Passt besser auf, welche Eier ihr in den Mund nehmt

In nahezu allen deutschen Bundesländern sind giftbelastete Eier aus den Niederlanden aufgetaucht. Für die, die nicht verzichten wollen, kommen hier Antworten auf die wichtigsten Fragen.

Ein hartgekochtes Ei. © dpa

Mama sagte immer, bei Eiern ist Vorsicht geboten. Zu viele sind nicht gut, weil Cholesterin, und zu alte und ungekochte auch nicht, weil Salmonellen.

Jetzt kommt eine Warnung von einer Stelle, die zwar nicht warmherzig wie Mama ist, aber auch ein bisschen Ahnung hat: das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit warnt, dass in Millionen Eiern aus den Niederlanden eine nicht unerhebliche Menge Fipronil entdeckt wurde. Das Mittel kann toxisch auf unser Nervensystem wirken, es kann benommen machen, für Übelkeit und Schweißausbrüche sorgen. In zu hoher Dosis könnte das Mittel zudem Leber, Nieren und Schilddrüse schädigen.

Die Lage sei zwar unter Kontrolle, sagte Landwirtschaftsminister Christian Schmidt, aber eine Entwarnung gebe es noch nicht. Hier kommen Antworten auf die wichtigsten Fragen:

Wie zur Hölle kommt denn so ein Gift da rein?

Als Ursache gilt das Desinfektionsmittel Dega-16, mit dem Blutläuse bei Geflügel bekämpft werden sollen. Die 180 betroffenen niederländischen Betriebe sowie auch mindestens fünf niedersächsische Höfe hatten das Mittel von einem Unternehmen im niederländischen Barneveld bei Amersfoort bezogen. Wie die Deutsche Presse-Agentur (dpa) schreibt, war das auf ätherischen Ölen basierende Mittel mit dem für Nahrungsmittel verbotenen Insektizid Fipronil vermischt worden. Fipronil darf nicht in der Geflügelzucht verwendet werden. Die belgische Staatsanwaltschaft vermutet, dass ein belgischer Händler Fipronil beigemischt hatte, wie die niederländische Agentur ANP berichtete. Der stellvertretende Hauptgeschäftsführer des Landesbauernverbands Baden-Württemberg, Horst Wenk, sagte der dpa: „Die Landwirte sind wieder mal die Leidtragenden von kriminellen Handlungen anderer.“

Ab neun Eiern wird’s gefährlich für einen 75 Kilo schweren Körper, wie die FAZ echerchierte. Der Verzehr von betroffenen Eiern ist allerdings generell keine gute Idee.

Na wunderbar. Und jetzt darf ich keine Eier mehr essen?

Doch, aber ihr solltet eben sehr gut darauf achten, welche. In fast allen Bundesländern – bis auf vier: Rheinland-Pfalz, Sachsen-Anhalt, Mecklenburg-Vorpommern und dem Saarland – könnte es passieren, auf die betroffenen Eier zu stoßen. Ihr erkennt die gefährlichen anhand der Stempelnummer. Das niedersächsische Landwirtschaftsministerium warnt vor Eiern mit der Nummer 1-DE-0357731. Die Verbraucherzentrale in Bremen empfiehlt, gar keine Eier mehr zu kaufen, bei denen die Nummer mit einer 03 nach dem Ländercode DE beginnt.

Hier die niederländischen Stempelnummern der belasteten Eier:

  • 0-NL-4310001
  • 1-NL-4167902
  • 1-NL-4385701
  • 1-NL-4339301
  • 1-NL-4339912
  • 2-NL- 4385702
  • 1-NL-4331901
  • 2-NL-4332601
  • 2-NL-4332602
  • 1-NL-4359801

Wer komplett auf Nummer sicher gehen möchte, kauft einfach bis auf Weiteres gar keine Eier mehr, auf denen der Ländercode NL steht. Der Lebensmittelhändler Rewe und seine Discount-Tochter Penny sowie Aldi und Lidl nehmen Eier aus den Niederlanden nach eigenen Angaben vorsorglich aus dem Verkauf.

„Sollten Kunden bereits Eier mit der Kennzeichnung NL bei uns gekauft haben, so können sie diese zurückgeben und bekommen den Verkaufspreis erstattet“, erklärte der Leiter des Qualitätsmanagements, Klaus Mayer. Die Rewe-Gruppe kündigte etwa an, Eier aus den Niederlanden erst wieder zu verkaufen, wenn diese nachweislich frei von Fipronil seien.

Ob ihr Eier, die ihr in einem anderen Geschäft gekauft habt, zurückgeben könnt, erfahrt ihr direkt dort. Ansonsten entsorgt die Eier einfach über den Restmüll.

Was für eine Verschwendung – wann kann ich mit einer Entwarnung rechnen?

Bei den betroffenen Betrieben und Höfen sowie bei allen übergeordneten Stellen und auch Produzenten, die Eier für ihre Lebensmittel verwenden, ist verständlicherweise gerade Land unter. Die niederländische Lebensmittelaufsichtsbehörde NVWA untersucht auch solche Nahrungsmittel auf Spuren von Fipronil, die Eier enthalten, wie etwa Mayonnaise, Pasta oder Eis. Die Behörde schränkte aber eine allgemeine Warnung ein, nachdem der Verband der Geflügelzüchter protestiert hatte. Durch die Affäre erlitten die betroffenen Betriebe bereits Verluste in Millionenhöhe, teilte der Verband mit. Der Geschäftsführer von Foodwatch, Martin Rücker, erklärte in einer Pressemitteilung: „Es darf jetzt keinen Verzug bei der öffentlichen Information über betroffene Produkte geben. Behörden und Unternehmen müssen jetzt nachverfolgen und unverzüglich öffentlich machen, welche Eier betroffen sind und vor allem auch, in welchen Lebensmitteln belastete Eier verarbeitet wurden. Auch diese Produkte gehören vorsorglich aus dem Verkehr gezogen und öffentlich zurückgerufen.“

Ob und wie viele der belasteten Eier zu anderen Nahrungsmitteln weiterverarbeitet wurden, ist nicht bekannt. Womöglich hält sich das in Grenzen. Dennoch: In verschiedenen Bundesländern und in den Niederlanden werden gerade unter Hochdruck Eier getestet und gegebenenfalls entsorgt. In unserem Nachbarland sind gerade alle Legehennenbetriebe bis auf Weiteres gesperrt.

Bis alle Tests abgeschlossen sind und es etwa vom Verbraucherschutz eine offizielle Entwarnung gibt, solltet ihr aufpassen, wessen Eier ihr zu euch nehmt und vor allem im Supermarkt nachfragen, wenn ihr euch nicht sicher seid, welche eihaltigen Produkte ihr bedenkenlos kaufen könnt.

Wir werden diesen Text aktualisieren.