Die Patenschaft: So helft ihr Flüchtlingskindern

Man kann Kleidung und Spielzeug spenden so viel man mag, doch nichts erreicht das Herz eines Flüchtlingskindes wohl besser, als das Geschenk der Zeit. Und der ungeteilten Aufmerksamkeit. So übernehmt ihr die Patenschaft für ein Flüchtlingskind.

Christof Stache/AFP/Getty Images

Was Flüchtlingskinder brauchen: Zeit. Und jemanden, der nur für sie da ist. Christof Stache/AFP/Getty Images

Als Pate gibt man einem Flüchtlingskind, was es am wenigsten hat und am meisten braucht: Zeit und Raum zum Spielen, Erkunden und Austauschen, und die Chance, die neue Heimat in all ihrer Buntheit kennen zu lernen.

Flüchtlingsfamilien bleiben in der Regel in einem Wohnheim bis über ihren Antrag auf Bleiberecht entschieden ist – das kann Jahre dauern. 4,5 Quadratmeter Wohnraum stehen einem Flüchtling in Deutschland zu. Das ist sehr wenig Platz zum Spielen, Toben, Leben.

Patenschaften als Begegnungen zwischen Deutschen und Flüchtlingskindern ermöglicht zum Beispiel Beate Campe, Gründerin der Initiative Zeit für Kinder. Seit neun Jahren vermittelt sie Patenschaften für Kinder aus dem Flüchtlingswohnheim in Littenweiler, Freiburg. Sie will „Menschen zusammenzubringen, damit sie die Scheu voreinander verlieren und sich gegenseitig helfen können“.

Jedes Kind verdient einen Menschen, der nur ihm zuhört, wenn die neu gelernten Worte immer sicherer über die Lippen kommen, jemanden, der nur mit ihm Fußball spielt, Bücher liest, schwimmen geht, jemand, der nur ihn oder sie an der Hand nimmt und durch die neue Welt begleitet.

„Als Pate wird man Ansprechpartner und Bezugsperson, Freund und Vertrauter eines Kindes – es geht um Beständigkeit, Verantwortung und Hingabe.“

Pate werden – wie geht das?

Einen guten Überblick gibt es bei wie-kann-ich-helfen.info. Hier werden nützliche Informationen und Links zu Projekten in Deutschland gebündelt. Dann heißt es: Kontakt aufnehmen: E-Mail schreiben oder Telefonhörer in die Hand.

In der Regel wird dann ein erstes Info-Treffen vereinbart, bei dem geklärt wird, wie eine Patenschaft abläuft, was zu beachten und organisieren ist. Man sollte dann ein paar Tage nachdenken, in sich hineinhorchen und am Ende sicher sein, dass es sich nicht um einen kurzzeitigen Anfall von Wohltätigkeit handelt. Als Pate wird man Ansprechpartner und Bezugsperson, Freund und Vertrauter eines Kindes – es geht um Beständigkeit, Verantwortung und Hingabe.

Ist die Entscheidung gefallen, lernen die Interessierten zunächst das Wohnheim kennen und können eine bestehende Patenschaft einige Male begleiten, bevor sie selbst mit einem Kind von der Warteliste bekannt gemacht werden.

Gibt es Voraussetzungen für eine Patenschaft?

Abgesehen von einem einwandfreien Führungszeugnis, das vor Beginn einer Patenschaft bei der Organisation vorgelegt werden muss, und einem Mindestalter von 18 Jahren gibt es bei Zeit für Kinder keine festen Kriterien für einen Paten.

Grundvoraussetzung sind Wille und zeitlichen Möglichkeiten des Paten. Viele Organisationen geben einen Richtwert von drei bis fünf Treffen im Monat vor – am besten an einem festen Tag in der Woche. Wie lange und in welcher Form das Treffen stattfindet, ist den Paten dabei meist selbst überlassen.

Welche Verpflichtungen und Voraussetzungen es zudem gibt, kann von Organisation zu Organisation unterschiedlich sein. Manche bieten eine Schulung vor Beginn der Patenschaft an. Einige wünschen sich das Führen eines Tagebuchs oder einen kurzen schriftlichen Bericht am Ende jeden Monats, auch monatliche Treffen aller Paten werden angeboten.

Was erlebt man dabei?

Eine Patenschaft ist auf keinen Fall einseitig – Pate und Kind begegnen einander mit unterschiedlichen kulturellen Hintergründen und lernen daraus Neues, Spannendes. Wer ein Kind betreut, der lernt auch dessen Familie kennen – das fordert uns heraus: Kommunikation stärken, offen sein, eigene Werte und Denkmuster erkennen – und erfahren, wie schwer es sein kann, in unserer Gesellschaft Fuß zu fassen.

In der Regel besuchen die Kinder bereits Kindergärten oder Schulen, wo sie Deutsch lernen. Die Patenschaft legt den Fokus daher ganz bewusst auf die Freizeitgestaltung. Bestenfalls entscheiden Pate und Patenkind gemeinsam, was sie unternehmen wollen. Beim Basteln in der Küche oder beim Toben auf dem Spielplatz erlebt das Kind dann eine spielerische Sprachförderung.

Grundsätzlich geht es um den Spaß und die Freude am Zusammensein, dem Ankommen und Wohlfühlen, dem Brücken schlagen – zwischen Kulturen, Religionen und Generationen.

Wie lange geht eine Patenschaft?

