Proteste in den USA: Diese beiden Fälle zeigen, wie ungerecht die Welt ist

Während Gründer*innen einer bewaffneten Bürgerwehr in Oregon ein Gebäude besetzten und von der Jury freigesprochen wurden, werden die Mitglieder des Standing Rock Sioux-Stammes in Dakota bei weitgehend friedlichen Protesten auf ihrem eigenen Land drangsaliert und verhaftet.

Proteste

Bei Protesten des Standing Rock Sioux Stammes in North Dakota kommt es immer wieder zu Gewalt © Indigenous Life Movement

„Heute wurden wir Zeugen, wie friedlich betende Menschen mit Pfefferspray, Gummikugeln, Schall- und Impulskanonen attackiert wurden“, schreibt der Standing Rock Sioux Tribe in einem Pressestatement. Offenbar über 100 Protestierende wurden im Sacred Stone Camp verhaftet, mehrere Menschen dabei verletzt, die Polizei setzte Schlagstöcke und Panzer ein.

Schon seit zwei Jahren wehren sich die Native Americans gegen den Bau der Dakota Access Pipeline, die Öl transportiert und mitten durch das ihnen Ende des 19. Jahrhunderts zugesprochene Land führt. Die Pipeline würde sehr dicht an Adlernistplätzen, Kultstätten und vor allem Wasserreservoirs vorbeiführen und eine Umweltgefahr darstellen. Dagegen protestierte der Stamm. Trotzdem begannen die Bauarbeiten für das Milliardenprojekt am 10. August.

[Außerdem bei ze.tt: Native Americans stoppen den Bau einer Pipeline – vorerst]

Selbst die US-Regierung hat die Firma Energy Transfer inzwischen gebeten, die Arbeiten an der Leitung freiwillig so lange einzustellen, bis weitere Prüfungen abgeschlossen sind – doch das Unternehmen ignoriert diese Bitte. „Dadurch, dass der Staat North Dakota Polizei einsetzt, um die Bauarbeiten der DAPL zu unterstützen, arbeitet er mit Energy Transfer zusammen und verstärkt die Spannungen“, heißt es in der Erklärung des Standing Rock Sioux-Stammes.

Und die Lage vor Ort ist in der Tat sehr spannungsgeladen; immer wieder komme es zum Beispiel durch Bauarbeiter zu verbaler sexueller Belästigung von weiblichen Native Americans:

So sieht die Lage im Sacred Stone Camp aus:

Friedliche Proteste vs. gewalttätige Besetzung

Fast zeitgleich gab es am Donnerstag einen Jury-Freispruch für zwei der bewaffneten, weißen Milizionäre, die Anfang des Jahres sechs Wochen lang ein Verwaltungsgebäude in einem Naturschutzgebiet in Oregon besetzt hatten. Mit der Besetzung protestierte die selbsternannte Bürgerwehr gegen Landbesitz der US-Regierung.

Die Geschworenen befanden die Angeklagten unter anderem des Waffenbesitzes, der Beamtenbehinderung und Verschwörung für „nicht schuldig“ – ungeachtet der Tatsache, dass sie die Aktion live gestreamt und Interviews gegeben hatten.

Wie kann das sein?

Die beiden Fälle sind unterschiedlich und haben nicht direkt miteinander zu tun; auf der einen Seite geht es um den Schutz der Umwelt auf rechtmäßig zugesprochenem Land; auf der anderen um illegale Gebäudebesetzung mit der Forderung, staatliches Land ohne Regulierung und Auflagen den Gemeinden zu überlassen.

Nur: Wenn man sich die Situation mal umgekehrt vorstellt – bewaffnete Native Americans besetzen wochenlang ein Regierungsgebäude, weiße Amerikaner protestieren friedlich auf ihrem eigenen Land – wie würden die Bewertung, die Urteile und die Polizei-Einsätze dann aussehen?

Den Native Americans wurde das Land weggenommen, sie selbst in Reservate verbannt – und sogar dort finden sie keinen Schutz. Schon gar nicht vor wirtschaftlichen Interessen. Aber sie würden den Kampf nicht aufgeben, schreibt der Standing Rock Sioux-Stamm in der Erklärung: „Als Menschen dieser Erde brauchen wir alle Wasser. Es geht hier um unser Wasser, unsere Rechte und unsere Würde als menschliche Wesen.“