Sklave einer Domina: „Er hat seine Arbeit, er hat mich und mehr gibt es für ihn nicht“

Wie ist es, sich in jeder freien Minute einer Domina hinzugeben – als ihr Leibeigener? Die Geschichte von Cuckhold Bingo und seiner Herrin Playlady Lalola.

© Thomas Baldischwyler

Toys. © Thomas Baldischwyler

Fotograf Thomas und ich stehen vor Nr. 130 in irgendeiner gesichtslosen Straße in Hamburg. Mehrstöckiger Bau, unscheinbar, geradezu nichtssagend. Kein Firmenschild, kein Name an der Klingel. Links internationale Küche in rustikalem Ambiente. Frühstück, wechselnder Mittagstisch, Kneipe. Der Kiez ist hier ganz weit weg. Vergnügen muss man hier suchen – oder anrufen. Linker Eingang, erster Stock, Gegenverkehr im Treppenhaus.

Cuckhold Bingo und Playlady Lalola erwarten uns. Beide in Latex, er hochgeschlossen, ihre Brüste kaum gebändigt. Wie alt sie ist? Schwer zu sagen. „Seit 12 Jahren arbeite ich als Domina, davor als Bizarre-Lady“, sagt sie. Wo der Unterschied liegt? „Eine Bizarre-Lady weiß noch nicht genau wo sie steht. Sie ist sowohl dominant, als auch devot – und du darfst sie ficken. Ich bin niemandem hörig und biete keinen Geschlechtsverkehr an – befriedigt werde ich trotzdem.“

© Thomas Baldischwyler
Du gehörst mir. © Thomas Baldischwyler

Von dem da? Bingo regt sich nicht. „Der Unterschied zwischen ihm und einem normalem Gast ist, dass er seinen Trieb nicht ausleben kann, denn er kommt ja nicht zum Zug“, sagt Lalola. „Das befriedigt mich. Und ihn. Wenn ich mich vergnüge, dann darf er im Nebenraum dabei sein, sich aber nur an meinem Spaß aufgeilen. Abspritzen darf er nur, wenn ich es erlaube.“   

Seit einem dreiviertel Jahr geht das schon so

Hier wohnt man nicht, geschweige lebt man. Gewerbe und Büros eingepfercht zwischen S-Bahntrassen und mehrspurigen Ausfallstraßen, City-Nord im Stadtmarketing-Sprech. Mehr Arbeitsplätze als Einwohner auf zweieinhalb Quadratkilometern, Beton, Glas, Stahl soweit das Auge reicht. Aber abtauchen kann man hier. Bingo hat einen festen Job, welchen spielt auch für uns keine Rolle. Die Arbeitszeiten werden respektiert, ansonsten gehört er ganz ihr. „Er hat seine Arbeit, er hat das Studio, er hat mich und mehr gibt es für ihn nicht“, sagt sie. Ruft sie an, steht er auf der Matte. Manchmal schläft er im Käfig, wenn sie das Studio abschließt. Seit einem dreiviertel Jahr geht das nun schon so. Es war sein Traum, dass sie ihn fest nimmt, versichert er uns.

Ob er Morgen noch an ihrer Seite ist? Er weiß es nicht. „Abbrechen gibt es nicht. Ich mache Schluss, nicht er“, sagt sie. Rechnen muss er damit immer. Während Lalola die Wünsche ihrer gewöhnlichen Sklaven berücksichtigt, hat Cuckhold seine nicht zu äußern.

Lady Lalola wirkt selbstbewusst, herzlich oder ist sie doch nur professionell? Wer steckt hinter dem Künstlernamen? Wir sitzen in einer Sesselecke, das Kaminfeuer gibt’s hier vom Display. Irgendwie trotzdem gemütlich. „Das ist alles meins, mein Studio, meine Gemeinschaft. Alles bis ins Detail geplant, sogar die Fußmatte.” Käfig, ein Kreuz, eine Streckbank, allerlei Spielzeug, Ketten, Riemen. Es gibt ein Zimmer komplett ausgekleidet mit Latex, auch ein Klinikraum findet sich hier.

