Panzer war kein Einzelfall – Staatsanwaltschaften ermitteln wegen mehrerer geschmackloser Umzugswagen

An mehreren Orten in Deutschland haben Karnevalisten mit ihren Festwagen deutlich über die Grenzen des guten Geschmacks hinausgeschossen. Zum Beispiel fuhr gestern im oberbayerischen Steinkirchen ein Papp-Panzer mit Aufschriften wie „Imtaler Asylabwehr“ im Karnevalsumzug mit. Erst gab es Protest im Netz, nun ermittelt die Staatsanwaltschaft, kein Einzelfall.

Karnevals-"Wagen" mit rassistischer Aufschrift

© Florian Simbeck Karnevals-"Wagen" mit rassistischer Aufschrift

Gestern hat sich der ehemalige „Erkan und Stefan“-Schauspieler Florian Simbeck auf seiner Facebook-Seite über einen geschmacklosen Karnevalswagen im oberbayerischen Steinkirchen aufgeregt. Zwei etwa 30 Jahre alte Brüder hatten einen Papp-Panzer mit den Sprüchen „Ilmtaler Asylabwehr“ und „Asylpaket III“ beschriftet und waren damit im lokalen Faschingsumzug mitgefahren.

Simbeck löste mit seinen Fotos des Papp-Panzers eine Protestwelle im Netz aus. Nun interessiert sich auch die Staatsanwaltschaft für die Karnevalisten und ihren mehr als grenzwertigen Humor. Sie ermittelt wegen des Verdachts auf Volksverhetzung.

„Rein aus Gaudi haben die das da draufgeschrieben“

Der Chef des Steinkirchener Umzugs, Konrad Moll, sieht in dem Wagen keine Grund zur Aufregung. Gegenüber der SZ versucht er die die Sache runterzuspielen: „Rein aus Gaudi haben die das da draufgeschrieben“.

Die Facebook-Seite des Karnevalsvereins Steinkrichen wird gerade von wütenden Kommentaren geschwemmt. Dort finden User harte Worte für das Gefährt und ziehen teilweise direkte Vergleiche zum Karneval in der Zeit des Nationalsozialismus.

Der Nutzer Markus Schmidt schreibt: “Ihr Papp-Panzer mit der Aufschrift ‚Ayslantenabwehr‘ ist weder als Karnevalsbeitrag, noch als Satire, noch mit dem Recht auf freie Meinungsäußerung zu akzeptieren! Wer hat den Zug abgenommen? Wer ist Veranstalter? Diese geschmacklose Entgleisung wird zu prüfen sein, in wie weit hier der Tatbestand der Volksverhetzung erfüllt ist.“

Ob die beiden panzerfahrenden „Narren“ wirklich zu den 29 Prozent der Deutschen gehören, die wie AfD-Vorsitzende Frauke Petry, für einen Gebrauch der Schusswaffe an deutschen Grenzen gegen Flüchtlinge sind, haben sie bisher nicht gesagt.

Aber nicht nur in Oberbayern gab es dieses Jahr bei Karnevalsumzügen rassistische Ausfälle. Im sächsischen Altenberg fühlen sich anscheinend einige Karnevalisten, durch Zuwanderung so stark bedroht, dass sie bizarre Vergleiche zur Verdrängung der Ureinwohner Nordamerikas ziehen.

In Wasungen in Thüringen fuhr ein „Balkan-Express“ mit der Aufschrift „Die Plage kommt“, die Zugbegleiter waren als Heuschrecken verkleidet, auch hier ermittelt die Staatsanwaltschaft.

Kritik an der Asylpolitik der Kanzlerin, sieht bei einem Faschingsumzug im bayerischen Ingling, dann ganz schnell auch mal so aus.

Danke an Schlecky Silberstein für die Inspiration zur Überschrift