Papierpussys gegen Genitalverstümmlung

Ein neues Projekt soll Menschen für die Praxis der weiblichen Genitalverstümmlung sensibilisieren – und Frauen auf der ganzen Welt zeigen, dass sie stolz auf die Diversität des weiblichen Geschlechtsorgans sein können.

© Papersmith Studio

Papierpussy-Diversität © Papersmith Studio

Weltweit sind ungefähr 200 Millionen Mädchen und Frauen von Genitalverstümmlung betroffen, das schätzt der Bevölkerungsfonds der Vereinten Nationen. Fast alle würden zu dieser Praxis gezwungen, kaum eine kenne die Risiken.

Die Künstlerin Many Smith will auf diese Form von Diskriminierung aufmerksam machen. Sie ist die Leiterin des Papersmith Studios in Amsterdam. In Zusammenarbeit mit ihren Künstlerkolleginnen Oksana Valentelis und Kyla Elaine startete sie das Projekt No More Cutting. Ihr Ziel ist es, „noch innerhalb einer Generation“ den Kampf gegen die Praxis der weiblichen Genitalverstümmlung zu gewinnen.

Das Projekt zeigt aus Papier gefaltete Vaginas in allen Formen und Größen. Dabei fiel die Wahl mit Absicht auf weißes Papier, denn das könne am besten Fragilität und Schönheit darstellen. Die Sammlung beinhaltet 81 verschiedene Stücke, jedes einzelne ist einer echten Vagina nachempfunden. Das Team plant mehr als 1.000 Papierpussys zu basteln und sie im Rahmen einer Ausstellung Anfang 2017 zu präsentieren.

© Papersmith Studio
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Menschen können die Aktion unterstützen, indem sie über die Website individuell gestaltete Papiervagina-Broschen kaufen, sich an die Kleidung stecken und auf diese Weise die Botschaft in die Welt hinaustragen.

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Frauen über 18 können zudem anonym ein Foto ihrer Vagina hochladen. Das Team bastelt sie dann aus Papier nach. Alle Einnahme gehen an Equality Now – eine NGO, die sich für den Schutz und die Durchsetzung von Frauenrechten weltweit einsetzt.

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Weibliche Genitalverstümmelung ist vor allem im nordafrikanischen und südostasiatischen Ländern gängig, doch auch in Europa gibt es Fälle. Allein in England wurden zwischen Januar und März diesen Jahres mehr als 1.200 Fälle dokumentiert. Darunter elf Mädchen, die in Großbritannien geboren waren.

Seit September 2013 ist die Verstümmlung des weiblichen Genitals in Deutschland als eigener Straftatbestand (§ 226a, StGB) eingestuft und kann mit einer Freiheitsstrafe von sechs Monaten bis zu fünf Jahren bestraft werden. „Denn Genitalverstümmlung stellt eine Verletzung des Menschenrechts auf körperliche Unversehrtheit mit schlimmsten körperlichen und seelischen Folgen dar. Keine kulturelle oder religiöse Tradition kann dies rechtfertigen“, schreibt das Bundesministerium für Gesundheit auf seiner Website.

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Bei einer Genitalverstümmlung werden die Klitoris (Klitoridektomie) oder die inneren Schamlippen (Vulvektomie) partiell oder komplett entfernt. Bei der extremsten Form wird das gesamte äußerliche Geschlechtsorgan entfernt und anschließend beide Seiten der Vulva zusammengenäht (Infibulation).

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Die Verstümmlung wird tendenziell ohne Narkose durchgeführt und kann lebenslange gesundheitliche Folgen nach sich ziehen: chronische Infektionen, starke Schmerzen beim Urinieren, der Menstruation, beim Sex oder der Geburt. Ganz abgesehen von den psychischen Traumata. Dieser extremen Form von Diskriminierung sind täglich drei Millionen Mädchen ausgesetzt, ohne dabei eine Wahl zu haben. Wie viele Todesfälle es aufgrund einer Genitalverstümmlung gibt, ist nicht bekannt.

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