Prüfungsangst? So bekommt ihr eure Nervosität in den Griff

So macht ihr euch nicht verrückt, wenn die nächste Prüfung bevorsteht.

© rebealk/photocase.de

Mit diesen Tipps steht ihr euch nicht mehr länger selbst im Weg. © rebealk/photocase.de

„Von dieser Prüfung hängt alles ab!“

Egal ob Klausuren, Tests, mündliche Prüfungen oder Präsentationen vor einem Publikum: Prüfungen sind fies. Ich glaube ich kenne niemanden, der oder die von sich behaupten kann, gerne von anderen geprüft zu werden oder vor einer mündlichen Abfrage nicht aufgeregt ist. Ein bisschen Nervosität und Nervenkitzel gehört in solchen Situationen eben dazu – umso mehr freut man sich anschließend, wenn man wieder eine Prüfung bestanden hat und für das viele Lernen und die psychischen Strapazen belohnt wird.

Was aber, wenn man wie eine Verrückte gelernt hat und dann am Tag der Prüfung alles weg ist? Jeder von uns hatte wahrscheinlich irgendwann schon einmal einen Blackout während einer Präsentation oder eines wichtigen Gesprächs und weiß, wie sehr man sich in so einem Moment über sich selber ärgert. Am besten nimmt man es sich nicht so zu Herzen und versucht die Situation zu überspielen.

Noch 5 Tage bis zum Deutschabi. „Kabale und Liebe“ ist bereits in meinem Kopf abgespeichert, heute morgen habe ich zwei Klausuren dazu gelöst. Momentan bearbeite ich Klausuren zu „Hiob“, heute Nachmittag geht es dann mit Kafka weiter. Morgen folgt Lyrik. Außerdem zwinge ich mich seit Kurzem dazu, früh aufzustehen, damit mein Biorhythmus wieder einigermaßen in Schuss kommt und ich während der Abiklausur keine Anfälle des Gähnens, Reckens und Streckens bekomme. Und seit gestern benutze ich wieder Forest 🌲 Momentan bin ich bei 200 Minuten, mindestens 500 sollen es heute werden! Habt ihr einen Forest-Rekord? Falls ja, dann her damit! Vielleicht motiviert es ja den ein oder anderen dazu, ihn zu knacken. Viel Spaß beim fleißig sein!

Ein von @studylikegranger gepostetes Foto am

Die Angst zu Versagen

Bei manchen Menschen kann so ein kleiner Aussetzer allerdings dazu führen, dass sie fortan unter einer extremen Prüfungsangst leiden und sich aufgrund ihrer Angst vorm Versagen immer wieder selbst im Weg stehen. Wer außerdem von Natur aus schon nicht das größte Selbstvertrauen besitzt, den können, neben den eigenen negativen Erlebnissen, auch schon die Erfahrungen anderer abschrecken – ganz gleich wie gut sie im Vorfeld auf eine Prüfung vorbereitet sind.

Horrorgeschichten wie die von der Studentin, die nach sechs Semestern durch ihre Abschlussprüfung in Medizin gefallen ist und jetzt ihre gesamte Uni-Laufbahn in Frage stellt, hört man schon mal ab und an in seinem Freundeskreis – sie sollten einem aber keinesfalls als Beispiel für den eigenen Studienverlauf dienen oder dazu führen, dass man sich erst gar nicht mehr zur nächsten Prüfung anmeldet.

Auf die Vorbereitung kommt es an!

Eine gute Vorbereitung ist das Allerwichtigste vor einer Prüfung. Anstatt euch gedanklich die ganze Zeit mit der Angst vor der Prüfungssituation und all den Dingen zu befassen, die schiefgehen könnten, solltet ihr euch vorerst voll und ganz auf den Stoff der jeweiligen Prüfung konzentrieren. Sucht euch einen Ort, an dem ihr euch gut konzentrieren könnt und an dem es möglichst wenig Ablenkung gibt. Wenn ihr euch am eigenen Schreibtisch nicht so recht auf den Text vor euch einlassen könnt, weil neben euch ein Haufen Schmutzwäsche wartet oder eure Mitbewohnerin nebenan im Zimmer Serien schaut (und ihr das gerade auch viel lieber machen würdet), sucht euch einen Platz in der Bibliothek. Hier sitzen unzählige Leidensgenossen und ihr habt auf jeden Fall eure Ruhe.

