Nur weil ich im Club mit dir rede, will ich nicht gleich mit dir ins Bett!

Zwischen jemanden „interessant finden“ und „ich kann mir wirklich mehr vorstellen“ liegen Welten. Warum aber wird aus Interesse gleich so viel mehr abgeleitet? Können wir nicht einfach nur reden?

© Jens Lumm / photocase.de

Können wir Sexualität und alle anderen Gefühle einfach mal weglassen und einfach nur reden?! © Jens Lumm / photocase.de

Wenn sich zwei Blicke treffen …

Ein Abend im Club. Du tanzt, du lachst, du bist gut gelaunt. Dein Blick trifft den eines anderen. Intuitiv erfolgt ein beschämtes Wegschauen, bevor das Gegenüber seinen Mut zusammennimmt und auf dich zukommt. Das, was darauf folgt, kennen wir alle: „Wie heißt du? Was machst du so? Mit wem bist du hier?“

Alles schön und gut, eine ganz gewöhnliche Unterhaltung eben. Was mich daran einfach nervt, ist eine Sache: Dass solche Unterhaltungen meistens darauf aus sind, herauszufinden, ob irgendetwas zwischen den zwei Personen „geht“. Dass Freundlichkeit oder ein glückliches Lachen, das in dem Moment gar nicht einer bestimmten Person, sondern nur der Situation gilt und per Zufall den Blick eines anderen kreuzt, oftmals missverstanden und als Aufforderung wahrgenommen wird.

Dass kaum eine Unterhaltung einfach mal so geführt werden kann, weil man sich gegenseitig interessant findet und erfahren will, was das Gegenüber so macht – auf freundschaftlicher Ebene und nicht gleich auf der Ebene Affäre, Sex, Beziehung.

Wo liegt das Problem?!

Es ist kaum möglich, als Frau (so geht es bestimmt auch Männern manchmal) seinen Gesprächspartner nach der Handynummer zu fragen, weil man den anderen sympathisch findet. Schlichte, pure Sympathie. Ja, die gibt es – ganz ohne, dass das Kopfkino anspringt oder Hintergedanken im Kopf anfangen zu rattern. Man wird schräg angeschaut und die Typen machen einen beschämten Rückzieher, weil das ihre Freundin vermutlich gar nicht gutheißen würde.

Aber wo ist das Problem? Können sich zwei Menschen nicht einfach gut verstehen, ohne dass gleich Sexualität oder sonst irgendetwas dazwischen funkt?

Es ist doch schön, wenn man neue Menschen kennenlernt, wenn man aus dem Nichts heraus ein Gespräch anfängt und so auch mal den gewohnten Freundeskreis (der meist eh nur aus den eigenen Kommilitonen besteht) verlässt. Aber können wir bitte die Hoffnung, dass auf das Gespräch mehr folgt, einfach aus dem Repertoire streichen? Kann ein Gespräch nicht wirklich auf purem Interesse basieren?

Denn, wenn ich meinem Gegenüber Fragen stelle, dann sind die ernst gemeint. Die Fragen zielen nicht darauf ab, ein bisschen Smalltalk zu betreiben und das Gespräch am Laufen zu halten. Wenn ich jemanden frage, wie es ihm oder ihr geht, interessiert mich das tatsächlich. Wenn ich jemand Neues kennenlerne und frage, was er oder sie so macht, dann will ich das wirklich wissen. Wenn ich im Gespräch lache, finde ich etwas wirklich lustig. Weil ich mein Gegenüber schlichtweg interessant finde. Und nicht, weil ich gleich mehr will.


Von Lena Lammers auf EDITION F.

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