So ändert ihr die faulen Gewohnheiten eures Gehirns

Wenn ihr mit 25 Jahren gerade so richtig im Leben durchstartet, ist euer Gehirn schon fast in Rente. Im Kopf jung und flexibel zu bleiben, ist ganz schön anstrengend, kann sich aber auszahlen.

@ narico / photocase.de

Im Kopf flexibel zu bleiben ist ganz schön anstrengend. @ narico / photocase.de

Bereits mit 25 ist euer Gehirn nicht mehr so flexibel und formbar wie in unserer Kindheit. Neue Dinge zu lernen wird dadurch selbst in dem Alter schon zur echten Herausforderung. Das kann jeder bestätigen, der an der Uni eine Fremdsprache belegt hat.

Die Ursache dafür liegt in den Pfaden und Mustern, die das Gehirn anlegt. Deborah Ancona vom MIT fasst das gegenüber den Kollegen von „Fast Company“ so zusammen: „Wir Menschen entwickeln neurale Pfade und Verbindungen, und je mehr wir diese über die Jahre benutzen, desto fester werden sie im Gehirn verankert.“

Etwas detaillierter: Je öfter zwei Nervenzellen im Gehirn gemeinsam benutzt werden, desto stärker wird der Pfad, der zwischen ihnen besteht. Mit 25 Jahren sind diese Pfade bereits so stark, dass wir fast nicht mehr aus ihnen ausbrechen können. Denn unser Gehirn ist grundsätzlich faul (wie wir alle) und wählt den Weg der geringsten Anstrengung, weiß Tara Swart, Neurowissenschaftlerin am MIT. Wann immer das Gehirn also nun einen neuen Reiz empfängt, wird es versuchen, diesen innerhalb der alten Bahnen zu verarbeiten. Dadurch wird es zunehmend schwierig, neue Pfade herzustellen.

Ist mit 25 Jahren also schon alles zu spät? Sind wir nun für immer in unseren bestehenden Denk- und Verhaltensmustern gefangen?

Nein, denn auch als Erwachsener kann man noch neue Verbindungen zwischen den Nervenzellen bilden. Es ist nur anstrengender und benötigt mehr Übung. Deborah Ancona und Tara Swart haben den Kollegen von Fast Company einige Möglichkeiten verraten, um das Gehirn auch mit 25 Jahren (und später) jung und flexibel zu halten. Man muss dafür einfach die drei folgenden Punkte berücksichtigen.

1. Aufmerksamkeit steuern

Um neue Verbindungen zwischen den Nervenzellen zu schaffen, müssen bewusst die Teile des Gehirns aktiviert werden, die man sonst nicht benutzt. Ob das passiert, lässt sich ganz leicht überprüfen: Wenn das Gehirn anders arbeitet als sonst, ist das so anstrengend, dass man sich anschließend erschöpft fühlt. Fast so, als ob man 10 Kilometer weit gelaufen wäre.

Um das Gehirn zur Bildung neuer Verbindungen zu stimulieren, empfiehlt Swart, ein Instrument oder eine Fremdsprache zu erlernen. Aber auch jede andere Aufgabe ist geeignet, vorausgesetzt sie ist herausfordernd, erfordert die kontinuierliche Verarbeitung von Daten, das Lösen komplexer Probleme, die Erarbeitung einer Strategie sowie Selbstkontrolle und Selbstreflexion.

2. Wiederholen und üben

Neue Verbindungen zwischen Nervenzellen sind schwach und bleiben nicht lange bestehen. Außer man fängt an, sie regelmäßig zu nutzen. Denn nur durch Wiederholung und Übung wird das neue Muster gestärkt und steht in Zukunft direkt zum Abruf bereit. Bis es soweit ist, können laut den Neurowissenschaftlern allerdings bis zu viereinhalb Monate vergehen.

3. Rahmenbedingungen schaffen

Egal wie sehr man sich auch anstrengt: Wenn die Rahmenbedingungen nicht stimmen, kann das Gehirn auch keine neue Verbindungen knüpfen. Bei Stress, Schlafmangel, Hunger oder anderen Erschöpfungszuständen schaltet das Gehirn automatisch in einen Überlebensmodus, in dem es so wenig Energie wie möglich verbraucht. Dann greift es auch wieder auf die alten Muster zurück.

Körperliche Gesundheit und ausreichende Nährstoffversorgung sind also genauso wichtig wie kontinuierliche Übung. Nur wenn das gegeben ist, kann das Gehirn die Nährstoffe in die Regionen senden, auf die man seine Aufmerksamkeit lenkt und mit denen man sich stärker befassen möchte.

Im Kopf jung und flexibel zu bleiben, ist also ganz schön anstrengend, kann sich aber auszahlen. Denn nicht immer sind die Denkmuster, die sich etabliert haben, auch die sinnvollsten. Und mit 25 Jahren will schließlich niemand schon zum alten Eisen gehören, wenn auch nur mental.

Redaktion: Carolin Ludwig


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