Nilpferd in Nigeria erschossen: Tierschutz in Zeiten von Boko Haram

Tierschutz muss man sich leisten können. In Nigeria ist nun ein wild-wütendes Nilpferd erschossen worden. Die Anwohner hatten keine andere Wahl.

© Orlando Sierra/AFP/Getty Images

Ein Flusspferd hat ein Dorf in Nigeria terrorisiert. Nun ist es tot. © Orlando Sierra/AFP/Getty Images

Die Tränen für Löwe Cecil trocknen langsam; rund um den Planeten vernichten Menschen weiterhin Biomasse, Verzeihung, töten Tiere. Und schon wieder starb ein großes afrikanisches Tier: diesmal ein Nilpferd. Es hatte das Dorf Darin Kowa im nordöstlichen Gombe terrorisiert. Ökonomische Gründe zwangen die Ranger, „Mai Taurin Kai“ zu erschießen. Für eine Umsiedlung fehlte das Geld.

Die Nachrichtenseite „The Daily Beast“ zitiert einen Beobachter: „Manchmal wachten die Leute am Morgen auf, ihre Farmen zerstört. Und sie wussten nicht wen sie nun verdächtigen sollten: Boko Haram oder das berüchtigte Nilpferd.“ Beide hätten Höfe zerstört und Menschen getötet. Fünf Menschen sollen Opfer des Nilpferdes geworden sein, Dutzende hätten ihre Häuser verlassen. Da ist die Bilanz der Terrororganisation Boko Haram um einiges blutiger.

Die Jäger teilten das Fleisch auf

Mehr als zwei Jahre soll Mai Taurin Kai die Region terrorisiert haben; nun rief die Regierung zur Jagd auf. Eine Woche lang waren Soldaten und Jäger auf der Spur des Nilpferdes, töteten es schließlich und zerlegten es. Das Fleisch teilten sie unter sich auf.

Der nigerianische Wissenschaftler Obi Robert wünscht sich, dass die Tiere betäubt und weggebracht werden – und nicht direkt erschossen. Das jedoch sei viel zu teuer für das krisengeschüttelte Nigeria. Schon die notwendigen Fahrzeuge fehlen. Mai Taurin Kai sei vermutlich sehr alt gewesen, da trete gewaltsames Verhalten schon mal auf. Zuletzt soll vor 28 Jahren passiert sein, zitiert „allafrica.com“ den Anführer der Dorfgemeinschaft, Saadi Adamu.

Die Nilpferde gelten in der Region nicht als gefährdete Spezies, bedroht seien sie dennoch, sagt Biologe Francis Effiom. Der Abschuss bösartiger Tiere gehe deshalb in Ordnung, wenn damit Menschen geschützt werden.

Zwischen Flusspferd und Terrororganisation macht die Angst der Bewohner keinen Unterschied, sagte Autor Suleiman Hamza gegenüber Daily Beast. Doch der Kampf gegen ein Nilpferd ist einer, der in Nigeria noch gewonnen werden kann. Im Kampf gegen Boko Haram hingegen brauchen die Menschen stärkere Waffen – und den Schutz durch andere Länder. Das Nilpferd mag tot sein, Farmen werden aber weiterhin zerstört. Und Menschen getötet.