Gummipuppen-Brustschwimmen und neun andere Sportarten, die es wirklich gibt

Parkour und Gummistiefel-Weitwurf kennt ihr. Es geht aber noch viel irrer, wie diese zehn Sportarten zeigen.

© Kirill Kudryavtsev/AFP/Getty Images

Die Bubble Baba Challenge 2011 im russischen Fluss Vuoksa nahe St. Petersburg. © Kirill Kudryavtsev/AFP/Getty Images

Schienbeintreten

Die oder den Gegenüber mit gezielten Tritten gegen das Schienbein zu Fall bringen – das ist das Ziel beim Schienbeintreten. Die zwei Gegner_innen halten sich dabei an den Schultern fest. Ein Sport, der nichts für Weicheier ist, so viel ist klar. Obwohl elastische Schuhe Pflicht sind und es erlaubt ist, die hochgezogenen Socken zum Schutz der Beine mit Stroh auszustopfen, sind Blaue Flecke und Prellungen vorprogrammiert. Auch Knochenbrüche sind nicht selten.

Wer denkt sich sowas aus?

Briten in den Cotswolds, einer Region im Herzen Englands. Dort entstand Schienbeintreten bereits Anfang des 17. Jahrhunderts im Rahmen der Cotswold Olimpick Games, eines zweitägigen Sportwettkampfs mit Pferderennen, Schwertkampf und Vorschlaghammer-Weitwurf. 1852 wurden die Olimpick Games wegen Landteilungen in den Cotswolds eingestellt, erleben aber seit 1966 ihr jährliches Revival. Schienbeintreten inklusive.

Schaf-Rodeo für Kleinkinder

Früh übt sich, wer ein großer Rodeo-Star werden will. In mehreren US-Bundesstaaten gibt es daher Schaf-Rodeo für Nachwuchstalente bis zu sechs Jahren. Die Kinder werden auf ein stillstehendes Schaf gesetzt, das im Anschluss mit Kind auf dem Rücken in die Rodeo-Arena prescht. Ziel des Kindes: Sich möglichst lang auf dem Schaf zu halten. Ziel des Schafes: Das Kind möglichst schnell abzuwerfen. Die meisten Kinder fallen nach maximal acht Sekunden weich auf den Arenaboden – dank gepolsterter Weste und Helm.

Wer denkt sich sowas aus?

Rodeo-Liebhaber_innen aus den USA. Seit den Achtzigern ist Schaf-Rodeo (im Englischen „Mutton bustin‘“ genannt) populär bei verschiedenen Rodeo-Veranstaltungsorten, vor allem in den Südstaaten.

Hang on y'all! It's almost the weekend. 👏🏼 #RODEOHOUSTON #muttonbustin

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Gorilla-Lauf

Acht Kilometer entlang Londons touristischer Sehenswürdigkeiten laufen, das ist zwar sportlich, aber ziemlich Standard. Weniger Standard ist, sich dabei ein menschengroßes Gorilla-Kostüm anzuziehen. Genau das machen seit 2003 mehrere hundert Menschen beim jährlichen Gorilla-Run, einem Benefiz-Lauf zur Rettung bedrohter Berg-Gorillas in Afrika. Teilnehmende zahlen 50 Pfund für Start und Gorilla-Kostüm. Das dürfen sie am Ende sogar behalten.

Wer denkt sich sowas aus?

Die britische Charity The Gorilla Organization, die das Geld für die Rettung der vom Aussterben bedrohten Berg-Gorillas in den Wäldern Ruandas, Ugandas und des Kongos einsetzt. Mittlerweile ist der Londoner Gorilla-Lauf aber auch zur Export-Veranstaltung in den USA und Kanada geworden: In Austin, Cincinnati, Denver und Edmonton finden seit einigen Jahren Gorilla-Läufe anderer wohltätiger Organisationen statt.

