Serien auf Instagram? Nice try, der Nächste, bitte

Weltweit nutzen rund 400 Millionen Menschen Instagram zum Teilen von Fotos und Videos. Jetzt startet auf der Plattform die Miniserie „Shield 5“ – sieben Minuten, zerstückelt in 28 Teile à 15 Sekunden. Kann das funktionieren?

Screenshot: Shield 5/Instagram

Auf der Flucht: John Swift (Christian Cooke, oben). Screenshot: Shield 5/Instagram

Jedes soziale Medium hat seine eigenen Regeln: Auf Twitter lassen sich nicht mehr als 140 Zeichen pro Tweet schreiben, auf Snapchat verschwindet alles binnen Sekunden und Instagram beschränkt seine Nutzer bei Videoposts auf eine Länge von 15 Sekunden. Nicht gerade die Zeitspanne, um aufwendige Geschichten zu erzählen.

Doch genau das versucht jetzt „Shield 5″, ein Mini-Thriller um einen gescheiterten Diamantenraub in London. Seit dem 1. Februar erscheint jeden Tag eine Folge, die wiederum aus einem Clip à 15 Sekunden und einem Foto besteht. Nach sieben Minuten, beziehungsweise 28 Tagen ist alles vorbei.

Die Handlung ist schnell erzählt: Die Polizei verhaftet John Swift, den Fahrer eines Sicherheitstransports, wegen eines Diamantenraubs und eines Mordes. Er will seine Unschuld beweisen und befindet sich fortan auf der Flucht vor der Polizei und denjenigen, die ihm die Tat angehängt haben.

Ungeeignetes Medium

Aber wie viel Handlung kann man in 15 Sekunden packen? Ähnlich wie auf Twitter hat diese Beschränkung ihre Folgen: Auf Twitter werden keine Romane erzählt, sondern kurze Statusmeldungen ausgetauscht, Linktipps versendet, Nachrichten gelesen. In 15 Instagram-Sekunden kann man ein, zwei Szenen packen und die letze sollte schon ein Cliffhanger sein, damit man am nächsten Tag wiederkommt. Allzu anspruchsvoll kann ein Plot so nicht werden.

Zudem hat man auf Instagram schnell mal einen Post verpasst. Je nach Zahl der Accounts, denen mal folgt, rutschen einem leicht Updates durch die Timeline. Wer zwei Tage nicht auf Instagram war, hat zwei Folgen verpasst. Man kann entweder ewig scrollen oder über die Personensuche alte Folgen suchen – was wiederum mühsam ist. Auf ein „Was bisher geschah“ sollte man bei einer Länge von 15 Sekunden nicht hoffen.

Man kann natürlich auch bis zum Schluss warten und dann alle 28 Folgen hintereinander ansehen. Aber auch in diesem Fall nervt die 15-Sekunden-Begrenzung eher, weil man die sieben Minuten nicht am Stück durchschauen kann.

Die Vorgänger scheiterten

„Shield 5“ ist nicht der erste Versuch, Instagram für Serien zu nutzen. In „desertfriends“ fanden sich drei Freunde in einer fernen Galaxie wieder und versuchten, zurück auf die Erde zu kommen. „Artistically challenged“ zeigte das Schicksal von Nick, einem New Yorker Künstler, der durch eine kleine Lüge über Nacht zum Star wird.

Besonders erfolgreich war keine von ihnen: „Desertfriends“ hatte 24.000 Follower, „Shield 5“ hat bislang gut 9.000 (Stand 3. Februar), „Artistically challenged“ gerade mal 3.000. Sicher ist „Shield 5“ die am besten produzierte Serie von allen dreien, aber sie kann aufgrund des Mediums kaum an gute Netflix-Serien herankommen. Und an diesen Standard haben wir uns mittlerweile längst gewöhnt: parallel laufende Handlungen, komplexe Charaktere, die sich entwickeln oder verändern – all dass wird „Shield 5“ nicht bieten können.

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