So alt und männlich sind die Menschen, die in den Bundestag wollen

Gut 4.800 Menschen wollen in den Bundestag – doch nur knapp 600 Sitze sind zu vergeben. Unter den Kandidat*innen sind verhältnismäßig wenige junge Menschen und wenige Frauen.

AfD-Spitzenkandidat Alexander Gauland gehört mit 76 Jahren zu den älteren Kandidat*innen. © Michael Kappeler/dpa

Wir haben uns angeschaut, wie hoch der Frauenanteil unter den Kandidat*innen ist und wie die Altersverteilung in den Parteien aussieht (PDF des Bundeswahlleiters).

Frauenanteil gestiegen – auf niedrigem Niveau

Unter den Kandidierenden sind 3.428 Männer (71 Prozent) und 1.400 Frauen (29 Prozent). Kurz: Wir können schon jetzt davon ausgehen, dass unser Parlament wahrscheinlich ziemlich männlich sein wird. Laut Bundeswahlleiter ist der Frauenanteil unter den Kandidat*innen im Vergleich zur Wahl vor vier Jahren gestiegen, liegt aber unter dem Höchstwert von 1994, als er bei 29,5 Prozent lag.

Den Gendergap sehen wir nicht nur bei älteren Kandidierenden, sondern bereits bei den jungen: In der Gruppe der 18- bis 30-Jährigen stehen fast drei Viertel Männer etwas mehr als einem Viertel Frauen gegenüber. Zu den Parteien mit dem größten Frauenanteil gehört übrigens die Partei für Veränderung, Vegetarier und Veganer (V-Partei³) mit einem Frauenanteil von 52,2 Prozent.

Im Durchschnitt älter als die Gesellschaft

Die Kandidat*innen für den Bundestag sind im Durchschnitt 47 Jahre alt. Von 18 bis 89 Jahren ist alles mit dabei. Damit sind die Kandidierenden durchschnittlich etwas älter als die statistische Mitte unserer Gesellschaft. Zum Vergleich: Im Jahr 2015 lag das Durchschnittsalter unserer Gesellschaft bei 42,8 Jahren bei den Männer und 45,6 Jahren bei den Frauen.

599 Kandidat*innen, also 12 Prozent, sind unter 30 Jahre alt, darunter über 200 Studierende, 21 Auszubildende und 42 Schüler*innen, auch eine 19-jährige Profikickboxerin aus Bayern und ein 29-jährger Comic-Händler aus Hannover.

Der jüngste Kandidat ist Floris Beer, der erst kurz vor dem Wahltag 18 Jahre alt wird. Er tritt im Wahlkreis Frankfurt (Oder)-Oder-Spree für Die Partei an. Die älteste Kandidatin ist die 89-jährige Barbara Waltraud Irmgard Rütting, die in Bayern für die V-Partei³ antritt.

Fast ein Drittel der Kandidat*innen ist zwischen 50 und 60

Willkommen zur Ü30-Party! Ab 30 steigt offenbar das Interesse an einem Bundestagsmandat: Die 30- bis 39-Jährigen stellen fast ein Fünftel der Kandidat*innen. Die größte Bewerbergruppe allerdings ist die Gruppe der 50- bis 59-Jährigen. Sie stellen fast 28 Prozent der Kandidierenden.

Zu den jüngsten der 42 Parteien gehören die Neue Liberale – Die Sozialliberalen, deren Kandidat*innen im Schnitt 30 Jahre alt sind, die Allianz Deutscher Demokraten mit 36 und Die Partei mit 37 Jahren – von ihnen wird laut jüngsten Umfragen wohl keine die Fünf-Prozent-Hürde schaffen. Die ältesten Parteien am Start sind die feministische Partei DIE FRAUEN (63 Jahre im Schnitt), Die LINKE, Ab jetzt … Demokratie durch Volksabstimmung – Politik für die Menschen, Die Violetten (alle 58 Jahre) sowie die Deutsche Kommunistische Partei (56 Jahre).

Die Kandidat*innen der FDP sind im Schnitt die jüngsten

Die Kandidierenden der Parteien, die wahrscheinlich nach dieser Wahl im Reichstagsgebäude sitzen werden, sind im Schnitt Mitte/Ende 40 – davon am jüngsten sind die Bewerber*innen der FDP mit 44 Jahren und die Grünen mit 45 Jahren im Durchschnitt. Die Ältesten: Alternative für Deutschland mit 52 sowie Die LINKE mit 58 Jahren.

Wie die Altersstruktur und das zahlenmäßige Verhältnis zwischen Männern und Frauen im Bundestag letztlich aussehen wird, erfahren wir am 24. September, sobald die Stimmen ausgezählt sind. Für die jungen Kandidat*innen wird es schwierig – viele von ihnen stehen auf den hinteren Listenplätzen, insbesondere bei den etablierten Parteien.