Prinzessinnen haben in Disney-Filmen zu wenig zu melden

Disney liebt es, die Namen seiner Protagonistinnen dick in den Filmtitel zu schreiben – das bedeutet aber nicht, dass die Figuren auch viel zu sagen haben. Leider ist oft das Gegenteil der Fall, wie zwei Linguistinnen analysierten.

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Zwei Linguistinnen haben die Frauenrollen in zwölf Disney-Filmen analysiert. © Disney

Seit knapp 80 Jahren beliefert uns Disney wie am Fließband mit Prinzessinnen-Storys. Man möchte meinen, das US-Studio hätte unterwegs sein Verständnis von Geschlechterrollen kontinuierlich weiterentwickelt – und die naiven Heimchen wären mit der Zeit zu toughen Heldinnen gereift.

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Auf den ersten Blick macht es auch genau diesen Eindruck. Immerhin prügeln die modernen Disney-Prinzessinnen wie Merida und Rapunzel los, während sich Schneewittchen und Dornröschen noch von Prinzen retten ließen. Doch die Entwicklung zeitgemäßer und vor allem wortstarker Frauencharaktere fällt Disney noch immer schwer.

Das zeigt die Analyse zweier Linguistinnen aus den USA. Carmen Fought und Karen Eisenhauer prüften das Frauenbild von zwölf Disney-Filmen, in denen menschliche Charaktere die Hauptrolle spielen, wie Washington Post berichtet. Da viele junge Mädchen Disney-Filme schauen, versuchen die Wissenschaftlerinnen einzuschätzen, welchen Einfluss die Frauenfiguren auf ihre Entwicklung nehmen. Die Studie ist noch nicht abgeschlossen, erste Ergebnisse haben Fought und Eisenhauer jedoch schon präsentiert.

Frauen sind in der Unterzahl

Die Analyse zeigt zunächst, dass das Verhältnis von Männern- und Frauenfiguren mit Text in Disneys Abenteuern unausgeglichen ist – manchmal sogar richtig krass. In „Schneewittchen“ von 1937 tauchen mit Schneewittchen und der Hexe gerade mal zwei Damen auf, denen mit den Zwergen und dem Prinz bedeutend mehr männliche Rollen mit Redeanteil gegenüberstehen. In „Aladdin“ tauchen zwei Frauen und 21 Männer auf.

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Wer meint, das wäre im von Feministen gefeierten „Die Eiskönigin“ besser, muss stark sein: In Disneys letztem großen Kracher gibt es 17 weibliche und 32 männliche Figuren. In „Cinderella“ ist das Verhältnis zumindest ausgeglichen.

 

Männliche Figuren dürfen länger reden

Als „Arielle – Die kleine Meerjungfrau“ Ende der 80er erschien, feierten Kritiker wie Roger Ebert Disneys Nixe für ihre unabhängige und rebellische Art. Punkt eins: Der Film erzählt die Story eines Mädchens, dass einen Typen, den sie kaum kennt, allein mit ihrem Aussehen für sich gewinnen will.

Punkt zwei: Für die Menschlichkeit verscherbelt Arielle ihre Stimme, kann danach also nicht mehr allzu viel sagen. Weibliche Figuren haben in „Arielle“ 32 Prozent Redeanteil an allen Dialogen, in den nachfolgenden Filmen änderte sich das nicht: die männlichen Charaktere plappern, die Frauen bleiben vergleichsweise still.

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Das liegt vor allem daran, dass Disney den männlichen Figuren häufig die Rolle des quasselnden Sidekicks zuschreibt – etwa Sebastian und Fabius in „Arielle“ oder Mushu in „Mulan“. Sie haben zwar den höheren Redeanteil, liefern aber nicht unbedingt die gehaltvollsten Sätze. Seit „Rapunzel – Neu verföhnt“ sprechen die weiblichen Figuren wieder mehr.

 

Das Aussehen wird unwichtiger

Eine noch deutliche Verbesserung beobachten Carmen Fought und Karen Eisenhauer in der Art, wie Disney Komplimente macht: Attestierten die männlichen Figuren den weiblichen früher noch ein wunderschönes Aussehen, loben sie sie heute vor allem für ihr Können.

 

Das ist besonders in „Merida“ zu beobachten: Die schottische Königstochter trägt zwar eine feuerrote Haarpracht auf dem Kopf, besticht aber vor allem mit ihrer Bogentechnik. Zu verdanken ist das Brenda Chapman – einer der wenigen Frauen, die bei Disney-Produktionen in der kreativen Führungsposition arbeiten durfte. „Sie sollte das Bild der üblichen Disney-Prinzessin auf den Kopf stellen“, sagte Chapman in einem Interview. Wir wünschen uns mehr Meridas.