Politikerin Petra Hinz schummelt Abitur und Studium in ihren Lebenslauf

Die SPD-Politikerin Petra Hinz baute ihre politische Karriere auf einer Lebenslauf-Lüge auf. Jetzt stürzen sich Kritiker*innen auf sie. 

Foto: Sven Hoppe/dpa

Petra Hinz 2013 im Bundestag. Foto: Sven Hoppe/dpa

Die Bundestags-Abgeordnete überraschte mit der Ankündigung, diesen September nicht noch einmal bei den Bundestags-Wahlen antreten zu wollen. WAZ und NRZ spekulierten, dass Petra Hinz wegen Mobbing-Vorwürfen auf die Kandidatur verzichtete.

Doch dann stießen Journalisten auf den widersprüchlichen Lebenslauf der Essener Politikerin und fanden heraus: Einige Etappen ihres Lebenslaufes haben tatsächlich so nie stattgefunden – die Politikerin hat weder Abitur noch abgeschlossenes Jura-Studium.

Hinz bittet um Entschuldigung

Hinz‘ Rechtsanwalt schreibt dazu: „Frau Hinz hat im Jahr 1983 am heutigen Erich-Brost-Berufskolleg für Wirtschaft und Verwaltung der Stadt Essen die Fachhochschulreife erworben. Sie hat jedoch keine allgemeine Hochschulreife erworben. Sie hat darüber hinaus kein Studium der Rechtswissenschaften absolviert und auch keine juristischen Staatsexamina abgelegt.“

Auf ihrer Website steht eine offizielle Entschuldigung: „Sie bittet ihre Wegbegleiter, ihre Mitarbeiter, ihre Freunde und Familie, all die Menschen, die ihr vertraut haben, und auch die allgemeine Öffentlichkeit von ganzem Herzen um Entschuldigung.“

Karriere mit falschem Lebenslauf

Sie sei selber über sich bestürzt, nicht die Courage aufgebracht zu haben, für ihr Fehlverhalten geradezustehen. Sie versichert im selben Zuge, dass ihr politisches Engagement jedoch immer aufrichtig gewesen sei. Warum genau die Politikerin gelogen hat, bleibt unklar.

Bisher verlief ihre Karriere kontinuierlich gut: 1989 bis 2005 war Petra Hinz im Stadtrat und als stellvertretende Fraktionsvorsitzende in Essen und zeitweise Regionalrat der Region Düsseldorf aktiv. Seit 2005 ist sie Mitglied des Deutschen Bundestages und saß in einigen Ausschüssen, zum Beispiel im Finanzausschuss und im Ausschuss für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung.

Viele Kritiker*innen wollen jetzt ihren sofortigen Rücktritt. Frank Stenglein, Leiter der WAZ-Lokalredaktion Essen fordert in einem Kommentar:

„Warten Sie nicht bis 2017, Frau Hinz! Tun Sie uns einen letzten Gefallen und verlassen Sie den Bundestag, lieber heute als morgen!“

Auch Twitter-User machen sich öffentlich über Hinz‘ Lebenslauf-Lüge lustig.

Die öffentlichen Accounts der Politikerin sind mittlerweile nicht mehr aufrufbar.

Dass Hinz nicht über die Kompetenzen des Lehrinhalts der 11. bis 13. Klasse und eines Jurastudiums verfügt, stand ihr bisher jedoch nicht im Weg. Ist ein Abitur überhaupt nötig? Eine solches Phänomen passt anscheinend nicht in die Struktur unserer Gesellschaft und heizt aufgrund dessen einige Debatten an.

Lüge oder Intoleranz?

Eine Frage drängt sich allerdings auf: Ist die Lebenslauf-Lüge oder eher die  Versteifung unserer Gesellschaft auf den perfekten Lebenslauf das größere Problem? Viele verlangen stärkere Durchlässigkeit für und Integration von Menschen, die alternative Bildungswege eingeschlagen haben:


Jetzt bist du gefragt!

Wenn du auch ein paar Schummeleien oder Lügen in deinen Lebenslauf eingebaut hast, sende uns deine Geschichte für eine anonyme Sammlung an team@ze.tt!