Smog statt Liebe – Paris verhängt Fahrverbot

Fein- statt Feenstaub in der Hauptstadt der Liebe: Paris versinkt im Smog und sagt deshalb jetzt: Stopp! Am 27. September stehen die Autos in Frankreichs Hauptstadt still. Die Aktion wirkt angesichts der hohen Luftverschmutzung allerdings nur wie ein kurzes Durchatmen bei Reizhusten.

© Boris Horvat/AFP/Getty Images

Verliebte sollten sich eine Tüte frische Luft von zu Hause mitnehmen, um durchatmen zu können. © Boris Horvat/AFP/Getty Images

Leichten Fußes auf der Champs-Élysées flanieren. Ein herbstlicher Spaziergang auf der Prachtstraße Frankreichs. Am 27. September ist das für alle Pariser möglich – ohne Auto-Lärm, ohne Abgase. Warum? Weil die französische Regierung die Notbremse gezogen und ein eintägiges Fahrverbot verhängt hat.

In Paris stauen sich jeden Tag Autoschlangen durch die ganze Stadt. Das Straßennnetz wird längst nicht mehr dem Verkehr gerecht, der täglich durch die französische Hauptstadt rollt. Aber auch viele alte Dieselfahrzeuge und die umliegende Schwerindustrie sorgen seit Jahren für eine hohe Luftverschmutzung in der Stadt der Liebe. Liegt dann noch ein Hochdruckgebiet über Paris, verstärkt die warme Luft die Feinstaubkonzentration in der Stadt.

Bereits im vergangenen Jahr wurde deshalb erstmals seit 1997 ein Teil-Fahrverbot verhängt, bei dem abwechselnd private PKW und Motorräder mit geraden und ungeraden Kennzeichen stehengelassen werden mussten. Diese Aktion wurde im März diesen Jahres wiederholt.

380.000 Europäer sterben frühzeitig aufgrund der Schadstoffbelastung

Überall dort, wo noch eher altertümlich mit Kohle, Holz oder Diesel geheizt und gekocht wird, ist die Gefahr, kleine Staubteilchen, die mit dem Rauch in die Lunge gelangen, einzuatmen, besonders hoch.

Vor allem in Asien kommt es dadurch zu frühzeitigen Todesfällen durch Feinstaub. Alleine in Indien und China sterben jedes Jahr, so schreibt es der Journalist Sven Stockrahm in „So tödlich ist Feinstaub“, jährlich rund zwei Millionen Menschen an Krankheiten, die durch Luftverschmutzung verursacht wurden.

Asien ist weit weg und wir brauchen uns keine Sorgen machen? Falsch. Das Mainzer Max-Planck-Institut für Chemie errechnete auf der Grundlage von Daten aus dem Jahr 2010, das rund 380.000 Menschen pro Jahr aufgrund der hohen Schadstoffbelastung frühzeitig sterben. In Deutschland, so schreibt Stockrahm weiter, würden 34.000 Menschen ohne die Feinstaubbelastung noch leben.

Der Tagesgrenzwert für Feinstaub liegt europaweit bei 50 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft. In Paris kommt es mitunter zu Spitzenwerten von bis zu 180 Mikrogramm. Da versinkt der Eiffelturm schonmal im smoggigen Nebel, ohne das Touristen es überhaupt merken.

In all dem Dunst gibt es jetzt zumindest einen kleinen Lichtblick: Die Pariser Bürgermeisterin, Anne Hidalgo, hat kürzlich ein Fahrverbot für ältere Lkw und Busse durchgesetzt. Doch das reicht der Sozialistin nicht: In fünf Jahren soll kein Dieselfahrzeug mehr auf Paris‘ Straßen fahren und dafür der öffentliche Nahverkehr deutlich ausgebaut werden.

In Stuttgart ist die Luft am schlechtesten

Auch in Deutschland gibt es Regionen, in denen der Höchstwert regelmäßig überschritten wird. Obwohl, so schreibt es das Umweltbundesamt, die Feinstaubbelastung in Deutschland seit 1990 deutlich abgenommen hat, werden die zulässigen Grenzwerte vor allem in großen Ballungsräumen mit viel Industrie und dichtem Verkehr noch zu häufig überschritten.

2014 war die am stärksten mit Feinstaub und Stickstoffoxid belastete Stadt Deutschlands, Stuttgart. Begünstigt durch die Kessellage der Hauptstadt Baden-Württembergs, sammeln sich hier die schädlichen Partikelchen stärker. Der Jahreswert von Stickstoffdioxid ist deshalb teils mehr als doppelt so hoch wie der zulässige Grenzwert.

Auch in Berlin, Frankfurt Oder, Chemnitz, Kiel und anderen deutschen Großstädten kommt es noch zu häufig (hier findet ihr eine Auflistung aller Messwerte des Umweltbundesamtes für 2014) zu einer Überschreitung des zulässigen Grenzwertes für Feinstaub. Deshalb, findet ze.tt, wäre es zumindest eine Überlegung wert, auch hier sonntags einfach mal das Auto stehen lassen zu müssen.