Patenschaften sollten am besten mindestens ein Jahr dauern. Sehr oft gehen sie aber auch darüber hinaus. Aus anfänglichen Patenschaften entstehen tiefe Freundschaften mit den Familien. Beate Campe erzählt von Patinnen, die die gesamte Familie des Patenkindes sogar zur eigenen Hochzeit oder zu Weihnachten nach Hause eingeladen haben. Hier gilt: Wie lange und wie intensiv eine Patenschaft sich entwickelt, liegt ganz beim Wunsch beider Seiten.

Wie alt sind die Patenkinder?

Bei Zeit für Kinder sind die meisten Patenkinder im Kindergarten- oder Grundschulalter. In der Regel endet die Patenschaft bei Jugendlichen im Alter von 12 oder 13 Jahren – „dann lässt einfach das Interesse der Kinder nach, da werden andere Dinge wichtiger“, berichtet Campe aus ihren Erfahrungen mit den Teenagern. Doch es gibt auch viele Programme, die sich explizit an ältere Kinder und Jugendliche richtet, oder an die ganze Familie.

Was kostet mich das?

Außer Zeit und Hingabe kostet eine Patenschaft den Paten nichts. Kosten für gemeinsame Aktivitäten tragen die Initiativen oder Organisationen, die sich in den meisten Fällen durch private Spendengeldern oder Fördermittel der Stadt finanzieren. Bei Zeit für Kinder funktioniert es so: Wenn die Paten etwas mit ihrem Kind unternehmen, was Geld kostet, können sie danach ein Abrechnungsformular mit den entstandenen Kosten einreichen. Grundsätzlich sollten diese jedoch nicht den Betrag von 20 Euro pro Ausflug übersteigen – denn es gehe nicht um den Konsum und die Extravaganz der Aktivität gehen, sondern um die gemeinsame Zeit. Und das gehe auch beim Plätzchen backen, Fußball spielen oder Drachensteigen lassen.

Wie ist man versichert?

Während der gemeinsamen Zeit sind Pate und Patenkind versichert. Ehrenamtlich Tätige unterliegen bis auf wenige Ausnahmen einem Unfallschutz und einer Haftpflichtversicherung. Zuständig dafür sind die Länder und Kommunen. Im Fall des Projektes Zeit für Kinder sind alle freiwilligen Paten über den Badischen Gemeindeversicherungsverband abgesichert.

An wen wende ich mich?

Berlin

Fremde Freunde vermittelt Patenschaften für „junge Flüchtlinge (7-18 Jahre), die in Sammelunterkünften leben und gerne jemanden an ihrer Seite hätten, mit dem sie ihre neue Umgebung erkunden können“

Heimspiel das Projekt „Heimspiel“ richtet sich an Mädchen zwischen neun und dreizehn Jahren aus Flüchtlingsfamilien, sie treffen sich zum Fußball; vermittelt aber auch Patenschaften für Kindern im Schulalter, sowohl für Kinder aus sozial schwachen Familien, auch für Kinder mit Flüchtlingsstatus

start with a friend bezieht sich nicht nur auf Kinder, sondern auf Patenschaften mit Flüchtlingen generell

Bremen

Bremen hilft Flüchtlingen: Liste aller Initiativen für Flüchtlinge in Bremen; im Suchfeld „Patenschaften“ auswählen, dann bekommt man eine schöne Übersicht

Fluchtraum vermittelt ehrenamtliche Mentoren und Vormünder für jugendliche Flüchtlinge

Düsseldorf

Refugees Welcome To Düsseldorf – Zeitspende: hier kann man selbst entscheiden, in welcher Form man Zeit spenden möchte – durch eine Patenschaft, Kinderbetreuung, Malen, Basteln oder Musizieren

Frankfurt

HerzlichAnkommen erleichtert unbegleiteten Kindern und Jugendlichen (7-18 Jahre alt) das Ankommen durch Angebote in den Bereichen Sport, Kultur und Bildung

Hamburg

Das Projekt Ankerlicht vom SchlauFox ist ganz frisch und engagiert sich für jugendliche Flüchtlinge (13-20 Jahre alt). Der Mentor unterstützt hier vor allem bei den Hausaufgaben und beim Deutsch lernen, aber auch bei generellen Lebenserfahrungen in Deutschland

Das beeMentor-Projekt vermittelt Freiwillige als MentorInnen an geflüchtete Familien, um ihnen bei Problemen Unterstützung anzubieten und den kulturellen Austausch zu fördern.

Hannover

Unterstützerkreis Flüchtlingsunterkünfte Hannover: Vermittlung von Personen, die konkrete Hilfe vor Ort anbieten können, zum Beispiel Deutschunterricht, Sonntagsausflüge oder Kinderbetreuung. Es gibt Patenschaften für Kinder und Erwachsene.

Köln

wiku – Willkommenskultur Köln vermitteln sowohl Mentoren für Flüchtlingsfamilien als auch Paten für die außerschulische Betreuung von Flüchtlingskindern.

München

MünchnerMentoren suchen vertrauenswürdige, zuverlässige und sachkundige Vormünder, Paten oder Pflegefamilien.

Refugio München – Welcome Projekt suchen Menschen, die als Mentoren Flüchtlingskinder und ihre Familie unterstützen wollen

Zwei Nummern ernster: eine Vormundschaft übernehmen!

Der Kinderschutzbund qualifiziert und begleitet fachlich ehrenamtliche Vormünder, die Hamburger Kinder und minderjährige Flüchtlinge bis zum Erreichen der Volljährigkeit rechtlich vertreten und sie im Lebensalltag begleiten.


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