Lassen sie sich scheiden? Der Ehestreit zwischen Europa und Großbritannien

Die Beziehung zwischen der Europäischen Union und Großbritannien war nie von inniger Liebe geprägt. Trotzdem können sie nicht ohne einander – wie ein altes Paar. Wir haben einen Ehekrach der beiden belauscht.

Helmut Kohl und Margaret Thatcher

Helmut Kohl und Margaret Thatcher © Gettyimages

Am 23. Juni stimmt Großbritannien über einen EU-Ausstieg, den Brexit, ab. Euroskeptische Briten ärgern sich vor allem über Bürokratie, Überregulierung und ungerechte Zahlungen. Europa hingegen nerven die jahrzehntelangen Extra-Regelungen für die Briten.

[Außerdem bei ze.tt: 7 Beweise, dass die Briten nie in der EU waren]

Und so würde das Ganze als Ehekrach klingen

Europa: „Wir müssen reden.“
Großbritannien: „Ich hab grad keine Lust.“
Europa: „Du hast NIE Lust.“
Großbritannien: „Och, kann ich bitte in Ruhe meine Times lesen?“
Europa: „Nein. Du hast schon wieder deine Teetasse auf den Geschirrspüler gestellt und nicht rein. Das haben wir doch schon tausend Mal besprochen. Dafür haben wir Regeln. Ich meine: Wie kompliziert kann das sein? Machst du das absichtlich?“
Großbritannien: „Ich mache das eben so. Und nun reg dich doch nicht schon wieder so künstlich auf. Das ist echt typisch. Du musst immer alles festlegen und regeln und lässt mir überhaupt keine Freiheiten. Da ist man ja im Gefängnis besser dran!“
Europa: „Jaja, immer die gleiche Leier. Den Mist höre ich von dir seit über 40 Jahren.“
Großbritannien: „Weil’s halt wahr ist! Du willst immer alles bestimmen, es kotzt mich so an.“
Europa: „Meine Güte, bist du wieder empfindlich. Wieso haben wir damals überhaupt geheiratet?“
Großbritannien: „Wegen der Kohle natürlich. Und du wolltest dann irgendwann auch unbedingt ein gemeinsames Konto. Das kam mir gleich komisch vor. Ich überweise dir eh jeden Monat viel zu viel!“
Europa: „Seit 40 Jahren machst du, was du willst! Du hast dich nie wirklich auf unsere Ehe eingelassen. Was ich denke und fühle, interessiert dich kein Stück! Und was ich alles für dich getan und hingenommen habe!“
Großbritannien: „Entschuldigung – ich mach, was ich will? Ich richte mich ständig nach dir! STÄNDIG! Weißt du was? Du hast Recht. Es ist mir tatsächlich furzegal. Schon lange, eigentlich sogar schon immer. Vielleicht sollten wir uns endgültig trennen.“
Europa: „Scheidung? Ha, das höre ich auch zum hundertsten Mal! Dann hau doch ab! DU LIEBST DIESE USA SOWIESO VIEL MEHR ALS MICH! Geh doch zu der! Viel mehr andere Freunde bleiben dir ja nicht. Wundert mich übrigens kein Stück.“
Großbritannien: „Wie bitte?! Na, das wollen wir doch mal sehen!“
Europa: „Hahaha, als ob! Du kannst dir eine Scheidung außerdem überhaupt nicht leisten, Schatz. Du weißt doch noch nicht mal mehr, wie man alleine einkaufen geht. Ohne mich bist du NICHTS! EIN NIEMAND!“
Großbritannien: „ACH JA? WENIGSTENS BIN ICH DANN WIEDER ICH SELBST UND MUSS MIR VON DIR KEINE VERDAMMTEN VORSCHRIFTEN MEHR MACHEN LASSEN!!!!11elf!“
Europa: „Herrgott, nun brüll doch nicht so! Was sollen denn die Nachbarn denken? Frankreich und die Niederlande gucken schon ganz schief über den Jägerzaun. Das gibt wieder ein Getratsche!“
Großbritannien: „Ich brülle überhaupt nicht, ich rede nur sehr laut! Und das müsste ich nicht, wenn du mir nur EINMAL zuhören würdest!“
Europa: „Spar dir deine Theatralik! So kommen wir nicht weiter.“
Großbritannien: „Na, endlich sind wir mal einer Meinung.“
Europa: „Hatten wir auch lange nicht mehr.“
Großbritannien: „Wann eigentlich? Beim Irak-Krieg?“
Europa: „Nee. Ganz sicher nicht.“
Großbritannien: „Ich glaube, das letzte Mal nach dem 2. Weltkrieg.“
Europa: „Ach, das waren Zeiten. Damals war irgendwie alles … einfacher. Wir waren zwar völlig fertig, aber auch irgendwie so optimistisch.“
Großbritannien: „Wir waren vor allem viel jünger und naiver. Und pleite. Sonst hätte ich mich wohl kaum auf dich eingelassen.“
Europa: „Ach, komm – wir waren schon ein bisschen verknallt.“
Großbritannien: „Ich erinnere mich nicht, ist eine Ewigkeit her…“
Europa: „Jahrzehnte… Also, wenn ich so drüber nachdenke… eigentlich ein kleines Wunder, dass wir es überhaupt so lange miteinander ausgehalten haben.“
Großbritannien: „Ich kann zwar kaum glauben, dass ich das grad sage, aber… Ohne dich würde mir wohl doch irgendwie was fehlen.“
Europa: „Ach. Ich weiß ja, dass wir so unsere Probleme haben. Aber um auch ganz ehrlich zu sein: Ohne dich kann ich mir das Leben auch nicht mehr vorstellen.“
Großbritannien: „Und nun?“
Europa: „Keine Ahnung. Was willst du denn? Ich meine, so wirklich?“
Großbritannien: „Ich habe keinen blassen Schimmer. Vielleicht sollten wir einfach alles so lassen, wie es ist, und einfach weitermachen. Erst mal. Ach, ich weiß es nicht.“
Europa: „Mhm. Vielleicht sollten wir das. Vorerst.“
Großbritannien: „Aber weiter mit getrennten Schlafzimmern!“
Europa: „Auf jeden Fall. Du schnarchst immer wie Sau. Und die Regeln bleiben. Ordnung muss sein!“
Großbritannien: „Von mir aus. Na, ich lese dann jetzt mal weiter Zeitung.“
Europa: „Mach das. Ich geh eben in die Küche, den Geschirrspüler einräumen.“