Der Great Gorilla Run 2014 in London. © Jack Taylor/AFP/Getty Images
Der Great Gorilla Run 2014 in London. © Jack Taylor/AFP/Getty Images

Gladiator-Kampf 2.0

Was aussieht wie eine Mischung aus Quidditch und antikem Gladiatorenkampf nennt sich Jugger. Zwei Teams, bestehend aus bis zu fünf Leuten pro Spielzug, versuchen den Spielball namens Jugg in das Tor der gegnerischen Mannschaft zu bugsieren. Jedes Team hat eine_n Läufer_in, die als einzige_r den Jugg  aufnehmen darf. Der Rest des Teams, die so genannten Pompfer, haben die Aufgabe, diese_n Läufer_in zu beschützen. Dafür haben sie verschiedene Instrumente zur Verfügung: Stäbe in verschiedenen Längen (Q-Tip, Stab, Langpompfe, Kurzpompfe), eine höchst martialisch aussehende, aber gepolsterte Kette und ein Schild zur Abwehr gegnerischer Angriffe.

Wer denkt sich sowas aus?

Die Idee zum Spiel stammt aus dem australischen Apokalype-Film „Die Jugger – Kampf der Besten“ aus dem Jahr 1989. Dort erfand Regisseur und Drehbuchautor David Webb Peoples das Jugger-Spiel, in dem seine Figuren um ihren Lebensunterhalt kämpften. Die ersten Real Life-Nachahmer_innen folgten einige Jahre später in Heidelberg und Hamburg. Mittlerweile gibt es einige Teams in verschiedenen Ländern und sogar Jugger-Meisterschaften. 2014 fand die erste Jugger-WM in Villingen-Schwennigen statt.

Überschlagsschaukeln

Von gemütlicher Spielplatz-Aktivität zum Abenteuer kopfüber: Überschlagsschaukeln hat nicht mehr viel mit Kindervergnügen zu tun, sondern ist Extremsport. Auf einer 2,5 Meter hohen Schaukel schwingen Sportler_innen in vier bis acht Meter Höhe. Das Ziel: Überschlag, vorwärts und rückwärts. Geschaukelt wird im Stehen. Damit die Überschlagsschaukelnden nicht kopfüber abstürzen, werden sie an Füßen und Händen an der Schaukel befestigt.

Wer denkt sich sowas aus?

Überschlagsschaukeln kommt aus Estland. Dort wird es, in Ableitung des estnischen Worts für Schaukel „kiik“, kiiking genannt. Die erste professionelle Überschlagsschaukel wurde 1996 entwickelt. Die Ursprünge des Extremsports liegen aber schon einige hundert Jahre zurück. In Estland schaukelten Menschen traditionell vermehrt im Stehen und probierten sich an waghalsigen Überschlägen. In Deutschland gibt es bisher nur eine einzige Überschlagsschaukel. Die steht seit 2013 in Kassel.

Pappröhren-Zweikampf

Dass Pappröhren nicht nur zum Basteln gut sind, zeigt diese Sportart: Pappröhren-Zweikampf, englisch: Cardboard Tube Dueling. Gewinner_in eines Pappröhren-Zweikampfs ist die Person, die als erstes die gegnerische Pappröhre kaputt macht. Kaputt heißt: Die Pappröhre muss einen Knick im Winkel von mindestens 45 Grad haben.

Wer denkt sich sowas aus?

Ein Mann namens Roman Easley, der sich 2007, in Kindheitserinnerungen schwelgend, dazu entschloss, eine offizielle Cardboard Tube Fighting League (CTFL) zu gründen. Kurz nach der Erstgründung in Seattle, Washington, eröffnete Easley eine weitere Pappröhren-Liga in San Francisco. Danach folgten weitere Gründungen von anderen Papp-Fans in Australien, England und Belgien. Alle Ligen veranstalten regelmäßige Kämpfe, vor allem im Sommer.

