele Menschen dort wirklich unter welchen Umständen leben – sie sind gestrandet, wo andere Urlaub machen.

Insel ohne Touristen – während der Finanzkrise

Oder besser: Urlaub machten. Denn es landen nicht nur viel weniger Geflüchtete auf der Insel – laut Greekreporter kamen in diesem Sommer auch 65 Prozent weniger Touristen nach Lesbos. Einst waren es 35 Charterflüge, die wöchentlich hier landeten, nun sind es nur noch 12. „Es ist eine Katastrophe –der Tourismussektor der Insel ist so gut wie ausgelöscht „, sagt Periklis Antoniou, Vorsitzender des örtlichen Hotelierverbands, dem Standard.

Dabei sind es vor allem die Sommermonate, die vielen der Einwohner durch Tourismus zu Einkommen verhelfen. Und dann steigen auch noch die Lebenshaltungskosten in Griechenland. So wurde vergangenen Herbst die Mehrwertsteuer – beispielsweise auf Übernachtungen – im Zuge der Finanzkrise bereits erhöht, in wenigen Monaten steht eine weitere Erhöhung an.

Symbiosis-Festival

Inmitten dieser Zeiten findet nun das Symbiosis Festival statt. Die fünf hauptverantwortlichen Organisatoren, vier Griechen und ein Palästinenser, haben ein Ziel: Sie möchten die Menschen auf Lesbos zusammenbringen – Einwohner*innen, Helfer*innen und die knapp 3.500 offiziell registrierten, geflüchteten Menschen sollen sich gegenseitig kennenlernen und die Sorgen wenigstens für kurze Zeit vergessen können.

Eine schöne Idee. Wer möchte, kann das Festival per Crowdfunding unterstützen.