Radiohead und Co.: Was Musiker tun, damit wir ihre Alben kaufen

Radiohead löschte sich am Wochenende aus dem Internet. Wenn es darum geht, Werbung für ein neues Album zu machen, werden manche Musiker ziemlich kreativ. Wir haben die einfallsreichsten Ideen gesammelt.

© Dave M. Benett/Getty Images

Hier verteilt Radiohead-Sänger Thom Yorke Zeitungen in London – eine ungewöhnliche Promo-Aktion für das Album "The King of the Limbs". © Dave M. Benett/Getty Images

Und plötzlich war da nichts mehr. Radiohead ist offline. Wer ihre Website ansteuert, findet nur noch eine leere Seite. Auch auf Facebook hat die britische Alternative-Rock-Band aufgeräumt: kein Profilbild mehr, kein Banner, keine Postings.

Für Fans dürfte es dennoch keinen Grund zur Beunruhigung geben: Da die Seiten nicht komplett gelöscht wurden, sondern nur um die Inhalte erleichtert, handelt es sich wohl eher um einen Vorläufer zur Promo für ihr neues Album. Das soll nämlich schon im Juni erscheinen, wie die Tageszeitung The Guardian im April berichtete.

Die Band nutzte auch in der Vergangenheit kreative Wege, um auf kommende Alben aufmerksam zu machen: 2011 produzierte man zum Release von „The King of the Limbs“ sogar eine eigene Zeitung (!). Der Inhalt aber war eher weniger spannend – ein Autor des Musik-Magazins NME schrieb damals: „Es erwarten euch Bäume, Bilder von Bäumen und Gedanken über Bäume.“

Radiohead-Frontmann Thom York, der sonst keine Gelegenheit ungenutzt lässt, sich über die Machenschaften der Musikindustrie zu brüskieren – für ihn ist Spotify „der letzte verzweifelte Furz eines sterbendes Körpers“ – steht auf ausgefallene Vertriebswege: Sein Solo-Album „Tomorrows Modern Boxes“ veröffentlichte er unter anderem auf der Filesharing-Plattform BitTorrent – mit vier Gratis-Songs als Leckerli.

© Screenshot/Facebook
Die nackte Facebook-Seite von Radiohead. © Screenshot/Facebook

U2 zwingt Nutzer zum Glück

Mit Kritik an Wirtschaft und Globalisierung spart auch der U2-Sänger Bono nicht – und damit sie möglichst viele Menschen mit ihrer Botschaft erreicht, verschenkte die Band ihr aktuelles Album „Songs of Innocence“. Allerdings kann man Geschenke ja normalerweise ablehnen – über 500 Millionen iTunes-Nutzer hatten diese Möglichkeit nicht. Ihnen wurde das Album 2014 quasi zwangsweise in die Mediathek gelegt und zuvor automatisch herunter geladen. Das Vorgehen stieß teils auf massive Kritik – und Bono entschuldigte sich später öffentlich für die Aktion.

Wu-Tang Clan wird geprankt

Ähnlich in die Hose ging auch ein Marketing-Stunt des Wu-Tang Clan. Das in die Jahre gekommene Hip-Hop-Kollektiv konnte mit ihren zwei jüngst erschienenen Alben nicht an den Erfolg vergangener Jahre anknüpfen. Also wollten sie’s wissen: Sie veröffentlichten ein weiteres Album. „Once Upon A Time In Shaolin“ wurde nur ein einziges Mal gepresst, die Songs sind auch nicht online erhältlich. Verkauft haben die Musiker um Kopf RZA die Platte über eine Online-Auktion.

Käufer ist der umstrittene Pharma-Manager Martin Shkreli, der laut Bloomberg rund 2 Millionen US-Dollar dafür bezahlte. Das Internet hasst diesen Mann. Auch deshalb, weil er im vergangenen September über Nacht den Preis für das Medikament Daraprim, mit dem Aids und andere Immunschwächen behandelt werden, um das 55-Fache erhöht hat.

Fan der Rapper vom Wu-Tang Clan ist Shkreli übrigens auch keiner. Für ihn ist es eher, als habe er ein goldenes Pferd im Stall stehen, damit er es eben hat. Anhören möchte er das Album vielleicht trotzdem irgendwann mal, wenn er sich „niedergeschlagen fühlt“.

Mit soviel Dreistigkeit hat selbst der legendäre Wu-Tang Clan nicht gerechnet. Fans in aller Welt zeigten sich mitfühlend – und fragen sich noch heute: Hat der Clan sein Album wieder zurück?

Die Antwort ist Nein. Trotz allem kann sich das das Kollektiv nun damit rühmen, „ein Stück Kunst geschaffen zu haben, das so noch nie jemand in der Welt hervorgebracht hat.“ Es sei, als trage „jemand das Zepter eines ägyptischen Königs“. Leider gibt derjenige, der es trägt, da halt einen Scheiss drauf. Bleibt zu hoffen, die Rapper haben daraus gelernt.

Beyoncé kleckert nicht – sie klotzt

Glücklicherweise gibt es auch gelungene Beispiele für Album-Promo. Beyoncé gab sich für ihr Nummer-Eins-Album „Lemonade“ ordentlich Mühe. Sie drehte dazu nämlich ein knapp einstündiges, zusammenhängendes Musikvideo. So hat man zu der Musik auch gleich die passenden Bilder vor den Augen. Das gab’s bisher noch nie. Und kam an: Die Sängerin schoss mit ihrem aktuellen Album erneut an die Spitze der Billboard-200-Charts.  Auch das ist ein Rekord – es ist nämlich schon das sechste Mal, dass Beyoncé das schafft.

John Moose bringt Fans zurück zur Natur

Ein weiteres Positiv-Beispiel: Die schwedische Folk-Band John Moose veröffentlichte ihr Debüt-Album kostenlos. Das ist zunächst ja nichts ungewöhnliches. Aber die Art und Weise, wie man das Album anhören kann – oder muss, die schon. Die Band brachte nämlich eine zugehörige App heraus, die man sich herunterladen und mit dieser dann, kein Witz: in den Wald gehen muss. Die App gleicht dann mit Google Maps ab, ob der Zuhörer sich auch wirklich im Wald befindet, erst dann lässt sich die Musik abspielen. Damit die Stimmung zu den Songs passt – eine wirklich lobenswerte Idee, geht es hierbei doch eher darum, sich abgeschottet wirklich komplett auf die Musik der Künstler einzulassen.

Wer weiß, vielleicht hat ja auch Radiohead ähnliches mit ihrem kommenden Album vor – die Liebe zu Bäumen zumindest teilen sie mit den Schweden. Wir dürfen gespannt sein, was die Musiker, die wir schätzen, sich in Zukunft noch alles einfallen lassen.


Update, 03. Mai, 16 Uhr:

Nachdem Radiohead sich am Wochenende aus dem Netz verabschiedete, ging am heutigen Nachmittag ein Instagram-Account der Band online. Die Musiker gewannen innerhalb kürzester Zeit über 80.000 Follower – und luden ein Bild und ein Video hoch. Für die Fans steht spätestens jetzt fest: Das Album wird schon bald angekündigt.

A video posted by Radiohead (@radiohead) on