Cuckhold muss Champagner bereitstellen

„Manche fangen hier an, Windeln zu tragen, Schnuller, krabbeln ins Gitterbett, andere stehen auf Dirtygames. Dann kommt auch mein Toilettenstuhl zum Einsatz, für wieder andere Kunden bin ich die Rubberlady, ganz in Latex, mit oder ohne Gasmaske.” Wer wie oft kommt, das hängt auch vom Kontostand ab. Bingo hingegen muss immer bei Fuß sein. “Es ist eine Beziehung die wir aufgebaut haben”, sagt sie. Auch eine  Art von Liebe? „Mich befriedigt es, dass er alles niederlegen, das er für mich funktionieren muss. Wenn ich meinen Spaß habe, muss er vorher dafür gesorgt haben, dass die Champagnerflasche bereit steht, dass das Bett hergerichtet ist.” Manchmal putzt er, wenn er Dienst hat. Oder geht Einkaufen. Niemand darf ihr so nah kommen, wie Cuckhold und bleibt ihr doch so fern. „Klassischer Sex steht nicht im Vordergrund. Es geht hier eher um einen Sextrieb, der sich vor allem im Kopf abspielt. Genauso wie die Qualen, die man aushalten muss. Natürlich ist meine Bestrafung schmerzhaft, aber auch Hingehalten werden tut nicht weniger weh. Man muss aushalten können, man muss entbehren.”

Hier regiert Lalola. © Thomas Baldischwyler

Bricht die Domina den Willen des Gegenübers? Eher den Trieb, erklärt sie. Über den gewinne sie nach und nach die Oberhand. Und wenn es mal nicht funktioniert? Die Erfolgsquote mag sie nicht bemessen. Fast immer würde man zueinander finden, würde die Chemie stimmen. Vorgespräche helfen dabei, das rauszufinden. Es gibt Absprachen, gar Verträge.  „Anfangs hatten wir noch ein Codewort, “Bis hier hin und nicht weiter” bedeutete das – das gibt es jetzt nicht mehr.” Bingo hat zu wollen, was seine Herrin will. Oder ihre gewöhnlichen Kunden. 

Wichtig ist, dass es all meinen Sklaven gut geht, auch meinem Cuckie.

Playlady Lalola

Was ihre Dienste kosten, bleibt nur zu vermuten. Die Preise sind so individuell wie das Programm, günstig dürften sie jedoch kaum sein. Die Kunden wissen das, die wohlhabenden, die weniger finanzstarken. Ihre Neigung bringt sie her, Geld darf für die Kunden keine Rolle spielen.

Früher sei sie noch rumgereist, von Mietstudio zu Mietstudio, von Stadt zu Stadt. Heute besuche sie gelegentlich Freundinnen und arbeite als Gast-Domina bei deren Sessions. „Zum Beispiel in Dänemark, wo Ladys, die ich kenne, regelmäßig ein Haus mieten. Da schaue ich dann für ein paar Tage vorbei, lasse es mir gutgehen, entspanne“, sagt sie. Hin und wieder lade sie sich selbst Gast-Dominas ein, veranstaltet Gangbangs mit Bi-Sklaven, die Bilder und Videos gehen über Twitter viral. Marketing 2.0 macht eben auch vor diesem Gewerbe nicht halt.

Als ich frage, worauf sie spezialisiert sei, lacht sie schallend. Es gibt kaum etwas, was nicht buchbar ist. Natürlich nicht, man will ja in nichts nachstehen. Aufmerksam werden muss man auf das Angebot trotzdem erst einmal. Dafür hat sie einen IT-Experten, der kümmert sich um alles. Bingo dürfte das alles herzlich egal sein, so lange er bei seiner Herrin bleiben darf. Ab und an sei er vorbeigekommen, habe ‘ne Session gebucht, ihr auch mal privat geholfen. „Dann hat sie mir irgendwann ein Halsband angelegt, gesagt ‘So, das war es jetzt, jetzt bist du meins, keine anderen Dominas mehr, nur noch wir.’” Bingo lebt seinen Traum. Vorerst.