Brustschwimmen mit Gummipuppe

Diese Sportart ist politisch ziemlich inkorrekt. In wilden Wasserfluten auf einer 1,2 Kilometer langen Strecke nahe Sankt Petersburg haben Brustschwimmende in den Vuoska-Stromschnellen nur ein Ziel vor Augen: Sich nicht von ihrer Gummipuppe stoßen zu lassen. Das ist leichter gesagt als getan. Normalerweise wird das Gewässer den Extrempaddler_innen, Kajakfahrer_innen und Rafter_innen überlassen.

Wer denkt sich sowas aus?

Ein Russe namens Dmitry Bulawinov, der eigentlich nur einen Party-Joke reißen wollte. Aus dem Joke wurde Wirklichkeit: Seit 2003 findet das Gummipuppen-Brustschwimmen, auch bekannt als Bubble Baba Challenge fast jedes Jahr im russischen Örtchen Losevo bei Sankt Petersburg statt. Die meisten der etwa 800 Teilnehmenden sind – wie könnte es auch anders sein – Männer. Aber es gibt jedes Jahr auch einige Frauen, die sich mit Gummipuppen in die Fluten stürzen.

Professionelles Fratzeziehen

Wenn Rumalberei zum Sport wird, hat das einen Namen: Gurning. Jedes Jahr treffen sich professionelle Grimassenschneider_innen aus aller Welt zum Gurning World Cup in Egremont im Nordosten Englands. Gurning-Contestants stecken für den Wettbewerb ihren Kopf durch ein altes Pferdekummet. Dann kann’s losgehen mit dem Fratzenziehen. Das Ziel ist eindeutig: Möglichst hässlich aussehen. Beurteilt wird das Ganze von einer mehrköpfigen Jury. Besonders spektakuläre Fratzen entstehen oft bei Leuten mit fehlenden Zähnen oder alten Leuten, die die Nase eindrucksvoll hinter ihrer Haut verstecken können.

Wer denkt sich sowas aus?

Gurning hat eine lange Tradition im ländlichen England. Die Grimassen-Meisterschaft in Egremont findet schon seit 1267 jährlich statt. Sie ist Teil der so genannten Egremont Crab Fair, einem großen Straßenfest mit Paraden und Sportvorführungen in der Kleinstadt.

Mensch-Hunde Paartanz

Dass man mit Hunden nicht nur prima Joggen oder Radfahren gehen kann, beweist dieser Sport: Mensch-Hunde-Paartanz, auch genannt musical canine freestyle oder canince freestyle. Hundebesitzer_innen denken sich für den Tanz mit ihrem tierischen Freund eine Choreografie aus, in der beide Spezies beweisen können, dass sie Rhythmus im Blut haben. Der Mensch führt bei diesem Duo und zeigt dem Hund mit ihm bekannten Hinweisen, welche Figur als nächstes kommt. Da maximal drei Figuren pro Trainingseinheit einstudiert werden können, braucht es für einen 4-minütigen Song monatelanges Üben.

Wer denkt sich sowas aus?

Hundefans von so ziemlich überall. Seit den Neunzigern gibt es Mensch-Hunde-Tanz in Kanada, England, den USA und den Niederlanden. Vereine wie die New Yorker World Canine Freestyle Organization organisieren regelmäßig Tanzwettkämpfe, in denen sich Mensch-Hunde-Teams mit anderen messen können. Bepunktet werden unter anderem Takt, Gehorsam, Kreativität und Schwierigkeitsgrad der Choreographien.

Baby-Springen

Einen Hindernis-Parcours mit lebenden Babys als Hindernis, das ist kein schlechter Witz, sondern ein realer Contest, den es seit 1620 in Castrillo de Murcia, Spanien, gibt. Männer, verkleidet in traditionellen Kostümen, springen über je vier bis acht Babys, die auf Matratzen verteilt auf der Straße liegen.

Wer denkt sich sowas aus?

Spanische Katholik_innen, die während des jährlich stattfindenden El Colacho-Fests, den Colacho, also den Teufel, vertreiben wollen. Die traditionellen Kostüme der Männer, die über die Babys springen, symbolisieren den Teufel. Das Ritual des Springens soll die im Jahr zuvor geborenen Babys von der Erbsünde befreien.