Schönheitsstandards halten diese Frau nicht vom Modeln ab

Melanie Gaydos hat eine erbliche Entwicklungsstörung. Die hindert sie aber längst nicht daran, ihrem Traum vom Modeln nachzugehen. Und der Erfolg gibt ihr recht.

Seit vier Jahren modelt Melanie Gaydos professionell. Die gebürtige New Yorkerin hat seit ihrer Geburt Ektodermale Dysplasie, eine seltene erbliche Entwicklungsstörung. Haare, Nägel, Zähne und Haut können sich dabei nicht richtig entwickeln und weisen zum Teil Fehlbildungen auf.

Melanie musste ihr Leben lang dagegen kämpfen. Nicht gegen die Krankheit selbst, sondern gegen die Stigmatisierung, die sie deswegen in der Gesellschaft erfuhr. Sie hat keine Haare, ihr fehlen Zähne und Nägel, auch ihr Hautbild hat sich verändert. Sie hat bereits zwischen 30 und 40 Operationen hinter sich, in ihrer Jugend versteckte sie sich stets unter Perücken, um den vielen Beschimpfungen und Misshandlungen zu entgehen. Selbst von ihrer Familie erhielt sie keinen Rückhalt. Sie habe viel Alkohol getrunken und manchmal an Selbstmord gedacht. Sie glaubte lange, sie würde ihren 18. Geburtstag nicht erleben.

„Ich dachte nie von mir, dass ich hübsch wäre, aber ich dachte auch nie, dass ich hässlich wäre. Für mich war Schönheit immer eher ein Gefühl“, sagt sie im Interview mit StyleLikeU. Das Modeln habe für Melanie beinahe eine therapeutische Wirkung, denn vor der Kamera könne sie offen zeigen, wer sie ist. Auf Instagram veröffentlicht sie für ihre mehr als 109.000 Abonnent*innen regelmäßig Fotos.

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Trotz ihres Erfolgs mache es ihr die Modebranche nicht leicht, erzählt sie. Wenn sie auf andere Models trifft, wüssten diese oft nicht, wie sie mit ihr umgehen sollen. Das Flüstern und die seltsamen Blicke lösen Stress und Unwohlsein bei Melanie aus. Trotzdem: „Ich mag mich so, wie ich bin“, sagt sie.

Heute ist sie 28, selbstbewusst und erfolgreich. Vor vier Jahren brachte sie ihr damaliger Freund, ein Fotograf, auf die Idee. Er war es, der ihr die Türen zur Modewelt öffnete, und das, obwohl sie bis zu diesem Zeitpunkt nur widerwillig Fotos von sich machen ließ. Diese Zeiten sind vorbei. Die Perücke hat sie abgelegt, stolz zeigt zeigt sie ihr Äußeres vor der Kamera. Das Ergebnis sind beeindruckende Fotos, die mit sämtlichen Branchenklischees brechen.

Melanie arbeitet international, lief für die New Yorker und Berliner Fashion Week und hatte einen Gastauftritt in Rammsteins Musikvideo zu Mein Herz brennt. Derzeit bereite sie sich erneut auf die diesjährige Berliner Fashion Week vor und wird wohl auch den Großteil des Sommers mit Fotoshootings in Deutschland verbringen.