Schülerin verklagt ihre Eltern wegen Kinderfotos auf Facebook

Auf dem Töpfchen und nackt in der Wiege: Eine 18-jährige Schülerin aus Österreich wollte nicht, dass ihre Eltern solche Fotos von ihr auf Facebook online stellten. Doch die posteten weiter. Jetzt reicht die junge Frau Klage ein.

Foto: Foto: Skyla80/Photocase.de

Guck-Guck! Foto: Foto: Skyla80/Photocase.de

Update, 16.9.: Es gibt inzwischen Zweifel daran, ob sich der hier beschriebene Fall tatsächlich ereignet hat. Weder die angeblich involvierte Anwaltskanzlei noch die mutmaßlich zuständige Gerichtssprecherin kennen ihn, schreibt die Berliner Morgenpost.

Von der Großtante bis zu Onkel und Opa – heute hat die ganze Familie Facebook. Sie stupsen uns an, kommentieren unsere Posts und teilen ab und an auch mal peinliche Familienfotos. Das nervt. Eine 18-Jährige nerven die Kinderfoto-Posts ihrer Familie sogar so sehr, dass die Österreicherin vor Gericht zieht.

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Bereits als sie 14 war, entdeckte sie auf Facebook, dass ihre Eltern ohne ihr Einverständnis regelmäßig private Kinderfotos online stellten. Sie kreierten ein „schönes Familienalbum“ und gaben es für circa 700 ihrer Facebook-Freunde frei. Darin war der Werdegang ihrer Tochter zu sehen, auch schon mal nackt. Bei den Facebook-Freund*innen seien die Erinnerungen gut angekommen, sagte der angeklagte Vater der österreichischen Zeitschrift „Die ganze Woche“.

Nicht aber bei der Tochter. Schon damals forderte sie ihre Erziehungsberechtigten mehrmals dazu auf, die Fotos zu löschen. Doch die weigerten sich. „Sie kannten keine Scham und keine Grenze. Ob ich auf dem Töpfchen saß oder nackt in meinem Kinderbettchen lag – jeder Schritt von mir wurde fotografisch festgehalten und nachträglich öffentlich gemacht.“

Mit 18 klagte sie

Die Schülerin fühlte sich nicht ernst genommen. Als sie volljährig wurde, wandte sich die junge Frau aus Kärnten an einen Anwalt. Sie forderte ihre Eltern erneut auf, die Fotos zu löschen. Als das nicht geschah, reichte sie eine Klage wegen Verstoßes gegen das Datenschutzrecht ein.

Im November soll der Prozess beginnen. Nach Angaben der Welt droht den Eltern eine Strafe von 3.000 bis 10.000 Euro. Zudem kann die junge Klägerin wegen Kränkung eine Entschädigung und Unterlassung von ihren Eltern einfordern.

Die Lage in Deutschland

Nach der deutschen Rechtslage haben Kleinkinder ebenso ein Recht auf den respektvollen Umgang ihrer Persönlichkeitsrechte wie Erwachsene. Eine Einwilligung zum Fotosposten brauchen die Eltern aber erst, wenn ihr Kind 14 Jahre alt ist und die sogenannte Einsichtsfähigkeit besitzt. Wenn Eltern dies missachten, können ihre Kinder sie vor dem Familiengericht wegen Verstoßes gegen die Persönlichkeitsrechte anklagen.

Die Polizei warnt grundsätzlich davor, Kinderfotos auf Facebook zu posten. Letzten Herbst postete die Polizei Hagen das nachfolgende Video, mehr als 200.000 Mal wurde es geteilt. Darin warnt die Polizei unter anderem vor Cybermobbing und Missbrauch der Fotos.