Refugees Welcome Index: Je näher Geflüchtete kommen, desto weniger sind sie willkommen

Geflüchtete sind in vielen Staaten willkommen. Allerdings wollen selbst Menschen, die eine Willkommenskultur gutheißen, offenbar Distanz wahren.

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Willkommen oder nicht? © STR/AFP/Getty Images

„Wir haben nicht damit gerechnet, ein so hohes Maß an Solidarität mit Geflüchteten zu sehen“, kommentiert Amnesty-International-Generalsekretär Salil Shetty eine neue Umfrage der NGO. Für den Refugees Welcome Index hat Amnesty 27.000 Menschen in 27 Ländern befragt, um zu prüfen, wie offen die Bevölkerung gegenüber Geflüchteten ist und ob sie Menschen bei sich aufnehmen würden.

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Im globalen Willkommensvergleich landet China auf Platz eins, Deutschland auf Platz zwei. 73 Prozent aller Befragten stimmten zu, dass Menschen, die vor Krieg und Verfolgung fliehen, in anderen Staaten aufgenommen werden sollten. 66 Prozent sind der Meinung, dass ihre Regierungen mehr für Geflüchtete tun sollten. Die Umfrage zeigt allerdings auch, dass die Solidarität nicht überall vorhanden ist: 61 Prozent der russischen Befragten gaben an, sie würden Geflüchteten den Zugang zum Land lieber verweigern. Russland ist das Schlusslicht des Rankings, nach Indonesien und Thailand.

Ein weiteres Ergebnis stellt das hohe Maß an Solidarität, das Shetty beobachtet, in Frage: Zwar würden 80 Prozent aller Teilnehmer*innen der Umfrage Geflüchtete in ihrem Land aufnehmen. In ihrer Stadt würden allerdings nur noch 47 Prozent gerne Geflüchtete sehen.

Dass Menschen in der unmittelbaren Nachbarschaft Zuflucht finden, akzeptieren nur noch 32 Prozent der Befragten. Global gesehen würde jede*r Zehnte Geflüchtete bei sich zuhause aufnehmen. Refugees welcome – aber nur, solange Abstand gewährleistet ist.