China boykottiert Abkommen zur Rettung der Meere

Die Meere und Ozeane sind weltweit überfischt. Obwohl es gesetzlich festgelegte Fangquoten gibt, können sich die Bestände kaum erholen. Der Grund: Sie werden nicht überall eingehalten, geschweige denn kontrolliert. Ein neues Abkommen der Vereinten Nationen soll das ändern.

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Erst gefangen, dann ins Meer geworfen: Unverkäufliche oder tote Fische sind unerwünschter Beifang. © photocase.com / kamirika

Was man früher noch für unmöglich gehalten hat, ist heute traurige Wahrheit: Die Meere sind fast leergefischt. Insgesamt gelten mehr als 80 Prozent der Meere als überfischt oder maximal genutzt. Einige Fischbeestände sind sogar bereits völlig zusammengebrochen.

Um die weitere Überfischung der Meere zu stoppen, hat man sich international auf Fangquoten geeinigt. Diese regeln genau, wie viel Fisch an welchen Orten in einem speziellen Zeitraum gefangen werden darf.

Es ist ein Schritt in die richtige Richtung.

Rainer Froese, Wissenschaftler am Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung

Gründe für das Port States Measures Agreement

Nicht überall werden die Quoten eingehalten. Damit die Vorgaben in Zukunft besser befolgt werden, hat die Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) nun eine neue Vereinbarung auf den Weg gebracht: das Port States Measures Agreement, kurz PSMA. Es gilt seit dem 5. Juni 2016 und soll verhindern, dass illegal und unreguliert gefangener Fisch auf die internationalen Märkte gelangt.

Denn bisher sollen etwa 30 Prozent des weltweit gefangenen Fisches aus dieser sogenannten IUU-Fischerei stammen. Sie wird zu den Hauptgründen gezählt, weshalb die Meere überfischt sind. Ein weiterer Grund sind auf Masse ausgelegte Fangmethoden, die enorme Mengen an ungewolltem Beifang produzieren. Die toten, unverkäuflichen Fische werden oft einfach wieder von Bord geworfen.

Wie das Abkommen funktioniert

Insgesamt 29 Länder sowie die EU als Ganzes haben das Abkommen bisher ratifiziert. Diese Staaten sind zusammengenommen bereits für 62 Prozent des weltweiten Fischimports und 49 Prozent des Exports verantwortlich. Mit ihrer Zustimmung zum Port States Measures Agreement haben sie sich rechtsverbindlich dazu verpflichtet, ausländische Fischkutter und -boote, die ihre Häfen anlaufen, zu kontrollieren.

Die örtlichen Behörden sind unter anderem dazu berechtigt, Logbücher, Lizenzen, Ausrüstungen und Fracht der Schiffe zu überprüfen. Das gilt auch für Fälle, in denen nur Wasser oder Diesel getankt werden soll.

Bei illegalem Fischfang soll den Fischern die Einfuhr in den Hafen verboten werden. Zusätzlich sollen die teilnehmenden Staaten Verstöße gegen die Richtlinien an andere Häfen und Staaten melden.

Es fehlen die großen Drei

Doch wie effektiv ist ein Abkommen, wenn einige der größten Fischfangnationen der Welt – allen voran China mit über 16 Millionen Tonnen gefangenem Fisch pro Jahr – nicht mitmachen?

Ob das Abkommen also wirklich so bahnbrechend ist, wie von den Vereinten Nationen gepriesen, darüber hat detektor.fm-Moderatorin Juliane Neubauer mit dem Wissenschaftler Rainer Froese gesprochen. Er forscht am Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung in Kiel.

Moderation: Juliane Neubauer