Rosen zum Valentinstag? Besser nicht! Der Umwelt zuliebe

Dem*der Partner*in Rosen zum Valentinstag zu schenken, ist ohnehin eine reichlich abgeschmackte Idee. Aber auch die Umwelt freut sich, wenn wir auf den Quatsch verzichten.

Rosen zum Valentinstag zu verschenken, ist eine Umweltsünde. Unsplash/Pexels

Glaubt man der Konsumindustrie, müssen wir jedes Jahr am 14. Februar unsere Liebsten mit Rosen beglücken. Doch wo kommen die eigentlich her?

Durch die klimatischen Bedingungen ist ein ganzjähriger Rosenanbau in Europa nicht so einfach. Rosen brauchen Licht und Wärme, beides gibt es hier im Winter nur aus künstlichen Quellen. Und die zu betreiben ist teuer. Deshalb werden die Rosen seit vielen Jahren in Ostafrika angebaut, zum Beispiel in Kenia. Dort finden sich optimale Voraussetzungen. Und billige Arbeitskräfte. So können wir das ganze Jahr Rosen kaufen, insbesondere für den Valentinstag: Allein im Februar werden jedes Jahr über 100 Millionen Rosen nach Deutschland transportiert. Die meisten kommen aus Kenia. Dafür schiebt die Lufthansa sogar Sonderschichten.

Wie sieht es vor Ort aus?

Etwa 100 Kilometer nordöstlich von Kenias Hauptstadt Nairobi befindet sich der Hotspot der afrikanischen Blumenindustrie: der Lake Naivasha. Rund um den See reihen sich hier die riesigen Rosenplantagen. Die Besitzer*innen kommen meist aus den Niederlanden, Deutschland oder Indien. Die Arbeiter*innen aus Kenia.

Die mit dem Anbau verbundenen ökologischen Folgen vor Ort sind gravierend. Denn Rosen brauchen Wasser. Viel Wasser. Dieses wird aus dem See gewonnen. Pestizid verseuchte Abwässer gelangen dann wieder zurück. Nicht umsonst warnt der WWF-Experte Philipp Wagnitz: „Afrikas Blumenindustrie gräbt sich selbst das Wasser ab. Die Produktion wächst bis zu dem Punkt, an dem die natürlichen Grenzen gesprengt werden.“ Die einzigartige Natur und Pflanzenwelt ist seit Jahren in Gefahr.

Aber auch die sozialen Folgen des Rosenkonsums sind frappierend. Während die Arbeiter*innen auf den Plantagen zwischen einem und zwei Euro am Tag verdienen, haben die indigenen Volksgruppen wie die Massai keinen Zugang mehr zum See. Doch dieser ist Notwendig, um ihr Vieh zu tränken.

Ist Fair Trade die Lösung? Oder Bio? Wohl kaum.

All diese Probleme sind bekannt. Aus diesem Grund gibt es inzwischen das Fair-Trade-Siegel. Zahlreiche Rosenzüchter machen mit, zahlen etwas mehr Lohn, verbessern die Arbeitnehmerrechte und finanzieren soziale Projekte. Das ist schön und gut. Doch letztendlich geht es nur darum, uns Konsument*innen zu beruhigen.

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Denn uns sollte bewusst sein, dass trotz Umweltstandards Fair Trade nicht Bio ist. Der CO2-Fußabdruck für ein Luxusgut mit sehr kurzer Haltbarkeit wird durch das Fair-Trade-Siegel nicht geringer. Die Lufthansa schiebt auch mit fairen Rosen Sonderschichten. Und die Massai können trotz Fair Trade immer noch nicht den Durst ihrer Tiere löschen.

Auch am Wasserverbrauch ändert sich mit Fair Trade wenig. Selbst ein Anbau unter biozertifizierten Bedingungen würde den Wasserhaushalt des Lake Naivasha belasten. Dies bestätigt Wasserexperte Philipp Wagnitz auf Nachfrage: „Die einzelnen Pflanzen verbrauchen dadurch nicht weniger Wasser als vorher. Auch achtet die EU-Biozertifizierung bisher immer noch nicht ausreichend auf das Thema Wasser. Die Anforderungen sind einfach zu lasch.“

Was passiert, wenn wir auf die Rosen verzichten?

Gerne wird darauf verwiesen, dass der Rosenanbau Arbeitsplätze schafft. Aber diese Argumentation greift viel zu kurz. Ist Arbeit gleich Arbeit? Denn ohne unseren Konsum wären diese Arbeitsplätze gar nicht erst nötig.

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Da die Unternehmer*innen meist aus Europa kommen, bleibt der ganz große Gewinn wie so oft nicht im Land. Nur deshalb sind soziale Projekte, wie sie von Fair Trade finanziert werden, überhaupt nötig. Doch warum gibt es keine oder nur sehr wenig kenianische Plantagenbesitzer*innen? Der Öffentlichkeit nahezu unbekannte Außenhandelsverträge unterstützen dies, da ausländischen Investor*innen mehr Vorteile eingeräumt werden und somit einheimische Produzent*innen mit noch größerer Konkurrenz konfrontiert sind. Das ist ein Grund dafür, dass sich in in diesen Ländern keine eigne stabile Wirtschaft entwickeln kann. Ein gutes Beispiel dafür ist das Wirtschaftspartnerschaftsabkommen (EPA) zwischen der EU und der Ostafrikanischen Gemeinschaft (EAC).

Wozu das Ganze?

Statt Rosen zu kaufen, sollten wir uns anlässlich des Valentinstages Gedanken über deren Produktionsbedingungen machen. Denn dieser sogenannte Tag der Liebe verdeutlicht wie kaum ein anderer Tag im Jahr, wie stark wir auf Kosten anderer leben. Dabei lohnt es sich, den Blick einmal weiter zu fassen. Schlussendlich vergrößern wir beim Kauf von Rosen zum Valentinstag unseren ohnehin großen CO2-Fußabdruck. Egal ob Fair Trade oder nicht. Gleichzeitig unterstützen wir lokale und globale Umweltzerstörungen. Vielleicht sollten wir den Valentinstag nutzen, um uns darüber Gedanken zu machen.

Der Planet wird es uns danken.

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