Norwegischer Fernsehsender will realen Aufklärungssex für Teenager im TV zeigen

Die Meisten kennen Sex vor dem eigenen ersten Mal nur aus Filmen oder Pornos. Zu Aufklärungszwecken möchte das öffentlich-rechtliche Fernsehen nun echten Sex zeigen.

Sex im Fernsehen als Gegendarstellung zu Pornografie. © picture alliance/chromorange

Sex in Hollywood-Filmen ist immer wahnsinnig erotisch, Sex in Pornos dafür meistens übertrieben und dreckig. Dass Sex auch mal unbeholfen und plump sein kann, wird in beiden Varianten gerne verschwiegen. Wie echter Sex aussieht, möchte der öffentlich-rechtliche Sender NRK nun zeigen. Mit Werbeplakaten und im Internet suchen sie nach Paaren „zwischen 18 und 35 Jahren, die bereit wären, in unserem Fernsehprogramm Sex zu haben“. Der soll dann im landesweiten Fernsehen ausgestrahlt werden, ganz ohne Porno-Härte und Hollywood-Kuscheln.

Im Sinne der Aufklärung

Der Aufklärungssex soll nichts Pornöses haben, im Gegenteil: Er soll eine bewusste Gegendarstellung zu Pornografie sein und Teenagern zeigen, wie Sex im wahren Leben aussieht. Der zuständige Redakteur Håkon Moslet fügt hinzu: „Nur operativ verbesserte Körper in überchoreografierten Sexszenen zu zeigen, schafft falsche Hoffnungen und Verwirrung“, wie die Süddeutsche Zeitung berichtet. Die Paare sollen ab November in der Aufklärungssendung Line fikser kroppen auftreten, einige hätten sich bereits auf das Jobangebot gemeldet. Durch die Sendung wird die 27 Jahre alte Moderatorin Line Elvsåshagen führen.

Freizügigkeit in Skandinavien

Dass skandinavische Länder freizügiger mit dem Thema Sex umgehen, wissen wir spätestens seit dem schwedischen Kinderlied Snoppen och Snippan. Darin singen tanzende Cartoon-Penisse und -Vulven über die anatomischen Unterschiede zwischen den Geschlechtern. Oder seit dem dänischen Fernsehspot Do It For Denmark, in dem eine dänische Reisegesellschaft die Einwohner*innen dazu auffordert, mehr Sex im Urlaub zu haben, um so der rückläufigen Geburtenrate entgegenzuwirken.

[Außerdem auf ze.tt: Kampagne soll Sexismus in der Schule bekämpfen]

In Newton, einer norwegischen Wissenschaftssendung für Kinder auf NRK, wird schon seit 2015 Acht- bis Zwölfjährigen alles zum Thema Pubertät erklärt. Und zwar so bildlich wie nur möglich. Moderatorin Line Jansrud übt darin Zungenküsse mit angebissenen Tomaten, zeigt an echten Geschlechtsteilen, wie Selbstbefriedigung funktioniert und nimmt sich Staubsauger zu Hilfe, um die Entstehung von Knutschflecken zu erklären.

Auf einem anderen Sender, SVT, spielte ein junger Moderator mit blutigen Tampons, lief mit einer Gitarre durch Schulen und sang dazu „Hip Hip Hurra für die Periode“. In der Sendung erklärt er den Zuschauer*innen, dass Buben extra nett zu Mädchen sein sollen, wenn sie ihre Periode haben. Dass man vor ein bisschen Blut keine Angst haben müsse, zeigt er demonstrativ, in dem er das Blut an den Fernseher spritzt. Im Gegensatz zu den singenden Cartoon-Geschlechtsteilen hat sich hierüber aber niemand beschwert. Ach, Skandinavien.