Sind wir wirklich so dreckig wie die USA?

Die Amerikaner kompostieren jetzt und bringen brav ihre Flaschen zurück in den Laden. Und wir Europäer? Wir sollten von unserem hohen Bio-Ross runterkommen. In Sachen Müll sind wir keine Vorbilder mehr.

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Dreck am Strand von Pensacola, Florida. So sauber, wie die Amis sich gerade geben, sind sie nicht. Archiv @ Spencer Platt/Getty Images

Es gibt Menschen, die produzieren mehr als 14 Kilogramm Müll am Tag. Zumindest statistisch gesehen. Sie leben in Trinidad & Tobago und sind vermutlich nicht so schlimm, wie sie scheinen. Im Schnitt produziert ein Weltbürger 1,2 Kilogram pro Tag. In Ghana und Uruguay sind es nur rund 100 Gramm, berichtet das World Economic Forum. In Deutschland kommen wir auf 1,7 Kilo, die USA auf knapp 2. Vor allem Staaten mit geringerer Bevölkerung produzieren viel Müll pro Kopf – weil dort im Vergleich zu den Unternehmen einfach weniger Menschen leben.

Das US-Magazin The Atlantic hat nun einen Text veröffentlicht, in dem der Autor die Müllmoral seiner Landsleute lobt. Sie würden ihre Flaschen zurück in den Laden tragen und hätten aufgehört, gemähten Rasen und Herbstlaub in den Hausmüll zu kippen. Klug. Und überhaupt hätten die Europäer längst zur Müllmenge der USA aufgeschlossen.

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Daten der OECD bestätigen diese Beobachtung allerdings nicht. Zwar sind auch Dänen und Schweizer echte Müllsünder, von Deutschland trennen die USA aber noch gut 300 Gramm pro Tag – oder mehr als 100 Kilogramm pro Jahr.

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Mit der Frage nach der Müllproduktion ist es aber nicht getan. Viele Staaten recyceln ihre Abfälle. In Deutschland sticht die Region um Trier heraus, fast aller Abfall werde hier recycelt, berichtet die OECD. Im Schnitt bereiten die Deutschen etwa 60 Prozent ihres Abfalls wieder auf. In den USA sind es laut Environmental Protection Agency 34,3 Prozent.

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Die EU will übrigens, dass alle Länder bald so viel recyceln. 50 Prozent des Hausmülls und ähnlicher Abfälle sollen vom Jahr 2020 an jährlich wiederaufbereitet werden. Das wurde bereits im Jahr 2008 beschlossen. Darüber liegen bislang Österreich mit über 60 Prozent, Belgien mit 58 Prozent, die Niederlande und die Schweiz mit etwas mehr als 50 Prozent. Gar nicht gut läuft es in Bulgarien und Rumänien, die derzeit bei unter 10 Prozent liegen.