Schüttel deinen Speck beim Yoga

Beim BUTI-Yoga aktivieren Frauen ihre untersten Chakren mit Arschwackeln zu bassigen Beats. Ein Besuch bei den Berliner BUTIsattvas zeigt, was das kalifornische Trend-Workout mit Emanzipation und Selbstliebe zu tun hat.

Buti-Yoga

Buti-Yoga ist der neue heiße Scheiß © Gettyimages

Aus den Boxen dröhnt „Schüttel deinen Speck“ und Trainerin Ninette schreit in den Raum: „Down Dog! Vinyasa!“. Beim herabschauenden Hund lasse ich die Hüften kreisen, bis der Schweiß auf meine Yoga-Matte tropft.Spätestens als wir zu Haftbefehl-Songs twerken, weiß die letzte Yogini, dass sie hier in keinem gewöhnlichen Yoga-Kurs gelandet ist.

BUTI heißt nicht nur Arschwackeln in Yoga-Posen, sondern auch „die Heilung für Verstecktes oder geheim Gehaltenes“.

Ausgedacht hat sich die Mischung aus Workout und Selbsthilfe-Kurs die Amerikanerin Bizzie Gold. Das PR-Girl-gone-Fitness-Guru aus Kalifornien bietet auf ihrer Website seit fünf Jahren passende Merch-Shirts und Proteinpulver an. Wem sie damit nicht zum inneren Frieden verhilft, der bucht ein persönliches Coaching mit ihr – für nur 500 Dollar. Die Playlist ist einer der guten Gründe, der mich wöchentlich zum Workout treibt.


Abgesandte von Bizzie brachten die Botschaft auch nach Deutschland. In Berlin gibt es BUTI Kurse inzwischen auch bei Holmes Place oder über Trainerinnen wie Ninette Kohler. Bei ihr reihen sich die Yoga Matten dicht an dicht. Regelmäßig lockt sie Neugierige mit lauten Beats von Haftbefehl bis Peter Fox zum Schwitzen mit therapeutischer Wirkung.

Zugegeben – die Playlist ist auch für mich einer der guten Gründe, regelmäßig den BUTI zu shaken. Wenn Hafti ankündigt: „Chabos, jetzt gibt’s Heckmeck“ und Ninette schmunzelnd zum Arschwackeln anregt, trifft das einen Nerv. Dass das nicht nur mir so geht, beweist der überfüllte Kursraum und das Business, das Erfinderin Bizzie aus BUTI macht.

Gute Musik – gutes Workout

Ähnlich wie der durchschnittliche Hipster habe auch ich diverse Yoga-Experimente hinter mir. Vom „normalen“ Fitnessstudio-Yoga bis zum Yoga Nidra hat nichts so sehr meine Chakren zum schwingen gebracht wie BUTI. Bei Walgesängen mit geflüsterten Flows nach Feierabend schlafe ich direkt ein . Nach einem Tag am Schreibtisch brauche ich mehr Bewegung.

Trainerin Ninette Kohler bezeichnet sich als „Leistungstierchen“, das abends ein anstrengendes Workout zum Abschalten braucht.“ BUTI macht das Umschalten von Aktion zu Entspannung leichter. Außerdem hat es auf jeden Fall eine energetische Komponente, es ist sehr befreiend.“

„Dieses Gefühl, wenn alles am Körper wackelt“

Die 36-jährige Strategie-Direktorin einer Berliner Markenagentur gibt neben ihrer 40-Stunden-Woche noch BUTI-, Tanz- und Yoga-Kurse. Das sei zwar anstrengend, aber planbar.

Damit lebt sie vor, was BUTI fördern soll: Starke Frauen, die sich selbst lieben. „Dieses Gefühl, wenn alles am Körper wackelt und man das erste Mal denkt: das ist eigentlich okay. Das ist ein wichtiger Punkt, von dem viele erzählen. BUTI unterstützt die Akzeptanz gegenüber der eigenen Unperfektheit.“

BUTI-Yoga für mehr Selbstbewusstsein

Bizzie Gold bereitet den Weg zur Selbstliebe mit Online-Workouts, Paleo- und veganen Essensplänen und einer aktiven Facebook-Community aus BUTIsattvas, eine Art Frauengruppe 2.0. Einer ihrer goldigen Vorschläge für mehr Körperbewusstsein: “Trage mindestens zwei Stunden am Tag einen Bikini, während du Hausarbeit machst.”

Die unter anderem an amerikanische Frauen adressierten Tipps kommen in E-Mails, in denen Bizzie betont, dass nur ”DU für deine eigene SELBSTLIEBE verantwortlich bist”. Vielleicht rutscht sie beim Arschwackeln auch öfters auf der Feststelltaste aus.

„Wir haben verlernt, die Vorteile der weiblichen Energien zu nutzen.“

Ganz egal ob man dem Franchise verfällt oder den Schweiß nimmt, wie er fließt: BUTI bewegt Körperteile, die viele Frauen vergessen hatten.

„Mit den Hüften zu wackeln ist eine Arbeit mit dem zweiten Chakra: Es steht für Sexualität. In der westlichen Welt hat man uns Frauen das aberzogen. Die Dinge, die uns als emanzipierte Frau gleichberechtigt machen, führen dazu, dass wir die Vorteile der weiblichen Energien nur noch als Nachteil begreifen und nicht mehr nutzen“, predigt Ninette.

Wenn gestärkte Frauen mit BUTI zu ihrer inneren Göttin finden, nehme ich es Bizzie nicht ganz so übel, dass sie sich dabei ein goldenes Näschen verdient. Die leise Erkenntnis nach lauten Beats. Am Ende der Stunde sagt Ninette in den Raum: „Bedankt euch bei euch selbst, dass ihr euch die Zeit genommen habt und die Möglichkeit hattet, hier zu sein“ Dabei kullert selbst mir so manches Tränchen der Rührung die Wange herunter.

Arschwackeln als Emanzipationsmaßnahme

Denn fuck, was ist das eigentlich für 1 gutes Life, wenn wir unsere First World Problems nach einem gleichgestellten Arbeitstag mit unseren studierten Mittelklasse-Booties rausschütteln können. Arschwackeln als Emanzipationsmaßnahme, die von innen glücklich macht.

BUTI feiert die Weiblichkeit in jeder Form und mit all ihrer Konsequenz. Die leise Erkenntnis hallt nach lauten Beats umso länger nach.

*Dieser Artikel wurde NICHT in einem Bikini geschrieben.


Die nächsten BUTI-Termine in Berlin:

16. Juli BUTI Workshop im Aspria Berlin
ab 14. Juli jeden Donnerstag um 20 Uhr in der Tanzschule Sabine Roth, Bergmannstraße 5