Sexismusgegner sind keine Spießer!

Die Politik will sexistische Werbung verbieten und erntet viel Kritik daran. Warum das falsch ist – und warum Feministinnen keine humorlosen Biester sind.

Screenshot: Beyonce/Instagram

Beyonce posiert als "Rosie the Riveter", eine fiktive Symbolfigur für arbeitende Frauen. Screenshot: Beyonce/Instagram

Heiko Maas hat dem Spiegel erzählt, dass sein Haus an einer Gesetzesvorlage sitzt, mit der sexistische Werbung verboten werden soll und die Empörung der Pseudolockeren ist groß. Maas wird Spießigkeit vorgeworfen – natürlich ausgerechnet aus den Reihen der Partei, deren Vertreter so hart daran arbeiten, als fleischgewordene Altherrenwitze in den Schaukasten der Geschichte gestellt zu werden.

Was an der Debatte nervt: Kritiker gelten als Spießer

Dabei ist der Vorstoß des Justizministers richtig und längst überfällig. Was mich an der ganzen Debatte so nervt: Natürlich werden Feministinnen und ihre männlichen Unterstützer wieder als humorlose Biester dargestellt, die alles verbieten wollen, was Spaß macht. Ich persönlich lache eigentlich ganz gerne, wenn aber Frauen in degradierenden Posen dargestellt werden, bleibt mir das Lachen im Halse stecken. Mir wäre es natürlich lieber, es bräuchte Heiko Maas‘ Initiative gar nicht, aber täglich erinnert mich Werbung daran, dass das Aufsprühen eines Deodorants hübsche Frauen zu willenlosen Wesen macht, dass mein Bier nur dann gut schmeckt, wenn es vor einem üppigen weiblichen Dekolleté mit einem kernigen Spruch in Szene gesetzt wird. Die Selbstkontrollmechanismen des Werberates sind offensichtlich auf dem sexistischen Auge blind. Ist doch alles harmlos und lustig, hahaha.

Die Argumente gegen Maas‘ Vorstoß sind nicht neu

Seitdem ich Feministin bin, kann ich über solche Witzchen nicht mal mehr müde lachen. Zu allgegenwärtig sind sexualisierte Frauenkörper, manchmal fast schon grotesk in Szene gesetzt. Nun kann man natürlich sagen, ist alles Geschmackssache, über Geschmack kann man doch streiten, hab dich nicht so. Die Argumente, die jetzt gegen Maas‘ Vorstoß vorgetragen werden, sind tragischerweise nicht neu und ähneln denen, die im Zuge der #Aufschrei-Debatte benutzt wurden, in geradezu ermüdender Art und Weise.

Aber natürlich, wer nicht versteht, dass plumpe, sexistische Anmachsprüche mit Komplimenten nichts zu tun haben, der versteht auch nicht, warum man Waschmaschinenwerbungmachenden die Freiheit nehmen sollte, eine spärlich bekleidete Frau neben das Produkt zu shoppen. Und wer eben solche Werbung verhindern will, ist spießig und will die Meinungsfreiheit beschneiden, da sind sich die überwiegend von Männern abgegebenen Kommentare einig. Viele vergessen dabei, dass es sich bei Werbung nicht um eine Meinung handelt, sondern um die Anpreisung eines bestimmten Produktes.

Po- und Brüste-Bilder bringen Klicks

Schon ein kurzer Blick in die Presseberichterstattung zu diesem Thema zeigt, wo das Problem ist. Geradeso, als hätten Redaktionen dieser Welt nur auf den Moment gewartet, werden die Texte fleißig mit nackten Beinen, Hintern und großen Brüsten bebildert. Natürlich, in den Redaktionen weiß man, was Klicks bringt und Aufmerksamkeit garantiert. Wer etwas dagegen sagt, ist verklemmt. Dabei ist es doch spießig und altbacken, wenn man meint, ein rückständiges Frauenbild verteidigen zu müssen?

Frauen sind in unserer Gesellschaft mehr als schmückende Deko, entmenschlichte Körper und Sexobjekte, da waren sich nach den Vorfällen von Köln plötzlich alle einig. Nur gehört zu dieser Geschichte auch, Sexismus als gesamtgesellschaftliches, strukturelles Problem ernst zu nehmen. Die empörten Reaktionen auf Maas‘ Vorhaben zeigen, wie weit der Weg dahin noch ist.

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