#Igitt #lernenistekelhaft #biology #abitur #studying #snapchat

Ein von Medine Ektas ♥ (@medineektas) gepostetes Foto am

Wenn ihr dann endlich vor euren aufgeschlagenen Büchern sitzt, ist ein gutes Zeit- und Lernmanagement gefragt. Beginnt am besten damit, den Text einmal ganz durchzulesen und euch die wichtigsten Informationen herauszuschreiben. Schaut euch diese Notizen anschließend an und geht sie in einem Abstand von fünf bis zehn Minuten erneut in Gedanken durch. Wenn ihr in kleinen Schritten lernt, hat euer Gedächtnis die Möglichkeit, möglichst viele Inhalte über einen längeren Zeitraum zu behalten.

Versucht euch an den darauffolgenden Tagen vor der Prüfung immer wieder einen Moment Zeit zu nehmen, um das am Tag zuvor gelernte abzufragen und bittet dann, wenn ihr euch sicher fühlt, eine andere Person darum, euch abzufragen. So könnt ihr auch gleich die Situation simulieren, in der ihr euer Wissen vor jemand anderem unter Beweis stellen müsst.

Der Tag der Prüfung

Wer sich in der Lernphase gut vorbereitet hat, kann sich selbst am Morgen vor der Prüfung bereits sagen, dass er oder sie schon den Großteil der Arbeit geleistet hat – die Prüfung ist im Grunde nur noch der letzte abschließende Schritt. Worauf es jetzt vor allem ankommt, ist Selbstvertrauen!

Manchen Leuten gelingt es in Situationen der Anspannung, ihre Aufregung in positive Energie umzuleiten. Wie aber soll das funktionieren, wenn man schon auf dem Weg zur Uni im eigenen Schweiß badet und sich das nervöse Zittern einfach nicht ignorieren lässt? Stellt euch einfach vor, dass eurer Körper euch mit diesen, zugegebener Maßen, unangenehmen Signalen mitteilen möchte, dass er euren persönlichen Bestleistungs-Modus aktiviert hat.

Fake it till you become it!

So einfach lasst ihr euch nicht austricksen? Euer Körper kann euch dennoch dabei behilflich sein, den psychischen Stress unter Kontrolle zu bekommen. Gerade dann, wenn ihr euch auf dem Weg zur Prüfung befindet, haben die Gedanken ans eigene Versagen genügend Zeit und Raum, die Oberhand zu gewinnen. Lenkt euch in dem Fall am besten durch kleine körperliche Übungen ab. Setzt euch Kopfhörer auf, schmeißt eure Lieblings Gute-Laune-Musik an und ballt und entspannt eure Fäuste in regelmäßigen Abständen. Auf die Weise erlangt ihr zum Einen die Kontrolle über euren Körper zurück und lenkt eure Gedanken zum Anderen auf die regelmäßige Bewegung und weg von der Angst.

Wenn man etwas nicht kann, findet man einen Weg es zu lernen. Wenn man aber sofort sagt „ich kann nicht“ ist das gleichbedeutend mit „ich will nicht“.

Ein von Schüler & Studenten Motivation (@study_motivation_germany) gepostetes Foto am

Wem das Körper- und Geist-Workout in der U-Bahn zu unangenehm ist, kann sich auch kurz vorher Zuhause mit dem sogenannten „Power-Posing“ in Top-Form bringen: Brust raus, Kinn vor, die Hände in die Hüften und die Beine schulterbreit auseinander – und schon macht das eigene Spiegelbild einen entschlossenen Eindruck. Am besten hält man diese Pose für einige Minuten, so kann man die Message, die der Körper ausstrahlt, auch geistig verinnerlichen: „Fake it till you become it“.

