Schwangerschaft und Karriere? Drei Frauen erzählen

Schwangerschaft und Karrierefrau – ein Widerspruch in sich oder ein natürlicher Grundsatz unserer Zeit? Drei Frauen erzählen, wie die Schwangerschaft ihren Karriereverlauf beeinflusst hat.

Für viele bedeutet die Schwangerschaft das Ende der Karriere. Aber muss das sein? Foto: Pexels | CC0 Lizenz

Lara

Nach Abschluss ihres BWL-Studiums hat Lara mit 27 Jahren endlich ihren Traumjob gefunden. Ein Job im Personalwesen. In der kompletten Bewerbungsphase war sie einem starken Konkurrenzkampf ausgesetzt. Nun sollte dem aber ein Ende gesetzt werden. Endlich hatte sie einen Arbeitsplatz gefunden und bräuchte lediglich den Vertrag zu unterzeichnen – sogar einen fristlosen. Sie hätte jetzt durchstarten können. Nur gab es ein Problem: Zur selben Zeit hat sie erfahren, dass sie im sechsten Monat schwanger ist.

Sie stand vor dem Dilemma, wie sie mit der großen Neuigkeit umgehen soll. Offen und geradeheraus, um zu riskieren, dass sie die Stelle nicht antreten kann oder erstmal ein Geheimnis daraus machen? Tagelang hat sie mit Zukunftsängsten gekämpft. Sie wusste nicht, was auf sie zukommen würde. „In der neunten Schwangerschaftswoche habe ich es nicht mehr ausgehalten und es meiner Gruppenleiterin mitgeteilt, die auch gleichzeitig meine Vertrauensperson war. Sie hat mir gratuliert und versichert, dass wir das gemeinsam durchstehen werden“, erzählt Lara. „Selbstverständlich mussten wir auch dem Chef die Neuigkeit mitteilen. Ich hatte große Angst vor dem Gespräch. Er reagierte aber sehr freundlich. Sogar noch freundlicher als meine Gruppenleiterin. Damit habe ich nicht gerechnet.“

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Einen Haken hatte die Veränderung aber doch: Der Vertrag für die Festanstellung war Geschichte. Es folgte ein befristeter Arbeitsvertrag. Gleichzeitig musste sie versichern, dass sie schnellstmöglich aus der Elternzeit wieder zurück zur Arbeit kehren würde – wenn ihr Baby drei Monate alt ist. 
“Ich habe mich während der kompletten Schwangerschaft nicht einmal krankgemeldet. Egal, wie ich mich fühlte. Die Gesamtsituation war mir einfach zu unangenehm.“ Auch ihre Urlaubstage nahm Lara nicht in Anspruch. Diese hat sie im Anschluss an ihre Elternzeit aufgebraucht. „Nur so konnte ich mehr Zeit mit meinem Baby verbringen.“

Sie hat ihre Versprechen in die Tat umgesetzt und war immerhin 4,5 Jahre in dem Unternehmen angestellt. Aktuell befindet sie sich in ihrer zweiten Elternzeit, die sie auch tatsächlich genießt.

Maria

Auch Maria war 27 Jahre alt, als sie von ihrer Schwangerschaft erfuhr. Sie befand sich inmitten einer Traineemaßnahme in einem Medienunternehmen, die sie professionalisieren und in den Betrieb integrieren sollte. In dieser Traineephase hatte sie auch eine Festanstellung und war unkündbar. Anfangs ist sie entspannt mit der Schwangerschaft umgegangen. Eigentlich ist sie davon ausgegangen, dass ihre Ausbildung unterbrochen und nach der Elternzeit fortgesetzt würde. Dies war zumindest bei einer Kollegin im selben Betrieb, mit einer anderen Fortbildungsform, der Fall. 
“Plötzlich erfuhr ich, dass ich mit meiner Elternzeit mein Trainee beende und somit auch meine Festanstellung endet“, erzählt Maria aufgebracht. Wie es mit ihr in dem Betrieb weitergehen könnte, hat ihr auch nicht wirklich jemand mitgeteilt. „Meine Zukunft stand in den Sternen. Ich hatte keinen Plan, wie es bei mir weitergehen würde.“

Auch mit dem Elterngeld verlief alles nicht wie geplant. Aufgrund einer freiberuflichen Tätigkeit bekam sie monatlich unter 600€, statt der 1.800€, die sie eigentlich hätte kriegen müssen. „Es war unmöglich für mich, meine Elternzeit zu genießen. Zu viel Anspannung, zu viel Angst.“

Ihr Wiedereinstieg verlief dann doch reibungsloser als gedacht. Auf der Arbeit haben sie eine Art „Mädelsnetzwerk“ gegründet. Und dieses hat sich darum gekümmert, dass sie an diversen Projekten mitarbeiten kann. Auch ihre Vorgesetzten haben es dann doch hinbekommen, sie einzugliedern. Sie würde auch definitiv wieder ein Kind bekommen. Das Vertrauen ins „Mädelsnetzwerk“ und ihre Vorgesetzten sei groß. Die würden ihr wieder helfen.

