Sieben Dinge, die wir uns von den Schweden für ein schöneres Leben abgucken können

Höflich sein, nicht übertreiben, viel singen und tanzen: Die Schweden haben den Bogen raus. Hier erfährst du, wie du dein Leben ein wenig schwedischer machen kannst.

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Ihre Klamotten tragen wir bereits, jetzt können wir auch was vom schwedischen Lifestyle übernehmen. © Chris Jackson/Getty Images

Die Schweden haben schon kräftig auf uns abgefärbt. Wir hören ihre Musik, tragen ihre Kleidung und richten unsere Wohnungen mit ihren Möbeln ein. Jetzt fehlt nur noch, dass wir den schwedischen Lifestyle übernehmen, um unser Leben entspannter zu gestalten. Denn der schwedische Lebensstil hat über Tanz durch die Mittsommernacht hinaus viel Tolles zu bieten.

1. Sei lagom

Lagom ist das Fundament der schwedischen Mentalität und eine Grundstimmung, die wir alle übernehmen sollten. Leider ist der Begriff unübersetzbar. Mittelmaß? Nicht wirklich. Bescheidenheit? Auch nicht. Lagom bedeutet vielmehr sowas wie: nicht zu viel, nicht zu wenig, genau richtig. Die Schweden würden sagen: Lagom ist der Moment beim Essen, wenn du nicht mehr hungrig bist, aber noch nicht überfressen. Sie bringen das Beispiel auch gerne mit Alkohol – allerdings mit Einschränkung, denn lagom betrunken sein gehört nicht gerade zu ihren Stärken.

2. Plane dein Wochenende

Dabei ist betrunken werden in Schweden nicht gerade günstig. Ein Sterni aus dem Späti für’n Euro? Vergiss es! Stattdessen ist für die Party am Wochenende Planung gefragt – und viel Geld. Im Supermarkt bekommt man Bier – und auch Wein – nur bis 3,5 Prozent (und ja, alkoholreduzierter Wein schmeckt in Schweden grauenhaft), alles andere gibt es im Systembolaget, dem staatlichen Alkoholgeschäft.

Wer schlecht plant, der rennt Samstagnachmittag um fünf vor drei in den Laden, wählt aus der übergroßen Auswahl letztendlich doch das billige Pripps-Blå-Dosenbier und wühlt um eins vor drei an der Kasse noch schnell den Perso aus der Tasche. Unter 20 geht nämlich nichts! Planende Schweden haben also entspanntere Wochenenden. Ebenso vorausschauend können wir unsere Gedanken schon vorher aufs Wochenende lenken: Habe ich alles? Was brauche ich noch? Wie verhindere ich es, am Wochenende lange Schlange zu stehen?

3. Iss nur Fredagsmys und Lördagsgodis

Die Schweden lieben ihre Maßnahmen gegen die Maßlosigkeit und beschränken daher das Snacken und Naschen auf Freitag und Samstag. Unter Fredagsmys verstehen die Schweden Chips und Dip am Freitag, zusammen mit Familie und Freunden. Wer’s klassisch mag, macht dazu auch Tacos – das mexikanische Fast Food hat sich inzwischen mysteriöserweise als schwedisches Leibgericht etabliert.

Lördagsgodis heißt einfach nur Samstagssüßigkeiten. Die ursprüngliche Idee: Süßes nur einmal die Woche schützt vor Karies. Die Idee, den Süßigkeiten- und Chipskonsum auf spezielle Tage zu beschränken, ist eigentlich ganz clever. Aber natürlich gibt es in Schweden auch Wege, die Beschränkung zu umgehen: Es gibt auch einen lilla lördag, einen kleinen Samstag: Der ist mittwochs und erlaubt für die Kleinen ein bisschen Naschwerk, für die Großen ein paar Drinks zur Wochenmitte. Dann hat der Systembolaget übrigens bis sieben auf.

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4. Sei höflich und diskret

Wer einmal längere Zeit in Schweden verbracht hat, weiß: Höflichkeit geht über alles. Diskussionen an der Uni? Nur mit Seidenhandschuhen. Straßenschuhe in der Wohnung? Auf keinen Fall. Und lass das „Piece of Shame“ unangetastet. Was das ist? Zum Beispiel die letzten Köttbullar in der Pfanne. Die bleiben dort liegen, bis sie kalt und alt sind. Gut, wir müssen’s ja nicht übertreiben. Aber: Höflichkeit ist immer eine gute Maßnahme.

5. Besinge dich selbst

Singen ist eine Art Volkssport in ganz Skandinavien. Und wieder auch und vor allem, wenn Alkohol im Spiel ist. Es ist keine Seltenheit, dass Schweden mit einem Schnapsglas in der Hand den Bart – falls vorhanden – zurechtrücken und dann mit tiefer, voller Stimme die Freuden des gemeinschaftlichen Betrinkens besingen. Helan går („Der ganze geht“)! Und wer nicht den ganzen Schnaps nimmt, bekommt auch keinen halben – heißt es zumindest im Lied. So macht das gemeinsame Betrinken gleich viel mehr Spaß.

Randnotiz: Ein ganzer Schnaps wird auch denen empfohlen, die sich an Sürströmming, die verrottete Fischspezialität wagen. Die ist nicht nur Mythos, sondern wird wirklich gegessen, und stinkt mindestens so sehr, wie ihr Ruf besagt. Vielleicht hilft singen da auch als Ablenkung.

6. Tanz dich fit

Das schwedische Klischee: groß, blond und schlank. Wie das geht in einem Land mit Zimtschnecken und Kötbullar? Nach Monaten voll Dunkelheit, Schnee und Regen? Ganz einfach. Die kalte Jahreszeit verbringen viele Schweden im Fitnessstudio, machen dort unter anderem Jympa, eine schwedische – und auf den ersten Blick etwas befremdliche – Sportart, bei der alle Altersgruppen gemeinsam zu Abba und anderen Hits hüpfen, tanzen und rennen.

 

Schöner kann man kaum fit werden. Im Sommer wird jeder Sonnenstrahl gefeiert, und jeder Spaziergang wird mit Laufleggings und atmungsaktiven Shirt zum Workout erkoren.

7. Mach Fika – mach Pause

Aber wenn wir wirklich etwas von den Schweden lernen möchten, dann ist es das Pause machen! Die Fika ist für Schweden mindestens genauso wichtig wie lagom. Was oft einfach nur als gemeinschaftliche Kaffeepause übersetzt wird, ist eigentlich viel mehr. Es ist die Essenz aller schwedischen Genüsse: Kaffee – so viel du willst – Kuchen, ob Kladdkaka (Schokoladenkuchen), Kanelbulle (Zimtschnecken) oder Semlor (Teilchen mit Füllung), und vor allem Zeit. Du hast einen harten Arbeitstag vor dir? Mach Pause. Dein Studium gefällt dir nicht ganz? Mach ein ganzes Jahr Pause. Du hattest ein hartes Wochenende? Hol dir erstmal Kaffee!

Schweden
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