Bevor es aus dem Haus geht, könnt ihr dem Spiegel dann noch ein paar originelle Grimassen zuwerfen und einmal laut jubeln und wie verrückt grinsen. Eine Prüfung ist eine ernste Situation, das kann man nicht bestreiten, aber zu ernst solltet ihr das Ganze auch nicht nehmen. Das Leben geht weiter, so oder so – und solange ihr selbst an euch glaubt, kann gar nichts wirklich schiefgehen. Denkt an die vielen Situationen, in denen ihr mit euch selbst zufrieden wart und andere in Vorstellungsgesprächen oder Diskussionen überzeugt habt.

Alles weg? Das hilft bei einem Blackout

Mal angenommen ihr habt all diese Ratschläge befolgt, seid bestens vorbereitet und betretet mit viel Energie und Selbstbewusstsein eure Prüfung und dann kommt auf einmal die eine Frage, mit der ihr nicht gerechnet habt und plötzlich ist alles weg. Blackout. Panik!Wie kommt ihr hier wieder heraus? Zunächst einmal ist es gut sich klarzumachen, dass die Prüfer, im Gegensatz zu euch, erst einen Moment später merken, was mit euch los ist. Also gilt es möglichst cool zu bleiben und sich ein wenig Zeit zu verschaffen.

Was uns selbst in einem Moment der Panik wie Minuten vorkommt, sind in Wirklichkeit nur wenige Sekunden. Um sich also nicht völlig in der eigenen Angst zu verstricken, hilft es, einmal tief einzuatmen und dann (wenn möglich) einen Schluck Wasser zu nehmen. Das verschafft euch einen Moment, um nachzudenken, euch zu sammeln und wirkt auf euer Gegenüber ganz natürlich. Prinzipiell macht es wenig Sinn, sich selbst unter Zeitdruck zu setzen. Bei manchen Fragen muss man eben etwas länger überlegen, als bei anderen – das wissen auch die Prüfer.

Wenn ihr euren Faden dann immer noch nicht wiedergefunden habt, könnt ihr versuchen euch mehr Zeit zu verschaffen, in dem ihr eure vorherigen Antworten noch einmal zusammengefasst auf den Punkt bringt. Ihr wisst vielleicht nicht, was als Nächstes kommt, aber das, was ihr gerade gesagt habt, ist noch da.

Wenn auch diese Strategie nicht hilft, um euch wieder auf die Sprünge zu helfen, seid ehrlich zu euch selbst und euren Prüfern und sagt einfach, dass ihr gerade ein Blackout habt. Fragt, ob es möglich ist, eine andere Frage vorzuziehen oder ob sie die Frage noch einmal anders stellen können. Das wird eure Prüfer vielleicht nicht unbedingt freuen, es zeugt aber von Selbstvertrauen, offen mit seinen Schwächen umzugehen und zu signalisieren, dass man die Antwort eigentlich weiß und nicht einfach aufgeben will.

Von Außen nach Innen

Denkt außerdem zwischendurch im Gespräch immer wieder an euren Körper. Setzt euch aufrecht hin und legt die Arme vor euch auf den Tisch oder nutzt eure Hände, um während eures Vortrags zu artikulieren (das kann man vorher auch gut vor dem Spiegel üben). Wer die Schultern hängen lässt und nicht weiß, wohin er oder sie mit seinen Händen soll, wirkt unbeholfen und ängstlich.

Wie beim Power-Posing hilft euch auch hier die aufrechte Körperhaltung, euer Selbstbewusstsein zurückzuerobern. Ehe ihr euch verseht ist es dann auch schon vorbei und ihr könnt zurück in euren gewohnten Uni-Alltag zurück. Bis zur nächsten Prüfung, versteht sich – aber dann wisst ihr ja bereits, was euch erwartet. Viel Erfolg!

Von Marie Krutmann auf EDITION F.

Hier könnt ihr EDITION F auf Facebook folgen.