Das Leben einer Mittzwanzigerin, festgehalten in Instagram-Poesie

Wie lassen sich Verwirrungen und Frustration mit Mitte 20 am besten verarbeiten? Die amerikanische Künstlerin Samantha Jayne versucht es in ihrem Projekt Quarter Life Poetry mit Gedichten und Illustrationen. Wir haben sie interviewt.

Screenshot: @quarterlifepoetry/Instagram

Und sagt nicht, das stimmt so nicht. Screenshot: @quarterlifepoetry/Instagram

Die Vorbereitung fürs erste Date war einst so aufregend – heute googelt man den Namen des Anderen und zieht sich halt mal einen BH an, sagt Samantha Jayne. Die Künstlerin erzählt in ihrem Werk von ihrem Leben als 25-Jährige.

Sie ist Illustratorin, Autorin und Schauspielerin und ist vor zwei Jahren von New York nach Los Angeles gezogen. Auf ihrer Homepage und ihrem Instagram-Account @quarterlifepoetry veröffentlich sie kurze, poetische und leider verdammt realistische Gedichte und verarbeitet darin ihre Frustrationen und Gedanken aus dem Alltag.

Sie hat uns erklärt, wie das Projekt entstand und was sie Menschen in ihrem Alter sagen will.

Sam, was hat es mit deinem Projekt „Quarter Life Poetry“ auf sich?
Ich habe Quarter Life Poetry als Ventil für meine täglichen Frustrationen gestartet. Mit 25 gibt es so viele seltsame Momente der Verwirrung. Ich fand, es sei am besten, mich davon nicht auffressen zu lassen, sondern etwas Licht darin zu finden. Ich dachte auch immer, ich sei die einzige, der es so geht. Als ich die Gedichte bei Instagram postete, erkannte ich, dass es vielen Menschen um mich herum genauso geht. Sie markieren ihre Freunde, diskutieren, wie es ihnen geht – und lachen gemeinsam darüber.

Samantha Jayne im Kurzfilm "Less than One".
Samantha Jayne im Kurzfilm „Less than One“.

Du bist vor zwei Jahren aus New York nach L.A. gezogen. Wie läuft es denn jetzt dort?
Ich liebe die Stadt. Ich lebe nach meinem eigenen Zeitplan und schaffe, was ich als Schauspielerin, Autorin und Illustratorin schaffen muss. Ich habe mich selbst überrascht, wie gut ich es schaffe, meine Zeit zu organisieren. Zurzeit arbeite ich an einem Buch zur Quarter Life Poetry, es erscheint im April.

Was willst du Menschen in unserem Alter sagen?
Ihr seid nicht allein mit eurer Frustration. Wir sehen so oft Bilder unserer Freunde in Sozialen Netzwerken und vergleichen uns mit ihnen. Sie zeigen Bilder des Erfolgs und wir denken, im Vergleich dazu seien wir Versager. Wir müssen uns selbst daran erinnern, dass wir alle im gleichen Boot sitzen – und wir sollten keine Angst haben, darüber zu reden, wie tough das Leben sein kann. Und lasst uns daran denken, durchzuatmen, die Perspektive zu wechseln. Wir sind jung und haben unser ganzes Leben noch vor uns. Wir müssen daran denken, auch mal Spaß zu haben.

Bilder aus Quarter Life Poetry

„Ich möchte gerne zur Feier des Tages einen Vermerk machen, dass ich ab sofort in einer winzigen Schachtel lebe, mit fünf Mitbewohnern, die pupsen.“

 

„Meine Freundin hat ein Baby und besitzt eine Boutique. Ich habe gerade einen Kaktus gekauft, der nach einer Woche gestorben ist.“

 

„Wenn es mir derzeit schlecht geht, stelle ich mir das als fesselndes Kapitel meiner Autobiografie vor.“

 

„Ich bin stolze Feministin in allem, was ich mache und sage. Aber ich beim ersten Date zu Essen ausgeführt werde, dann hat er gefälligst zu zahlen.“

 

„Wenn ich hungrig bin auf mehr als nur Essen, melde ich mich bei Tinder an und bestelle mir einen Typen.“

 

„Kate Moss sagt, nicht schmecke so gut, wie sich Dünnsein anfühlt. Sie hat offensichtlich noch nie nach der Happy Hour gegessen.“

 

„Wenn 30 das neue 20 ist, dann ist es theoretisch in Ordnung, dass ich arbeitslos bin. Dann wäre ich ja schließlich noch Teenager.“

 

„Eines Tages lebe ich ein luxuriöses Leben, in dem ich viel Land und einen Geschirrspüler besitze, der nicht aus meinen zwei Händen besteht.“

 

„Ich freue mic für meine Facebook-Freundinnen, die stolze bald-Bräute sind. Aber postet auch nur ein weiteres inszeniertes Verlobungsbild, und ich will nichts mehr mit euch zu tun haben.

 

„Ich liebe es, Single zu sein! Niemanden interessiert es, wenn ich mal vier Tage lang dieselbe Unterhose trage.“

 

Sehenswert ist übrigens auch Samanthas Kurzfilm „Less than one“, eine kurze Geschichte darüber, wie man in einer Stadt voller Menschen seinen Seelenverwandten findet.