Olympia-Athletinnen verdienen Respekt, nicht Sexismus!

Nein, Athletinnen gewinnen Medaillen nicht, weil sie die Frau von jemandem sind oder von einem Mann trainiert werden. Athletinnen gewinnen Medaillen, weil sie hervorragende Athletinnen sind. Punkt.

© Clive Rose/Getty Images, Sam Greenwood/Getty Images

Keine Männer haben die Medaillen errungen – diese Athletinnen waren es. © Clive Rose/Getty Images, Sam Greenwood/Getty Images

Es wird immer schwieriger, die Erfolge von Kathleen Genevieve Ledecky kompakt aufzulisten. Die 19-jährige US-Amerikanerin erhielt 2013 und 2014 Auszeichnungen als Weltschwimmerin des Jahres, sie stellte Weltrekorde im Freistilschwimmen über die Distanzen von 200 und 1500 Meter auf – und holte zuletzt bei den Olympischen Spielen in Rio mit der Rekordzeit von 3:56.46 auf 400 Metern Gold.

Und wie reagiert die Presse auf die Leistung dieser Ausnahme-Athletin?

Die Daily Mail bezeichnete sie in einer Schlagzeile als die weibliche Form eines Mannes, dessen Name hier bewusst nicht genannt wird, der aber auch ein sehr guter Schwimmer ist. Inzwischen hat die Zeitung die Headline geändert, die Beschreibung findet sich allerdings noch im Text.

Auf Twitter löste dieser unnötige Vergleich Sexismus-Vorwürfe aus.

Auch vermeintlich nette Lobpreisungen von Twitter-Nutzern blieben nicht ohne Diskussion.

In die Nesseln setzte sich auch ein NBC-Kommentator, als er Katinka Hosszús Sieg ihrem Gatten zuschrieb.

Die Ungarin holte Gold auf 400 Metern. Hosszús Mann ist auch ihr Trainer. Zwar erklärt die Schwimmerin, dass ihr Mann wichtig für ihre sportliche Entwicklung war. Am Ende war aber nicht er es, der ins Becken sprang und sich die Gold-Medaille verdiente. Sondern sie.

In einem anderen NBC-Kommentar erklärte ein Sprecher, die Athletinnen würden rumstehen wie in einem Einkaufszentrum – und kassierte dafür zu recht Wut.

Auch bei der Berichterstattung über Corey Cogdell ließ ein US-Medium durchblicken, wie viel den Redakteur*innen die sportliche Leistung einer Frau wert ist. Die diesjährigen Sommerspiele sind der dritte Olympia-Einsatz von Corey Cogdell. Bereits 2008 und 2012 trat sie für die USA im Sportschießen an, am Sonntag holte Cogdell ihre zweite Bronze-Medaille.

Die Nachricht über ihren Sieg betitelte die Chicago Tribune so:

Cogdells Name taucht in der Schlagzeile nicht auf. Stattdessen bezeichnet die Zeitung sie als die Frau eines Football-Spielers der Chicago Bears.

Man könnte  eine solche Headline als Versuch der Chicago Tribune abtun, die Leser*innen mit ein wenig „Eine von uns“-Lokalpatriotismus für den Artikel zu gewinnen.

Doch mal ehrlich: Der Gatte von Corey Cogdell, der hier ebenfalls bewusst namenlos bleibt, hat zu ihrem Sieg wenig beigetragen. Er hat in der Headline schlicht nichts verloren.

Solche Fälle von Alltagssexismus finden sich häufiger in der Berichterstattung über die Olympischen Spiele sowie in Social-Media-Kommentaren. Ab und an kommt es auch zu absurden Mansplaining-Nachrichten auf Twitter:

Annemiek van Vleuten stürzte bei einem Rennen schwer. Sie ist seit fast zehn Jahren als Radrennfahrerin aktiv, auf derartige Kommentare kann sie getrost verzichten.