Nadine

Die Geschichte von Nadine ist etwas heikler. Sie war mit 29 Jahren schwanger und zu dem Zeitpunkt schon sieben Jahre in einem großen Tourismus-Unternehmen tätig. Mit ihrem Arbeitgeber hatte sie geklärt, dass sie zwei Jahre in Elternzeit gehen und hinterher als Teilzeitkraft wieder einsteigen würde. Anders war es nicht möglich. Ihr Ehemann war der Hauptverdiener.

In den zwei Jahren änderte sich viel bei ihrem Arbeitgeber. Neue Leitung, ihre Abteilung war abgebaut worden und es gab kaum noch Festangestellte. „Schon als ich mich telefonisch ankündigte, wurde mir nahegelegt, dass ich meine alte Stelle nicht antreten kann. Stattdessen wurde mir eine Vollzeitstelle in einem anderen Bereich angeboten. Plus einem einwöchigen Workshop, den ich monatlich besuchen musste. Ich nahm die Herausforderung an.“ Der Workshop war in einer anderen Stadt. „Drei Stunden habe ich in der Zeit alleine auf der Autobahn verbracht. Ich war von morgens sechs Uhr bis abends 20 Uhr unterwegs.“ Nadine musste auch monatlich Tests in dem Workshop absolvieren. Die Testergebnisse hat sie nie erfahren.

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Nach etwa drei Monaten hatte sie einen Termin bei ihrem Chef. „Der teilte mir mit, dass meine Testergebnisse nicht gut sind und sie generell keine Zukunft für mich in dem Betrieb sehen. Die Testergebnisse wurden mir weiterhin vorenthalten. Ich habe also nie gesehen, ob ich wirklich schlecht abgeschnitten habe oder nicht.“ Ihr wurde ein Auflösungsvertrag angeboten. Sie hat erkannt und eingesehen, dass sie so nicht mehr glücklich werden kann. Das war nicht das, was sie sich vorstellte. „Die Höhe war, als mein Chef mich wieder in sein Büro zitierte, nachdem mein Sohn etwa zwei Wochen krank war. Vier Tage bin ich bei ihm geblieben, den Rest der Zeit hat meine Mutter auf ihn aufgepasst. Mein Chef war aber der Meinung, dass meinem Sohn eine arbeitende Mutter nicht guttäte.“ Sie nahm sich einen Anwalt, damit sie zumindest die Abfindung erhalten würde. Die stand ihr zu, nach inzwischen über neun Jahren Arbeitszeit. „Ich habe den Prozess gewonnen. Nun war ich Hausfrau und Mutter. Das war nie mein Lebenstraum. Ich war über 30 arbeitssuchend mit Kleinkind. Für viele Arbeitgeber keine attraktive Partie.“

Angst statt Vorfreude

Betrachtet man diese drei sehr unterschiedlichen Fälle, wird eines sehr deutlich: Es muss etwas passieren, um Frauen die Vereinbarkeit von Kind und Karriere zu erleichtern. Alle drei Frauen hatten zwischenzeitlich Angstzustände, Existenz- und Zukunftsängste. Es sollte Frauen in Deutschland möglich sein, ein Kind zu bekommen ohne gleichzeitig zu befürchten, dass ihre Zukunft gelaufen ist. Sie haben damit zu kämpfen, ob sie es verschweigen sollen und wie ihre Zukunft aussehen kann. Mehr Sicherheit, mehr Betreuung und wasserdichte Gesetze wären ein guter Anfang, um Frauen vor diesem Problem zu schützen.

Schwangerschaft und Karriere bei jungen Frauen – passen diese zwei Sachen zusammen? Die Diskussion ist schon sehr alt und die Gemüter scheiden sich. Fakt ist: In Deutschland ist die Geburtenrate sehr gering, gleichzeitig machen immer mehr Frauen Karriere und sind ein wichtiger Bestandteil des Wirtschaftslebens. Zumindest geht dies einer Studie des World Economic Forum und des OECD hervor. Fragt man Männer, sind sie der Auffassung, dass Frauen ihre Karriere den Kindern vorziehen. Fragt man Frauen, sagen sie, dass es schwierig ist, Karriere und Kind zu vereinen.